Wildflecken
Gesundheit

Ein Markt geht auf Ärztesuche

Medizinische Versorgung ist auf dem Land ein großes Thema. Im Markt Wildflecken wartet derzeit eine Arztstelle auf Nachbesetzung. Um einen Arzt zu finden, geht die Kommune einen besonderen Weg.
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Das Werbebanner ist eine der konventionelleren Ideen, mit denen der Markt Wildflecken einen Arzt sucht. Foto: Johannes Schlereth
Das Werbebanner ist eine der konventionelleren Ideen, mit denen der Markt Wildflecken einen Arzt sucht. Foto: Johannes Schlereth

Wer eine Arztpraxis aufsucht, ist im Regelfall Patient. Im Markt Wildflecken ist das derzeit anders, dort lässt sich eine Praxis virtuell besuchen. Auf der Facebook-Seite der Kommune gibt es einen Video-Rundgang durch die Arztpraxis von Dr. Herwart Bachmann in Oberbach. "Wir suchen einen Nachfolger", sagt Daniel Kleinheinz, Verwaltungsfachwirt im Markt Wildflecken. Seit dem 1. April diesen Jahres ist die Arztstelle nicht mehr besetzt. Die Gemeindeverwaltung ist deshalb in die Offensive gegangen.

Wildflecken: Bewerbung geht viral

Die Kommune beschreitet dabei einen ungewöhnlichen Weg: "Wir haben nicht einfach nur irgendwo eine Stellenanzeige geschaltet." Der Markt Wildflecken versuche gezielt jüngere Bewerber anzusprechen. "Deshalb haben wir uns dazu entschlossen online zu werben. Dafür haben wir Anzeigen auf sämtliche online-Bewerberportale inseriert." Darunter beispielsweise Plattformen wie "xing" oder "stepstone". Für den Film und die Kampagne engagierte der Markt eigens eine Agentur. Die Kosten für Banner, Anzeigen und die Agentur belaufen sich laut Kleinheinz derzeit auf etwa 6900 Euro. Der Beschluss, die Arztsuche, derart professionell anzugehen fußt auf einem Beschluss des Marktgemeinderats.

"Die Bevölkerung hat das Thema an das Gremium herangetragen", sagt Kleinheinz rückblickend. "Es wurde darüber diskutiert, wie es in Zukunft mit der ärztlichen Versorgung im Markt Wildflecken aussehen soll. Die große Frage dabei war, wie wir jemanden herkriegen", sagt er. Laut dem Verwaltungsfachwirt sei schnell klar gewesen, "dass die Gemeinde dafür ran muss".

Arztstellen sind abhängig vom Versorgungsgrad

Das hat einen Grund, denn wenn ein Kassenarzt seine Praxistätigkeit beendet, kann er die Ausschreibung beantragen, teilt Michael Heiligenthal, Berater bei der kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), mit. Findet sich niemand, der die Stelle antritt - kann diese aus der hausärztlichen Versorgungsliste gestrichen werden. Die Folge direkte Folge für Wildflecken wäre in diesem Fall, dass es nur noch eine Arztpraxis in der Kommune geben würde. Ob das worst-case Szenario eintritt ist jedoch unklar. Denn die Situation hängt mit dem hausärztlichen Versorgungsgrad der Region zusammen.

"Der hausärztliche Versorgungsgrad im Altlandkreis Bad Brückenau, zu dem der Markt Wildflecken gehört, liegt derzeit bei 113 Prozent", sagt Heiligenthal. Deshalb gilt der Bereich als gesperrt. Fällt die Quote jedoch unter 110 Prozent, lässt sich der hausärztliche Planungsbereich öffnen. Das heißt, dass es in dem Planungsbereich eventuell neue Niederlassungsmöglichkeiten für Ärzte geben kann. Die Entscheidung darüber fällt der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen.

Allerdings ist für Heiligenthal unklar, ob durch den Wegfall der Oberbacher Praxis die Quote unter 110 Prozent fällt. Findet sich kein Nachfolger für Dr. Herwart Bachmann, kann es also sein, dass die Stelle gestrichen wird und sich trotzdem kein neuer Arzt niederlassen darf. Hoffnung macht Heiligenthal jedoch die neue deutschlandweite Bedarfsrichtlinie. "Vielleicht tut sich dadurch was. Die neue Berechnungsart könnte Spielraum schaffen."

Unabhängig davon gab es bereits einen Lichtblick für die Gemeindeverwaltung. "Es gibt eine ernsthafte Anfrage, die es derzeit allerdings noch zu prüfen gilt", teilt Kleinheinz auf Anfrage dieser Redaktion mit.

2926 Bürger hat der Markt Wildflecken derzeit.

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