Poppenhausen (Wasserkuppe)
Innovation

Ein Käfer, der bedrohte Pflanzen auf der Wasserkuppe erhält

In der Rhön geht man beim Artenschutz neue Wege: Der "eBeetle" streift Samen aus Blüten, um so seltene Pflanzen so zu vermehren und zu erhalten.
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Stellten den "eBeetle" nahe der Wasserkuppe vor (von links): Michael Köhler, Martin Seuring, Bernd Woide, Jonas Thielen, Torsten Raab und  Stefan Weber.           Foto: Hanna Wiehe
Stellten den "eBeetle" nahe der Wasserkuppe vor (von links): Michael Köhler, Martin Seuring, Bernd Woide, Jonas Thielen, Torsten Raab und Stefan Weber. Foto: Hanna Wiehe

Auf den ersten Blick sieht der "eBeetle" aus wie ein Rasenmäher oder eine Kehrmaschine - und so ähnlich funktioniert er auch: Biolandwirt Stefan Weber aus Schwarzerden fährt damit über eine Fläche, das Gerät streift die Samen aus den Blüten und sammelt sie in seinem Inneren in einem Tank. Dieser Fundus wird auf einem weißen Tuch ausgebreitet, wo die Samen trocknen.

"Die Idee, so ein Gerät anzuschaffen, kam uns vor etwa drei Jahren beim Lesen eines Artikels in einer Fachzeitschrift", sagt Martin Seuring vom Fachdienst Natur und Landschaft des Landkreises Fulda. In diesem Jahr nun ist ein solches, etwa 20.000 Euro teures Gerät vom Landkreis angeschafft worden - "das neueste Modell", wie man bei der Demonstration stolz erklärt.

Warum dessen Einsatz überhaupt notwendig ist, erläutert Jonas Thielen vom Life-Projekt: "Das Problem ist, dass es nicht mehr viele Flächen gibt, die diese besondere Zusammensetzung an Pflanzen haben, die schützenswert sind."

Berggrünwiesen und Borstgrasrasen

Zu solchen Schutzgebieten gehören Berggrünwiesen und Borstgrasrasen in der Hochrhön - also ab etwa 700 Metern Höhe. "Das Gerät war schon im Bereich der Wasserkuppe unterwegs und im Roten Moor, am Mathesberg", sagt Michael Köhler vom Fachdienst Natur und Landschaft. Auf diese sogenannten Lebensraumtypen konzentriere man sich beim Sammeln. Sie sind nicht nur an sich schützenswert, sondern auch als Lebensraum für Insekten und Vogelarten. Durch die Maschine habe man die Möglichkeit, die Pflanzen auf diesen Wiesen zu vermehren und so vom Aussterben bedrohte Pflanzen zu retten. Die Ernte soll mehrfach im Jahr erfolgen, um die Blütenstände verschiedener Pflanzen zu erfassen. Landrat Bernd Woide (CDU) verdeutlicht: "Was wir hier erreichen wollen, kann man nicht kaufen - diese Samen gibt es nicht als Mischung in der Gärtnerei." Um diese Pflanzen zu schützen und zu erhalten, müsse man diese selbst herstellen. Genau das macht der "eBeetle".

Seit etwa vier Wochen mit dem "eBeetle" unterwegs

Landwirt Stefan Weber ist vom Landkreis seit Kurzem damit beauftragt worden, bestimmte Bereiche "abzuernten". Seit etwa vier Wochen ist er mit dem "eBeetle" unterwegs, wie er sagt. Etwa eine Woche trocknen die gesammelten Samen dann bei ihm in Schwarzerden und werden dabei mehrfach gewendet. 2019 sollen die Saatmischungen an geeigneten Stellen wieder ausgesät werden - in der direkten Umgebung der Flächen, auf denen wir sie geerntet haben, sagt Thielen. Man wolle Saatgut nutzen, das vor Ort vorkommt, und das unter gleichen Bedingungen wachsen kann.

Hanna Wiehe

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