Sinntal ist ein ganzes Stück nach rechts gerückt: Mit 20 Prozent holte die AfD hier das beste Ergebnis im Wahlkreis. Stimmten noch bei der Bundestagswahl im Jahr 2013 nur 8,9 Prozent der Wähler im Sinntal für die AfD, so wählte nun ein Fünftel die "Alternative für Deutschland". Deren Spitzenkandidatin Mariana Harder-Kühnel erhielt von den Oberzellern mit 28 Prozent die meisten Stimmen, die wenigsten bekam sie aus Jossa mit 11 Prozent. Die meisten Zweitstimmen erhielt die AfD jedoch von den Schwarzenfelsern mit 28,7 Prozent.
Herbe Verluste musste hingegen die CDU im Sinntal hinnehmen. Sie verlor 10,3 Prozentpunkte im Vergleich zur vorigen Bundestagswahl und sank von 41 Prozent auf 30,7 Prozent. Dennoch gewann Dr. Peter Tauber im Sinntal die meisten Stimmen von allen Direktkandidaten mit 34,2 Prozent. Sein bestes Ergebnis erzielte er im "schwarzen" Ortsteil Weiperz mit
50,8 Prozent, sein schlechtestes in Schwarzenfels mit 26,3 Prozent - zeitgleich sein einziges Ergebnis unter der 30-Prozent-Marke.
Die Sozialdemokraten verloren zwar auch an Prozentpunkten, mit einem Rückgang um 3,9 Prozentpunkte von 28,5 Prozent (2013) auf 24,6 Prozent allerdings nicht so drastisch wie die CDU. Lediglich zweimal schaffte es die SPD über 30 Prozent - in Jossa mit 30,6 Prozent und in Weichersbach mit 30,4 Prozent. SPD-Direktkandidatin Bettina Müller fuhr ihr bestes Ergebnis dann auch in Jossa mit 34,1 Prozent ein. In Weiperz kam sie lediglich auf 13,6 Prozent. Sie schnitt im Vergleich mit ihrer Partei bei den Sinntalern besser ab und heimste insgesamt 28,6 Prozent der Stimmen ein.
Der einzige Direktkandidat aus dem Bergwinkel, Dirk Methfessel von der Linkspartei, erzielte mit 7,2 Prozent in Schwarzenfels sein bestes Ergebnis im Sinntal (kreisweit 5,9 Prozent). Dort, wo gleichzeitig die AfD die meisten Zweitstimmen bekam, erhielt auch Die Linke ihre meisten Stimmen: in Schwarzenfels (8,5 Prozent).
Das Ergebnis der FDP im Sinntal spiegelt das auf Bundesebene wider: Die Sinntaler gaben den Liberalen 10,4 Prozent der Stimmen, bundesweit waren es 10,6 Prozent. In Neuengronau konnte die FDP sogar 17, 5 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen, während ihr schlechtestes Ergebnis mit 5,7 Prozent in Jossa lag.
Insgesamt war die Wahlbeteiligung mit 79,8 Prozent höher als im Bundesdurchschnitt (75,5 Prozent). Am "faulsten" waren
die Sterbfritzer: Nur 59,6 Prozent der Wahlberechtigten - ohne Briefwahl - ging dort zur Urne, gefolgt von Oberzell (59,7 Prozent). "Fleißig" waren hingegen die Weiperzer - fast Dreiviertel der Wahlberechtigten (72,4 Prozent) gaben am Sonntag ihre Stimmen ab. Julia Kreß