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Oberleichtersbach
Wirtschaft

Ein findiger Wasserwart aus Oberleichtersbach

Gerhard Helfrich hat eine Idee. Mit einem neuen Gerät möchte der Oberleichtersbacher Gemeinderat die Suche nach Lecks im Trinkwassernetz vereinfachen. Der Modloser Jürgen Müller hat ihm bei der Entwicklung geholfen.
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Gerhard Helfrich (links) entwickelte den Cleverboy ( Kasten). Jürgen Müller sorgte für die Datenübertragung per Funk. Schon bald soll diese Idee aber weiterentwickelt werden. Dann läuft die Datenverbindung übers Handynetz. Foto: Ulrike Müller
Gerhard Helfrich (links) entwickelte den Cleverboy ( Kasten). Jürgen Müller sorgte für die Datenübertragung per Funk. Schon bald soll diese Idee aber weiterentwickelt werden. Dann läuft die Datenverbindung übers Handynetz. Foto: Ulrike Müller
Es tropft. Nur wo genau, das kann Gerhard Helfrich nicht sagen. Der Wasserwart der Gemeinde Oberleichtersbach kennt das mühsame Suchen nach einem Leck, das irgendwo sein muss. Vermutet er im Trinkwassernetz eine undichte Stelle, so legt er aufwendig eine Ersatzleitung, um den Durchfluss zu messen. Nachts, mit Feuerwehrschläuchen und einem mobilen Wasserzähler, um das Leck zu lokalisieren. Dann wird die Stelle aufgebaggert und repariert. Aufwendig, viel zu aufwendig, dachte sich Helfrich. Es müsste doch auch anders gehen.


Datenübertragung übers Handy

Andere Wasserwarte nutzen andere Verfahren, viel Arbeit ist es dennoch. In Bad Brückenau zum Beispiel sucht Wassermeister Hubert Breitenbach systematisch mit Horchgeräten nach Lecks. "Jedes Loch verursacht ein kleines Geräusch", erklärt Günter Schneider, Chef der Stadtwerke Bad Brückenau. Die akustischen Messgeräte setzt Breitenbach auf Hydranten, auch die messen nachts, wenn alles ganz still ist. Am nächsten Tag liest Breitenbach die Daten aus. "So suchen wir strategisch alle Bereiche ab", sagt der Wassermeister. Dabei ist klar: "Verluste gibt's immer."

Etwa 40.000 Kubikmeter Wasser (etwas weniger als zehn Prozent) sind im Jahr 2014 im Bereich der Stadtwerke Bad Brückenau in der Erde versickert. In Oberleichtersbach waren es im selben Jahr ungefähr 20.000 Kubikmeter. "Mein Ziel ist, dass die Suche nach Lecks einfacher wird, und die Verluste nicht ins Unendliche steigen", sagt Gerhard Helfrich. Es müsste doch möglich sein, die Größe der Wasserverluste über die Geschwindigkeit des Druckabfalls in der Leitung zu ermitteln. Gesagt, getan. Helfrich entwickelte ein Gerät - den Cleverboy - und meldete Patent an. Jürgen Müller aus Modlos bastelte den ersten Prototypen. Via Funk überträgt der Cleverboy die Daten auf den Computer. Doch damit waren die beiden Tüftler noch nicht zufrieden, nun arbeiten sie in Zusammenarbeit mit Dieter Martin aus Bad Brückenau (Gründer der Firma Martin Elektrotechnik) an einer Lösung per Handyübertragung.


Eigenes Unternehmen gegründet

Seine Erfindung hat Helfrich bereits in Schweinfurt vorgestellt - bei der Wasserwerksnachbarschaftstagung. Die Reaktionen seien positiv ausgefallen, erzählt er begeistert. Nun geht's in die Testphase. Im Frühjahr sollen die ersten Geräte zur Verfügung stehen. "Es wäre eine neue Möglichkeit, Wasserrohrbrüche zu finden", sagt Günter Schneider von den Stadtwerken. "Das wollen wir auf jeden Fall ausprobieren."

Inzwischen hat Helfrich sogar ein eigenes Unternehmen gegründet, die Turn-off metering GmbH. Muss Oberleichtersbach in Zukunft gar auf den findigen Wasserwart und Gemeinderat verzichten? Helfrich lacht. "Das muss erst mal so nebenbei laufen. Man weiß ja noch gar nicht, wie sich das entwickelt."

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