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Eckarts: Julia Hildmann startet eine Kampagne für ihre Schüler in Brasilien

Julia Hildmann aus Eckarts arbeitet für eine brasilianische Bildungsbewegung. Zurück in ihrer Rhöner Heimat wirbt sie um Unterstützung für ihre Kampagne "CO2-Operation".
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Julia Hildmann (Bildmitte) baut mit ihren Schülern. Das Baumaterial ist einfacher Lehm. Foto: Rodrigo Patrocino
Julia Hildmann (Bildmitte) baut mit ihren Schülern. Das Baumaterial ist einfacher Lehm. Foto: Rodrigo Patrocino
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Die Idee ist einfach. Wer eine Flugreise macht, setzt viel Kohlendioxid frei. Deshalb gibt es schon jetzt viele Initiativen, die gegen einen finanziellen Beitrag irgendwo auf dieser Welt einen Ausgleich schaffen - sei es zum Beispiel, einen Baum zu pflanzen. Julia Hildmann aus Eckarts hat etwas ähnliches vor. Doch Bäume stehen für sie nicht im Fokus. Sie möchte jungen Menschen im Sertão, der ärmsten Region Brasiliens, eine Perspektive bieten. Und diese Perspektive soll am Ende auch dem Klima nutzen.

Seit Frühjahr 2017 lebt Hildmann in Brasilien. Bewusst entschied sie sich gegen eine Organisation, die klassische Entwicklungshilfe leistet. Die 30-Jährige Soziologin steht dem Ansatz, dass Menschen aus Industrienationen Menschen in anderen Ländern sagen, wie sie zu leben haben, kritisch gegenüber. Mit "Prece" fand sie eine einheimische Initiative, mit deren Zielen sie sich identifiziert. Die Bildungsbewegung möchte jungen Menschen Perspektiven geben, damit sie in ihrer Heimat bleiben und nicht in die großen Städte Brasiliens fortgehen.

Kulturwandel auf zwei Ebenen

Mit ihrer Initiative möchte die junge Frau einen zweifachen Kulturwandel anstoßen. Es soll nicht nur um den ökologischen Aspekt gehen, dass sich Flugreisende quasi ein reines Gewissen erkaufen. Für Hildmann hat die Ökonomie zentrale Bedeutung. Ihre Schüler haben viele Ideen, wie sie etwas gegen Müll, Massentierhaltung oder herkömmliche Anbaumethoden - für die in Brasilien nach wie vor Regenwald gerodet wird - tun können.

Diese Projekte möchte Hildmann in Form von Sozialunternehmen verwirklichen. Bei dieser Form des Wirtschaftens steht die Lösung sozialer Probleme im Mittelpunkt und es geht nicht um hohe finanzielle Gewinne. Das halte junge Menschen in der Region und bewirke langfristig ein Umdenken bei Reisenden und Einheimischen. Im Sertão beispielsweise unterhält ihre Bewegung ein Schwimmbad. "Mir ist wichtig, dass wir alles, was wir tun, mit den Schülern gemeinsam entwickeln", sagt sie. Zudem findet sie dieses Vorgehen weitaus transparenter, als sich im Internet einen Betrag pro Flugreise ausrechnen zu lassen und an eine beliebige Organisation zu spenden.

Prece ist eine Bildungsbewegung, die im Jahr 1994 von sieben arbeitslosen Brasilianern ins Leben gerufen wurde. Die jungen Leute motivierten sich gegenseitig, ihren Träumen zu folgen und an den Dingen, die sie gut können, zu arbeiten. Ihre Strategie nannten sie "kooperatives Lernen". Noch heute gibt es mehrere lokale Schülervereinigungen im Sertão, die dieses Prinzip anwenden. Zudem betreibt Prece eine Modellschule in Fortaleza und ermöglichte begabten Schülern aus armen Familien ein Studium. Doch viele junge Leute kehren nicht zurück. Deshalb liegt in jüngster Zeit der Fokus der Bewegung zunehmend auf der Gründung von Sozialunternehmen, um die Region dauerhaft zu stärken.

CO2-Operation ist eine Initiative von Julia Hildmann, die sie gemeinsam mit ihren Schülern der Modellschule entwickelt hat. Die Idee ist es, dass Flugreisende, die ihren Verbrauch an Kohlendioxid kompensieren möchten, verschiedene Projekte im Sertão unterstützen können. Als erste Projekte nennt Hildmann die Eröffnung eines veganen Restaurants, einen Recycling-Betrieb für Altpapier und den Umbau einer Papaya-Plantage zum Agroforst. Agroforstwirtschaftliche Systeme werden laut Wikipedia insbesondere in Gebieten, die natürlicherweise von tropischem Regenwald bewachsen sind, als ökologisch vorteilhaft gegenüber einer kompletten Rodung angesehen.

Kampagne Seit Anfang des Jahres läuft Julia Hildmanns Kampagne. Es gibt zwei Finanzierungsziele - 7500 Euro für die Entwicklung einer App und in einem zweiten Schritt 15 000 Euro zur Anschubfinanzierung der Projekte der Schüler. Ihre Kampagne kann man hier unterstützen.

Veranstaltungen Am Samstag, 4. Januar, organisiert Julia Hildmann ein Benefizkonzert in der evangelischen Kirche in Eckarts. Christian Hirschler aus Bad Brückenau spielt, danach gibt es noch ein gemütliches Beisammensein mit Suppe an der Feuertonne. Das Konzert beginnt um 18 Uhr. Am Mittwoch, 8. Januar, stellt sie ihre Arbeit in der christlichen Gemeinde Bad Kissingen vor. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr am Breiten Rasen 13.

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