Bad Brückenau
Ludwigstraße

Diskussion um Fußgängerzone in Bad Brückenau

Von 18.30 bis 11 Uhr rollt Verkehr mitten durch die Innenstadt. Einige Einzelhändler würden diese Zeit gerne erweitern. Das sorgt für heftige Diskussionen. Sagen Sie uns Ihre Meinung bei einer Umfrage!
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Am Nachmittag ist die Ludwigstraße für Lieferverkehr gesperrt. Fotos: Ulrike Müller
Am Nachmittag ist die Ludwigstraße für Lieferverkehr gesperrt. Fotos: Ulrike Müller
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Eines vorweg: Kein Mensch hat die ernsthafte Absicht, die Ludwigstraße zur Hauptverkehrsader zu machen, so wie es bis in die 1990er Jahre der Fall war. "Der heraufbeschworene Durchgangsverkehr ist weder sinnvoll, noch vom Handel gewünscht", nimmt Volker Wedde, Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern für Unterfranken, der Diskussion den Wind aus den Segeln, bevor der große Sturm losbricht.

Mehrere Einzelhändler aus Bad Brückenau hatten Wedde um Rat gefragt. "Alle sind sich einig, dass was passieren muss", sagt Adolf Dörflinger und betont, dass die jüngste Debatte um die Öffnung der Fußgängerzone nicht ein Projekt des Forums ist. Vielmehr hätten sich einzelne Händler und Vertreter der Stadt mit Volker Wedde vom Handelsverband getroffen, um Lösungen zu suchen, damit die Innenstadt für Kunden wieder attraktiver wird.

Im Moment ist die Ludwigstraße von 18.30 bis 11 Uhr für Lieferverkehr geöffnet. Eigentlich. Denn praktisch fahren bis Mittag auch gerne private Pkw bis auf den Marktplatz oder direkt vors Geschäft. "Wir dulden das um unserer Gäste willen", sagt Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) und hofft, dass so auch Kurgäste den Weg in die Innenstadt finden.

Doch nicht alle Geschäftsleute sind damit einverstanden. In der Altstadt beispielsweise sind den Gastwirten Autofahrer, die zum Teil mit hohen Geschwindigkeiten die Abkürzung zwischen Schwaneneck und E-Center nehmen, schon lange ein Dorn im Auge. "Meine Gäste möchten in Ruhe Essen, und zwar ohne Abgase auf dem Flammkuchen!", wird Thomas Dittmayer deutlich. Der Stadtrat beschloss im Oktober, die Abkürzung zu versperren. Jetzt nach dem Stadtfest sollen die Pfosten eingesetzt werden.

Umfrage sorgt für Unmut
Als Anfang des Jahres unter den Einzelhändlern eine Umfrage kursierte, die Ludwigstraße länger als bisher für den Verkehr zu öffnen, reichte es den Wirten. "Mir bringen mehr Autos rein gar nichts, ich hab ja keinen Drive-In", sagt Harry Richter vom Gasthaus "Zur Altstadt", und Roberto Kopp vom Eiscafé Venezia ergänzt: "Es gibt genug Parkplätze, da muss man nicht die Ludwigstraße belegen."

Zusammen mit Gleichgesinnten starteten Dittmayer, Richter und Kopp eine Umfrage und befragten ihre Kunden. 227 Unterschriften übergaben sie der Bürgermeisterin Mitte Mai. "Wir werden das Thema von der Stadt aus ganz sachlich angehen", sagte Meyerdierks damals. Unterstützung bekommen die Gegner von Wirtschaftsreferent Hartmut Bös (CSU), der eine Öffnung der Ludwigstraße ebenfalls kritisch sieht.

Doch wenn die lauten Töne verhallen, wird klar: Ganz so einfach ist das Thema nicht. Denn Volker Wedde hat durchaus seine Gründe, wenn er die Einzelhändler um ihre Meinung bittet. "Von 100 Euro im Geldbeutel wurden in den 1990er Jahren noch 40 Euro im Einzelhandel ausgegeben", nennt er Fakten. "Heute sind es noch 28 Euro." Energie- und Benzinpreise seien gestiegen, zudem ziehe die Konkurrenz der Online-Versandhäuser Geld aus der Region ab. Das würden alle Einzelhändler merken, nicht nur in Bad Brückenau. In manchen Städten seien Fußgängerzonen deshalb wieder geöffnet worden, erklärt Wedde.

Die Umfrage hat gezeigt, dass 15 von 22 Einzelhändlern, die sich beteiligt haben, einer Öffnung positiv gegenüberstehen. Wie diese Öffnung konkret aussehen könnte, ist aber noch völlig unklar. Erst einmal müsse mit allen Beteiligten gesprochen werden, macht Wedde klar. Klar sei auch: Wenn etwas geändert wird, dann zunächst einmal probehalber als Testphase.
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