Bad Brückenau
Info-Abend

Die lange Bank des Wartens auf den Sinntal-Radweg

Das Schicksal der Bahntrasse steht in den Sternen. Die Interessengemeinschaft Rhön-Sinntal-Radweg braucht noch einen langen Atem. Mit 34 zu sieben Stimmen gab es schon ein Votum für die Initiative eines durchgehenden Radweges.
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Verwaister Bahnhof: Wolfgang Weller kämpft für einen Radweg auf der Bahntrasse und eine Umnutzung der alten Gebäude. Foto: Ulrike Müller
Verwaister Bahnhof: Wolfgang Weller kämpft für einen Radweg auf der Bahntrasse und eine Umnutzung der alten Gebäude. Foto: Ulrike Müller
31 Kilometer lang ist die Strecke, um die schon seit Jahren gerungen wird. Ob die Bahntrasse Jossa-Wilflecken für den Bahnverkehr reaktiviert wird, oder für einen Radweg freigestellt wird, ist noch lange nicht entschieden - die Interessengemeinschaft Rhön-Sinntal-Radweg braucht wohl noch einen langen Atem. Zweite Bürgermeisterin Adelheid Zimmermann (FDP) und Wolfgang Weller von der Interessengemeinschaft freuten sich bei ihrem Info-Treffen über viele Interessierte, doch gegen Ende des diskussionsreichen Abends machte Wolfgang Illek klar: "Dass der Saal voll ist, nützt uns wenig."

Zu verfahren scheint die Situation um die Nutzung der Bahntrasse, die nun schon seit 2005 offiziell stillgelegt ist. Unrentabel war der Bahnverkehr zwischen Jossa und Wildflecken geworden. Wolfgang Weller, nach eigenen Angaben selbst kein Bahngegner, aber realistisch, zeigte die Gründe für einen Radweg auf der bestehenden Bahntrasse auf. Die gleichmäßige Steigung bzw. Gefälle käme Freizeitradlern entgegen, besonders mit Familien. Auch die E-Bikes spielten eine immer größere Rolle. Zudem würde die Infrastruktur entlang der Gleise erhalten bleiben. Denkbar wäre die Nutzung des Bahnhäuschens als Café oder Ausstellungsgebäude.
Ein Radweg neben einer reaktivierten Bahnstrecke hält Weller für Unsinn, da dies zu gefährlich wäre. Während es 600 Radwege auf stillgelegten Bahntrassen gibt, sei nur eine von 32 stillgelegten wieder für den Bahnverkehr reaktiviert worden, z.B. die von den Bahnbefürwortern gepriesene Ilztalbahn. Dieses Beispiel sei nicht mit der Strecke Jossa-Wildflecken zu vergleichen, so Weller.

Weitere Möglichkeiten, die ein Radweg mit sich bringen könnte, führte Wolfgang Weller auf. Das momentan im Verfall befindliche Bahnhofsgelände könnte neu bebaut werden, Schulkinder hätten auf ihrem Rad einen sichereren Schulweg, und im Bereich der Sinnflut wären weitere Parkplätze denkbar. Eine Reaktivierung des Bahnverkehrs sieht Weller als "Gefahrenschwerpunkt" an. Bei all den Vorteilen für den Radweg stellt er sich die Frage: "Wieso passiert das nicht?"

Schon 2007 Radweg diskutiert

Bereits 2007 wurde im Kreistag ein Radweg auf den Gleisen diskutiert, bevor im Regionalplan Südhessen die Strecke als "zur Wiederinbetriebnahme aufrechtzuerhalten" ausgewiesen wurde. Mit dem Widerspruch von den Bahngegnern wurde auch ein Kaufinteresse bei der Deutschen Bahn angemeldet, doch deren Entbehrlichkeitsprüfung läuft, und läuft, und läuft bis heute.

Was dagegen noch nicht gelaufen ist, ist die Weiterleitung der Stellungnahmen von Organisationen, die eventuell Bedarf am Weiterbetrieb der Sinntalbahn hätten. Allerdings hatten sowohl das Bayerische Wirtschaftsministerium, als auch die Bayerische Eisenbahngesellschaft bereits 2012 kein Interesse an der Strecke bekundet. Diese Stellungnahmen sind von der Regierung von Unterfranken nun noch nicht an das Eisenbahnbundesamt weitergeleitet worden.

Noch immer liegt kein Pachtvertrag der Rhein-Sieg-Eisenbahn Gmbh (RSE) vor und der zuständige Bearbeiter in der Regierung Unterfranken räume der RSE immer weitere Fristen zur Vorlage eines eindeutigen Pachtvertrages ein. Die Rhön-Sinntal-Radweg-Interessengemeinschaft spricht daher von einer bewussten Blockade seitens der Regierung von Unterfranken.

Wenig Geschlossenheit

Allerdings ist auf kommunaler Ebene auch nicht viel Geschlossenheit zu sehen. Kein Gemeindeoberhaupt war zu der Veranstaltung erschienen. Zwar hätten die Bürgermeister der Anliegergemeinden Interesse an einem Radweg geäußert, doch fehlten konkrete Anträge auf Freistellung der jeweiligen Streckenabschnitte. Zusammen, eventuell auch in der Rhön-Allianz, könne auf die Regierung mehr (Ein-)Druck gemacht werden. Moniert wurde jedoch auch, dass selbst aus dem Rathaus in Bad Brückenau keine deutlichen Signale für die Entwidmung vernehmbar seien.

Adelheid Zimmermann legte jedem nahe, bei seiner Gemeinde einen Antrag zu stellen. Zudem bestehe für jeden Bürger die Möglichkeit, ein Bürgerbegehren "Radwegbefürworter" zu beantragen.

Unter die Radwegbefürworter hatten sich auch Bahnreaktivisten gemischt, entsprechend heiß wurde diskutiert, unter anderem über die Kosten. Den Zahlen von Wolfgang Wildenauer, der einer Rad-Bahn-Kombination offen gegenüber stehen würde, dass 5000 bis 6000 Ausflügler per Bahn in die Rhön kämen, widersprach Wolfgang Weller. Adelheid Zimmermann entgegnete, dass die vermuteten Einnahmen im Vergleich zu den Investitionen in keinem Verhältnis stünden, die Trasse sei mit der Bahn "nicht wirtschaftlich zu betreiben". Ebenso negativ gesehen werden müsse die Tatsache, dass keine Anschlussmöglichkeit an den weiteren Zugverkehr bestünde.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Beide Seiten unterstellten einander, nur Behauptungen zu liefern, beiden Seiten fehle das Konzept. Genau das forderte Hans-Dietrich Unger. 500 000 Euro pro Kilometer müssten für die Reaktivierung bezahlt werden, insgesamt 15 Millionen Euro, "die nicht von Staat oder Bahn kommen".

Dagegen stünden laut Adelheid Zimmermann Fördermittel von Seiten des Landratsamtes für einen Radweg bereit, außerdem seien Zuschüsse vom Straßenbauamt und der EU möglich. Ein Finanzierungskonzept und ein Gutachten über die Durchführbarkeit sei nötig. Unger gab weiterhin zu bedenken, dass der eingeschränkte Einsatz der Bahn die dauerhafte Nutzung durch Radfahrer blockieren würde, und sprach damit den anwesenden Radfreunden aus dem Herzen. Für viele aus dem Publikum sei der Radweg ein Gewinn, der Anschluss an das hessische Radnetz sei gegeben. Inliner-, Roller- und Radfahrer könnten in gleicher Weise von dem Radweg profitieren. Sowohl Einheimische, als auch Gäste könnten den Radweg nutzen, nur er bringe touristischen Aufschwung. Laut Wolfgang Illek boome der Radtourismus, diese Chance müsse man nun ergreifen. Dafür brauche man "die Unterstützung der Politik von oben".

Für die Bahn sei der Zug abgefahren, Firmen ließen ihren Gütertransport schon längst von Speditionen fahren. Bedauert wurde, dass das anfängliche Interesse an einem Radweg im Rahmen der Agenda 21 sich nicht gehalten habe.

Eine kritische Stimme erklärte weiterhin, dass ein Pachtvertrag mit der Deutschen Bahn sinnlos sei: "Wenn eine Reaktivierung Geld bringen würde, würde die Bundesbahn das selber machen."

Die Versammlung gab mit 34 zu sieben Stimmen ein Votum für die Initiative eines durchgehenden Radweges von Jossa nach Wildflecken ab. Als Ansprechpartner erklärten sich Wolfgang Weller, Hans-Dietrich Unger und Wolfgang Illek bereit. Interessierte können sich bei Wolfgang Weller unter w.weller@online.de melden.



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