Bad Brückenau
Forschung

Die Besucher strömen ins in Biosphärenreservat

Eine Studie der Uni Würzburg belegt: Deutsche Biosphärenreservate leisten einen wichtigen Beitrag zum Tourismus.
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Ein Tourismusmagnet: Die Biosphärenreservate haben eine große Auswirkung auf den Fremdenverkehr. Das belegt eine jetzt von der Universität Würzburg verfasste Studie, die unter anderem in der Rhön erstellt wurde. Foto: Thomas Pfeuffer
Ein Tourismusmagnet: Die Biosphärenreservate haben eine große Auswirkung auf den Fremdenverkehr. Das belegt eine jetzt von der Universität Würzburg verfasste Studie, die unter anderem in der Rhön erstellt wurde. Foto: Thomas Pfeuffer
Was bislang verschiedentlich bezweifelt wurde, ist nun wissenschaftlich belegt. Die 15 deutschen Biosphärenreservate zwischen Südostrügen und Schwäbischer Alb sind wichtige Faktoren der regionalen Wirtschaftsentwicklung.

Nicht zuletzt in der Kernzonendiskussion ist in der Rhön immer wieder die Frage aufgetaucht, was der Titel Biosphärenreservat der Region eigentlich bringt. Lohnen sich die enormen Anstrengungen eigentlich auch in wirtschaftlicher Hinsicht? Das war auch die Grundfrage, die der Würzburger Geografie-Professor Hubert Job mit einem Team in einer Studie im Auftrag von Bundesumweltministerium und Bundesamt für Naturschutz (BfN) beantworten wollte. Die jetzt veröffentlichte Studie untersucht anhand von sechs ausgesuchten Gebieten den Stellenwert des Tourismus in deutschen Biosphärenreservaten für die jeweilige regionale Wirtschaft. Mittels einer Hochrechnung der Tourismusdaten wird abgeschätzt, wie sich die Situation für Biosphärenreservate deutschlandweit darstellt.

Und diese Zahlen sind durchaus beeindruckend: Die Biosphärenreservate locken pro Jahr rund 65 Millionen Touristen an, die einen Bruttoumsatz von knapp drei Milliarden Euro bewirken. Von dem hieraus entstehenden Einkommen können mehr als 86 000 Bewohner leben. "Biosphärenreservate können den Tourismus im ländlichen Raum ankurbeln. Das ist eine gute Nachricht für die biologische Vielfalt, aber auch für die Wirtschaft vor Ort", kommentiert Bundesumweltministerin Barbara Hendricks in einer Presseerklärung die Ergebnisse der Würzburger Studie. Auch BfN-Präsidentin Beate Jessel stellt dazu fest: "Daten zur wirtschaftlichen Bedeutung des Naturtourismus in Biosphärenreservaten und anderen Schutzgebieten sind eine entscheidende Grundlage, um die Potenziale von Biosphärenreservaten noch stärker zu nutzen. Das steigert auch die Akzeptanz der Schutzgebiete."

Tagesgäste sind wichtig

Die Studie beschreibt die Besucherstrukturen, das Ausgabeverhalten und die Motivation der Gäste deutscher Biosphärenreservate. Dabei zeigt sich, dass die Tagesgäste von besonderer Bedeutung sind. In vier der sechs untersuchten Biosphärenreservate hat der Tagestourismus einen Anteil von mehr als 60 Prozent. Mindestens jeder zweite Besucher weiß laut Studie grundsätzlich über den Schutzstatus des Gebiets Bescheid. Allerdings ist der Status als Biosphärenreservat im Durchschnitt nur für 6,4 Prozent der Besucher ein wichtiger Grund für den Aufenthalt in der Region.

Die Auswertungen zeigen, dass gerade bisher weniger bekannte Reiseziele von der Anerkennung als Biosphärenreservat profitieren. Zugleich gibt es aber insgesamt noch erhebliche Potenziale bei der Entwicklung schutzgebietsspezifischer Angebote im Naturtourismus. Das betrifft nicht nur Gebiete, die sich am hart umkämpften Reisemarkt erst noch einen Namen machen müssen. Gerade auch Biosphärenreservate mit langer Tourismustradition haben etwa bei der nachhaltigen Ausrichtung des Tourismus beziehungsweise der Infrastruktur durchaus noch Nachholbedarf, heißt es. Diese Potenziale besser auszuschöpfen, die Zusammenarbeit mit der Tourismusbranche zu verbessern, die Wertschöpfung im ländlichen Raum zu erhöhen, Arbeitsplätze in strukturschwachen Gebieten zu schaffen und zu sichern sowie der Landflucht der Bevölkerung entgegenzuwirken, sind Herausforderungen, denen sich alle Biosphärenreservate stellen müssen.

Die Studie "Ökonomische Effekte des Tourismus in Biosphärenreservaten Deutschlands" im Landwirtschaftsverlag ist in der Reihe Naturschutz und Bio logische Vielfalt (Heft 134) erschienen (ISBN 978-3-7843-4034-0). Sie kann bezogen werden über den BfN-Schriftenvertrieb im Landwirtschaftsverlag (www.buchweltshop.de/bfn) class="artKursiv">                                                                                                    Thomas Pfeuffer


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