Bad Brückenau
Sport in der Schüler

Brückenauer Schülerinnen motivieren Jüngere und sich selbst

Das Sportprojekt von Elke Hauswald und ihren Brückenauer Realschul-Zehntklässlerinnen, bei dem sie Grundschülern Sportunterricht mit vielen actionreichen Spielen anbieten, kommt bei Lehrern und Schülern richtig gut an.
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Marisa Hahn verteilt Seile an die gespannten Viertklässler. Foto: Julia Raab
Marisa Hahn verteilt Seile an die gespannten Viertklässler. Foto: Julia Raab
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In der Turnhalle der Grundschule ist es an diesem Freitagmittag ganz besonders wuselig. Eine Gruppe von Mädchen der 10. Klasse der Staatlichen Realschule Bad Brückenau holt aufgeregt einige Sportutensilien aus dem Geräteraum und hält immer wieder Rücksprache mit der Sportlehrerin. Dann kommen sie endlich, die Grundschüler der 4. Klasse von Eva Trutz-Özbe. Auch ihnen ist eine freudige Aufregung ins Gesicht geschrieben. Eine ungewöhnliche Sportstunde steht bevor.

Die beiden Schulklassen beäugen sich erst einmal, es wird gekichert und getuschelt, aber dann übernimmt eine der Zehntklässlerinnen das Wort und stellt sich vor. Die Grundschüler bekommen Namensschilder und werden in Gruppen eingeteilt. Dann beginnt die ungewöhnliche Sportstunde, in der die großen Realschülerinnen für die Kleinen sportliche Spiele mit richtig viel Action und Spaß - offenbar für beide Seiten - vorbereitet haben, wie es in einer normalen Sportstunde wohl nicht möglich ist.


Motivation für die Großen

Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Sportprojekt hatte die Sportlehrerin der Zehntklässlerinnen, Elke Hauswald. Der Hintergrund für ihre Schülerinnen war ein ernster: "Meine Schülerinnen brauchten etwas Motivation, um im Sportunterricht was auf die Beine zu stellen. Da kam mir die Idee dazu, sie selbst einmal in die Rolle der Lehrer und Organisatoren zu versetzen und auf diese Weise etwas Besonderes aus ihnen rauszuholen", erklärt Hauswald zum Entstehen der Idee. Dadurch sollten sie befähigt werden, über den Sportunterricht hinaus, ganz eigene und persönliche Qualitäten zu zeigen und Schlüsselqualifikationen in sozialer, methodischer und individueller Kompetenz zu erwerben. Dazu gehören, laut Hausmann, Kommunikationsfähigkeit, Kooperationsfähigkeit, Kritikfähigkeit, Kreativität und Engagement.

Der Prozess und das Ergebnis des Projekts erstaunt die Lehrerin ganz besonders. "Ihnen wurde zunächst paarweise die Aufgabe gestellt, die Verantwortung für die Inhalte des Sportunterrichts zu übernehmen. Dabei kamen sehr viele gute Beiträge zusammen und wir hatten alle sehr viel Spaß." Von der anschließenden Idee, die Gestaltung eines Sportunterrichts für Grundschüler zu übernehmen, seien die Schülerinnen dann begeistert und motiviert gewesen.


Selbstläufer

"Ein Selbstläufer war gestartet, besser kann man es sich nicht wünschen", freut sich Hauswald. Und man konnte eine schöne Gruppendynamik beobachten, in der auch schwächere Schülerinnen mitgezogen wurden, betont die Sportlehrerin. Auch auf der Seite der Grundschule sei sofort Interesse dagewesen, meint Daniela Förg, Sportbeauftragte der Grundschule, und die Schüler der 4. Klasse waren begeistert und freuen sich seit Wochen auf den Unterricht. Die glänzenden Augen und die lauten Zurufe und Anfeuerungen während des Sportunterrichts beweisen, dass es für die Kleinen etwas Besonderes ist.

"Mir hat es sehr gut gefallen. Der Unterricht mit den großen Mädchen ist viel temperamentvoller als normalerweise", meint Meryem Arifogloo nach der Stunde, und Kilian Lieb ergänzt: "Es war einfach super und der Einsatz der Mädchen war toll."


Freiwillig Stunde drangehängt

Dafür haben sie sogar freiwillig eine Stunde an ihre normale Unterrichtszeit drangehängt, um mitmachen zu können. "Es hat uns auch nichts ausgemacht, eine Stunde länger dazubleiben", meint Kilian. Vor allem die kurzen, action- und abwechslungsreichen Spiele mit Seilen, Bällen, Teppichen und Hulla-Hupp- Reifen, kommen bei den Jüngeren besonders gut an, meint Hauswald. Etwas kritisch sagt sie, "die Spiele spiegeln natürlich auch den Alltag der Kinder wider, in dem sie immer etwas Neues geboten bekommen, immer Abwechslung wollen, damit es ja nicht langweilig wird."


Schöne Ausnahme

Sie meint, dass der Unterricht von einem Sportlehrer natürlich niemals in diesem Umfang zu bewältigen sei, weshalb es für die Grundschüler eben eine schöne Ausnahme ist, mal etwas Anderes auszuprobieren. Für ihre Schülerinnen allerdings sei die Erfahrung, den Unterricht in kleinen Gruppen vorzubereiten, gemeinsam auszuprobieren und sich auch mal zu kritisieren, etwas ganz Wertvolles, das sie in ihrem weiteren Leben bestimmt weiterbringe.

Hört man sich bei den Schülerinnen der 10. Klasse um, dann gibt es auch hier viel positive Resonanz. Für sie war es vor allem die Herausforderung, sich bei den Grundschülern durchzusetzen, meint Marisa Hahn, die bereits ein Praktikum im Kindergarten absolviert hat. Ihre Klassenkameradin Lisa Karges hingegen betont, dass ihr der Sport so mehr Spaß mache und stellt fest, dass jüngere Kinder einfacher zu motivieren seien als ältere. Auswirkungen auf ihre Berufswahl habe das Projekt allerdings nicht, meinen die beiden Mädchen.


Wissen genau, was sie wollen

Sie wissen ganz genau, was sie nach der Schule machen wollen. Aber eine wichtige und schöne Erfahrung war es allemal. Außerdem wird das Projekt benotet und fließt mit in ihr Endzeugnis ein. Auch Elke Hauswald war positiv überrascht davon, wie gut die Stunde gelaufen ist.













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