Bad Brückenau
Ausstellung

Brückenauer Geschichte mit einem Schuss Humor

Erinnerungen wurden wach bei einer Feierstunde in den Bad Brückenauer Heimatstuben. Diese waren vor zehn Jahren im Alten Rathaus eingeweiht worden.
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Originalgetreue Exponate in den Heimatstuben machen den Reiz der einzelnen Räume aus. Der Blick in eine historische Küche verdeutlicht, dass dieser Bereich damals der Lebensmittelpunkt des Hauses war. Foto: Rolf Pralle
Originalgetreue Exponate in den Heimatstuben machen den Reiz der einzelnen Räume aus. Der Blick in eine historische Küche verdeutlicht, dass dieser Bereich damals der Lebensmittelpunkt des Hauses war. Foto: Rolf Pralle
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Die Initiative zu der kleinen Jubiläumsveranstaltung anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Heimatstuben war von Ehrenbürgerin Else Prause ausgegangen, die sich bei der Realisierung erneut auf viele helfende Hände verlassen konnte. Noch im hohen Alter bietet sie regelmäßig Führungen durch die mit viel Liebe zum Detail gestalteten Räume an und ist darüber hinaus eine kompetente Ansprechpartnerin in Sachen Stadtgeschichte.

Sie machte bei dem Treffen erneut deutlich, dass die Heimatstuben von den Verantwortlichen bewusst nicht als Museum angesehen werden wollen. Man beabsichtige vielmehr, den Besuchern anschaulich zu demonstrieren, wie einfach und mühsam das Leben vor vielen Jahrzehnten in Bad Brückenau und der gesamten Rhön war. "Da reicht es nicht, die Stücke einfach auszustellen. Die Gäste erwarten bei den Rundgängen von uns Erklärungen und wollen auch den einen oder anderen Gegenstand in die Hand nehmen", hat Else Prause immer wieder festgestellt. "Und ganz wichtig sind die dazugehörigen Geschichten und Anekdoten aus der Vergangenheit", ergänzt ihr Kompagnon Hubert Töpfer.

Der Beweis für diese Aussagen wurde im Verlauf der kleinen Feier gleich mehrfach angetreten. Denn für den Jubiläumstag hatte sich die Organisatorin natürlich einige Überraschungen ausgedacht. Verkleidet als "Pauline vom Felsenkeller" ließ Else Prause zusammen mit "Fritz von der Leimich" (Fritz Knüttel) die gute alte Zeit Revue passieren. In ihrem urigen Bröggenäer Dialekt berichteten die beiden Akteure mit dem nötigen Schuss Humor von Dingen und Begebenheiten, die scheinbar schon längst in Vergessenheit geraten waren. Zumindest die älteren Einheimischen unter den zahlreichen Zuhörern nickten aber zustimmend und machten auch manchmal nachdenkliche Gesichter, als Erinnerungen aus ihrer Kindheit und Jugend wach wurden.

Eine Überraschung gab es im Verlauf des unterhaltsamen Nachmittags für Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks. Als Dank für die Förderung und Unterstützung der Heimatstuben wurde der Rathauschefin der "1. Bröggenäer Ofterplootz-Orden am weiß-blauen Band" verliehen.

Rechtzeitig zum zehnjährigen Bestehen der Einrichtung haben auch der Nachtwächter und das Sauerbrönnskärnje ihren Platz im Alten Rathaus gefunden. Die Figur mit dem schwarzen Umhang hat die Original-Hellebarde aus jener Zeit im Arm, als der Nachtwächter regelmäßig seine Runden durch die Stadt drehte. Jetzt sind Else Prause und Hubert Töpfer noch auf der Suche nach einem Horn, mit dem er früher seine Signale gab. Dann sei auch dieses Exponat endlich komplett.

Das Sauerbrönnskärnje stammt aus dem Jahr 1929. In fast jedem Haushalt gab es solch einen kleinen Wagen, mit dem die Kinder ins nahegelegene "Bood", das heutige Staatsbad, unterwegs waren, um im Sommer "Sauerwasser" frisch von der Quelle zu holen. Das kühle Nass war hochprozentig kohlensäurehaltig, so dass die "Stoppe" (Korken) beim Transport oft in die Luft flogen. Man behalf sich dann mit einem nassen Tuch zur Abdeckung der Flaschen. Zu Hause glücklich angekommen, wurde mit selbstgekochtem Himbeersaft und "Sauerwasser" eine köstliche Limonade zubereitet.

Längst nicht alles, was Else Prause im Laufe der Jahrzehnte gesammelt hat oder was ihr zugetragen wurde, kann derzeit den Besuchern der Heimatstuben präsentiert werden. Es fehlt einfach der Platz für weitere Exponate. "Ich horte beispielsweise eine Menge alter Spielsachen, die allein schon ein komplettes Zimmer füllen würden", sagt die Bad Brückenauer Ehrenbürgerin.

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