Schlüchtern
Feuer

Horror-Wochenende für die Rettungskräfte: Zwei Einkaufsmärkte brennen innerhalb von 24 Stunden

Innerhalb von 24 Stunden wurden die Rettungskräfte zu zwei Großeinsätzen in Schlüchtern gerufen. Während eine Norma-Filiale bis auf die Grundmauern komplett abbrannte, konnte in einem zweiten Supermarkt Schlimmeres verhindert werden. Die Polizei schließt Brandstiftung nicht aus.
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Das Gebäude in Schlüchtern brannte bis auf die Grundmauern ab. Etwa 24 Stunden zuvor hatte es schon in einem Sonderposten-Markt gebrannt. Foto: Ulrich Schwind
Das Gebäude in Schlüchtern brannte bis auf die Grundmauern ab. Etwa 24 Stunden zuvor hatte es schon in einem Sonderposten-Markt gebrannt. Foto: Ulrich Schwind
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Horror-Wochenende für die Rettungskräfte im Bergwinkel. Innerhalb von 24 Stunden wurden sie zu zwei Großeinsätzen in Schlüchtern gerufen. Während ein Feuer am 11. August in einem Sonderposten-Markt in der Gartenstraße relativ schnell eingedämmt werden konnte, gab es am Tag drauf am Abend für den Norma-Markt in der Hanauer Straße keine Rettung. Er brannte bis auf die Grundmauern nieder. Bei beiden Bränden wird Brandstiftung nicht ausgeschlossen.


Norma-Discounter: Feuer im hinteren Bereich

Fast genau 24 Stunden nach dem ersten Feuer am Samstag schrillten am Sonntagabend kurz vor 20 Uhr schon wieder die Sirenen. Der Norma-Discounter brannte zunächst im hinteren Bereich. Trotz sofortiger Löschbemühungen breitete sich das Feuer rasend schnell aus. Der Rauch war schon von Weitem zu sehen.


Viele Schaulustige

Die Straße war wegen der Löscharbeiten gesperrt, viele Schaulustige hatten sich am Rand des Geschehens eingefunden und beobachteten die Feuerwehr dabei, wie diese versuchte, das Gebäude zu retten. Schnell war klar, dass dies nicht gelingen würde. Erste Teile des Daches stürzten schon eine Viertelstunde später ein. Das Feuer fraß sich nicht nur nach vorne zur Straße durch, sondern auch in die seitlich angrenzenden Läden.

Die Räumlichkeiten von Bäckerei und Friseur - beide derzeit leerstehend - brannten ebenfalls aus. Bis 22.30 Uhr gelang es jedoch dank einer Brandmauer die weiteren angrenzenden Räumlichkeiten, die teilweise von einem Schlüchterner Unternehmen als Lagerräume genutzt werden, erfolgreich abzuschirmen.

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Über 100 Helfer im Einsatz

Nicht nur die Feuerwehr zog starke Kräfte zusammen. Neben der Innenstadt-Wehr und zahlreichen Stadtteilen war beispielsweise die Drehleiter aus Bad Soden und der Atemschutz-Abrollbehälter aus Wächtersbach im Einsatz. Zusammen mit dem Rettungsdienst waren es über 100 Helfer. Auch die Polizei war im Großeinsatz, alarmierte Kollegen bis aus Neuhof und Gelnhausen sowie Bad Brückenau.

Die Streifen patroullierten auch durch die Innenstadt und nahmen Personenkontrollen vor. Schnell machte eine angebliche Festnahme im Zusammenhang mit dem Brand die Runde, was die Polizei dementierte. Die Schadenshöhe wird vom Polizeipräsidium Osthessen auf 800 000 bis 850 000 Euro geschätzt.


Gartenabteilung des Sonderposten-Markts in Flammen

Bereits am Samstag war in der Gartenabteilung des Sonderposten-Markts außerhalb der Geschäftszeit ein Brand ausgebrochen. Eine dicke schwarze Rauchwolke über dem Stadtrand zeugte schon von weitem von dem Feuer.

Der erste Notruf ging bei der Polizei Schlüchtern um 19.39 Uhr ein. Zahlreiche weitere folgten. Unmittelbar darauf wurde zunächst die Feuerwehr Innenstadt alarmiert. Schnell wurden weitere Kräfte hinzu gezogen: Die Feuerwehren aus Elm, Herolz und Niederzell rückten an, Ahlersbach stand am Einsatzort in Bereitschaft. Nach Angaben der Polizei hatte das Feuer seinen Anfang im Außenbereich des rund 2000 Quadratmeter großen Marktes genommen.

Dort in der Gartenabteilung standen Waren im Freien vor und hinter einem Metallzaun. Unter Atemschutz starteten die Wehrleute einen Löschangriff mit Wasser. Von der Drehleiter aus wurde mit der Wärmebildkamera die Dachhaut kontrolliert. Bei einer Ausdehnung des Brandes hätte das Feuer von oben bekämpft werden können.

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Brand war schnell unter Kontrolle

Dank des schnellen und effizienten Eingreifens war nach rund einer halben Stunde das Feuer unter Kontrolle. Dennoch wurde auch die rückwärtige Fassade der Markthalle in Mitleidenschaft gezogen. Weit größeren Schaden richtete der Rauch an, der sich im gesamten Laden ausbreitete.

Die Nachlöscharbeiten nahmen noch einige Zeit in Anspruch. Nachdem die Dachluken geöffnet waren, wurde der Verkaufsraum mit vier Lüftern entraucht. Im Markt gab es glücklicherweise keine Verletzten, da er bereits geschlossen hatte. Dennoch kontrollierte die Feuerwehr den gesamten Komplex, ob sich dort noch Menschen aufhielten. Die im selben Gebäude untergebrachten Läden für Getränke, Sport- und Elektroartikel hatten noch geöffnet. Die Mitarbeiter dort brachten die Kunden und sich selbst in Sicherheit.


Feuerwehrmann mit Schnittverletzungen

Einen Verletzten gab es dennoch zu beklagen: Ein Feuerwehrmann zog sich beim Einschlagen einer Glasscheibe Schnittverletzungen an einer Hand zu. Nachdem die Wunde im Krankenhaus genäht worden war, kehrte er als Helfer zum Einsatzort zurück.

Die Feuerwehren waren mit rund 65 Einsatzkräften vor Ort und standen unter der Leitung von Stadtbrandinspektor Werner Kreß. Die Wehren aus Breitenbach und Wallroth rückten in das Innenstadt-Gerätehaus ein, um dort den weiteren Brandschutz zu gewährleisten. Der Einsatzleitwagen des Kreises wurde aus Gelnhausen geholt. Hinzu kamen rund 15 Rot-Kreuz-Helfer des Rettungsdienstes mit Notarzt sowie der Bereitschaft.

Zahlreiche Führungskräfte eilten ebenfalls zum Einsatzort: Kreisbrandinspektor Markus Busanni, sein Stellvertreter Christian Hinrichs, die Kreisbrandmeister Markus Felber und Volker Achtert sowie der organisatorische Leiter Rettungsdienst Mirko Scheuplein. Auch Bürgermeister Matthias Möller (parteilos) machte sich ein Bild von der Lage.


Brandstiftung nicht ausgeschlossen

Die Polizei schließt Brandstiftung als Ursache des Feuers nicht aus. Zunächst wurde daher der Brandort gesichert, bis alle Untersuchungen der Kriminalpolizei abgeschlossen sind. Da die Ware im Markt durch den Rauch zu großen Teilen beschädigt ist oder vernichtet werden muss, ging ein Beamter bei der Schadenshöhe vorsichtig von einem Betrag "im sechsstelligen Bereich" aus.

Das Polizeipräsidium schätzt den Schaden hier auf 100 000 bis 150 000 Euro. Während der Löscharbeiten war die Gartenstraße gut zwei Stunden gesperrt. Zahlreiche Schaulustige versammelten sich dort. Die benachbarten Firmen Vomberg und Gärtner Transporte boten spontan ihre Hilfe an, die jedoch nicht erforderlich war.


Wer hat etwas gesehen?

Die Brandermittler der Kripo Gelnhausen verschafften sich am Montagmorgen einen Überblick von beiden Brandstellen und setzen hierzu auch einen Polizeihubschrauber ein. Zudem sollen Spezialisten des Hessischen Landeskriminalamtes in den nächsten Tagen bei der Aufklärung der Brände unterstützen. Die Polizei bittet in beiden Fällen um Hinweise, Tel.: 06051/ 8270 oder Tel.: 06661/ 961 00 sowie bei jeder anderen Polizeidienststelle. U. Schwind




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