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Bad Brückenau
Konzert

Bad Brückenauer Georgis feiern 50-jähriges Bestehen

Die Georgi-Bläser kooperieren zum Jubiläumskonzert mit dem Bayerischen Kammerorchester.
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Dirigent Johannes Moesus im Kursaal. Foto: Kerstin Junker
Dirigent Johannes Moesus im Kursaal. Foto: Kerstin Junker
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Besondere Ereignisse erfordern besondere Maßnahmen: Die Georgi-Bläser Bad Brückenau feiern ihre Gründung vor 50 Jahren. Natürlich tun sie das mit Musik - in einem Konzert unter dem Titel "Vielharmonie" am Sonntag, 19. November, um 17 Uhr. Aber sie betreten dabei Neuland: Zum einen spielen sie zum ersten Mal im im Kursaalgebäude des Staatsbades, zum anderen haben sie sich mit dem Bayerischen Kammerorchester Bad Brückenau zusammengeschlossen. Ulrich Moormann, Dirigent der Georgi-Bläser, und Johannes Moesus, Chef des BKO, haben sich gegenüber unserer Zeitung über dieses reizvolle und durchaus auch mutige Experiment geäußert - denn es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Laien gemeinsam mit Profis musizieren. Man darf also gespannt sein.

Die Zusammenarbeit zwischen dem BKO und den Georgi-Bläsern ist im Grunde nichts Neues. Die gab es bereits bei Open-Air-Konzerten. Aber bei der "Vielharmonie" am 19. November spielen beide Ensembles das erste Mal wirklich zusammen. Wer ist auf die Idee gekommen? War viel Überzeugungsarbeit nötig?
Ulrich Moormann:
Die Idee entstand zwischen meinem Vorgänger Lukas Breitenbach und den Verantwortlichen beim BKO als Zusammenarbeit zweier in Bad Brückenau ansässiger Orchester zum fünfzigjährigen Bestehen der Georgibläser, die von der Idee natürlich sofort begeistert waren.
Johannes Moesus:
Immer mal wieder haben einzelne Mitglieder der Georgi-Bläser Konzerte des BKO oder die öffentlichen Proben besucht, besonders wenn Bläsersolisten eingeladen oder die Programme bläserlastig waren. Insofern gab es abgesehen von den oben erwähnten Open-Air-Konzerten auch aktuell immer wieder Anknüpfungspunkte. Die Gründe für die Kooperation sind eine engere Verknüpfung zweier wichtiger musikalischer Gruppen in Bad Brückenau, aber auch die Vermittlung der Erfahrung, dass die Arbeit des BKO nicht "hochgestochen" oder "elitär" ist, sondern dass musikalische Arbeit in ihren Grundzügen ähnliche Merkmale aufweist - wie Arbeit am Zusammenspiel, an der dynamischen Bandbreite, Klangqualität und musikalischem Ausdruck -, unabhängig davon, ob es sich um professionelle oder Amateur-Gruppen handelt. Damit auch als Motivationsunterstützung für die Amateure. Viel Überzeugungsarbeit war nicht nötig, da es auch von den Georgis aus als spannende Gelegenheit betrachtet wird, sich als Blasorchester einmal mit dem Streicherklang zu vermischen.

Das Programm ist stark auf Unterhaltsamkeit, Vielseitigkeit und Farbigkeit gerichtet. Worauf können sich die Besucher freuen?
Ulrich Moormann:
Die Besucher können sich auf eine Teatime-Serenade mit einem kurzweiligen Programm freuen: Nach dem Eröffnungsmarsch "Opening" erklingt mit "Signature" von Jan van der Roost ein Originalwerk der sinfonischen Blasmusik. Wir entführen wir die Zuhörer dann mit unserer Alstsaxophonistin Martina Weber unter die "latin sun", zum Abschluss gibt es von den Georgis Filmmusik.
Johannes Moesus:
Die Unterhaltsamkeit steht im Vordergrund, denn es soll mit dem gesamten Konzert ja auch Publikum angesprochen werden, dass nicht speziell mit klassischer Musikliteratur vertraut ist, sondern eher mit Pop, Schlager oder Filmmusik. Und natürlich bringen die Georgis Werke aus ihrem normalen Repertoire ein. Dabei auch solche, die für das Publikum einen hohen Wiedererkennungswert haben und auch deshalb attraktiv sind.

War es schwierig, in der Konzertliteratur überhaupt eine geeignete Auswahl zu finden? Denn auch hier gilt ja: Nichts ist so schwer wie das überzeugend Leichte.
Ulrich Moormann:
Neben dem Bläserprogramm konnten wir Dirigenten uns schnell auf das gemeinsam gespielte Leroy Anderson-Medley verständigen, von den Gerogis kam der Wunsch nach der Filmmusik zu "Spiel mir das Lied vom Tod", "Aín´t she sweet" ist ein Repertoirestück. Eine Besonderheit ist die "Uraufführung" der Orchesterfassung von "Machu Pichu" des jungen erfolgreichen Komponisten Yannik Helm, die er extra zu diesem Anlass angefertigt hat, nachdem wir die Bläserfassung unter seiner Leitung im Jahreskonzert gespielt haben.
Johannes Moesus:
Die Prägnanz des BKO-Streichorchesters kann man meines Erachtens deutlich zeigen in den Rumänischen Tänzen (mit Konzertmeister-Solo) von Bartók und den drei Tango-Arrangements. Damit bewegen wir uns sowohl in der (hier volkstümlichen) Klassik - unserem ureigenen Gebiet - als auch im Grenzgebiet (Tangos) und schlagen so die Brücke zum Georgi-Repertoire. Das Georgi-Repertoire greift meines Erachtens auch auf Werke beziehungsweise Musikstile zurück, die den Mitspielern aus ihren alltäglichen Hörerfahrungen bekannt sind. Das erleichtert die Identifikation und befördert die Motivation.

Das Konzert ist dreigeteilt. In den beiden ersten Teilen spielen die beiden Gruppen alleine, also sozusagen auf vertrautem Terrain, auf dem sie sich zeigen können. Erst im dritten Teil folgt das Experiment des gemeinsamen Musizierens. Schimmert da Vorsicht durch oder gibt es andere Gründe für diese Programmstruktur?
Johannes Moesus:
Mir scheint das eine logische Programmstruktur zu sein: Jedes Ensemble präsentiert sich zuerst als eigenständig mit eigenem Repertoire. Die Georgis spielen meines Wissens zum allerersten Mal im Kursaal eigenes Konzertrepertoire, eine Premiere, die bestimmt nachhaltig in Erinnerung bleiben wird. Das BKO wird für "Ersthörer" als eigenes profiliertes Ensemble hörbar. Dann folgt die Symbiose quasi als Höhepunkt, die klangliche Verschmelzung. Gemeinschaftsgefühl wird erzeugt und das klangliche Ergebnis wird gewiss eine positive und motivierende Erweiterung der Hörerfahrung bieten. Eine eventuelle Vorsicht spielte bei der Planung keine Rolle.

Ein Zusammenspiel mit Streichern ist ja für die Georgi-Bläser keine alltägliche Situation, und es gibt ja durchaus auch Unterschiede in der Tonbildung oder besondere Rücksichtnahmen auf die akustische Balance. Bereiten Sie Ihre Leute da besonders darauf vor? Denn allzu viel Zeit für gemeinsame Proben steht ja nicht zur Verfügung. Ist so ein Konzert auch ein Grund für Zusatzproben?
Ulrich Moormann:
Vor Konzerten machen wir Georgis immer Zusatzproben. Zu diesem Anlass haben wir auch zwei Akustikproben im König-Ludwig-Saal durchgeführt, um uns so gut wie möglich vorzubereiten. Die Streicher kennen den Raum und haben natürlich eine größere Flexibilität und Reaktionsfähigkeit. Für uns ist es eine Herausforderung, aber auch eine große Ehre, dort spielen zu dürfen.

Wenn ein professionelles Streichorchester und ein sinfonisches Laienblasorchester - das freilich auf hohem Niveau spielt - aneinandergeraten: Was für Probleme hat man da als Dirigent? Hat das beispielsweise schlagtechnische Auswirkungen?
Johannes Moesus:
Das ist eigentlich auch eine Frage für Herrn Moormann... Ich persönlich bin der Meinung, dass eine klare Zeichengebung und ein starker interpretatorischer Wille keine Probleme aufkommen lassen dürften. Allerdings benötigt ein Amateur-Ensemble im Zweifelsfall mehr Zeit, sich an einen anderen Dirigierstil zu gewöhnen.

Deshalb die nächste Frage: Wer dirigiert eigentlich die vier Stücke des gemeinsamen Teils? Wurde da bei der Verteilung diskutiert oder geknobelt?
Ulrich Moormann:
Großzügerweise hat Herr Moesus mir diesen Teil überlassen, wohl auch weil sich die Profis schneller auf ein fremdes Dirigat einstellen können; ein besonderes Erlebnis für mich!
Johannes Moesus:
Es war für mich von vornherein klar, dass Herr Moormann die gemeinsamen Stücke dirigiert. Ein Amateur-Ensemble ist primär an das Dirigat des ständigen Leiters gewöhnt und kann so die besten Leistungen präsentieren. Professionelle Musiker sind es gewöhnt, sich schnell an unterschiedliche Dirigierstile zu gewöhnen und aus dem jeweiligen Personalstil die interpretatorischen Absichten herauszulesen. Insofern gab es hier von mir aus gesehen keinen Diskussionsbedarf.

Was, glauben Sie, nehmen ihre Musiker an neuen Erfahrungen aus diesem Konzert mit?
Ulrich Moormann:
Ein neuer Saal, ein anderes Publikum, ein Verbund mit einem professionellen Streichorchester, das werden sicher starke Eindrücke sein, von denen wir noch lange zehren können.

Denken Sie bereits an eine Fortführung der Zusammenarbeit?
Johannes Moesus:
Nach dem Konzert werden wir resümieren und dann sehen, was sich weiter ergeben kann.
Ulrich Moormann:
Das Projekt ist als einmalige Veranstaltungen anlässlich des 50. Geburtstages der Georgi-Bläser geplant, quasi ein Geburtstagsgeschenk, aber wer weiß? Es hängt auch von der Reaktion des Publikums ab...



Infokasten:

Was zum Geburtstag gespielt wird

Georgi-Bläser:

"Opening" von Ernst Hoffmann

"Signature" von Jan Van der Roost

"Happy" von Pharrell Williams, arrangiert von Michael Sweeney
(Filmmusik aus "Ich - Einfach unverbesserlich 2", gespielt vom Georgi-Bläser-Nachwuchs)

"Latin Sun" von André Jutras
(Solo für Altsaxophon mit Orchester)

"A Night at the Movies" von Alan Silvestri, arrangiert von Michael Brown
(Medley mit Filmmelodien aus "The Avengers","The Polar Express","Nachts im Museum","Forrest Gump" und "Zurück in die Zukunft")


Bayerisches Kammerorchester:

"Rumänische Volkstänze" von Béla Bartók, arrangiert von Arthur Willner

"Libertango" von Astor Piazzolla, arrangiert von Dubravko Palanovic

"Oblivion" von Astor Piazzolla, arrangiert von Dubravko Palanovic

"Por una Cabeza" von Carlos Gardel, arrangiert von Irina Lazaryeva
(Tango aus "Scent of a Woman")



Georgi-Bläser und Bayerisches Kammerorchester:

"A Leroy Anderson Portrait"
(Medley aus "Serenata", "Blue Tango" und "Bugler"s Holiday")

"Machu Picchu" for Concert Band and String Orchestra von Yannik Helm

"Ain"t She Sweet" von Milton Ager

"Moment for Morricone"
(Filmmusik aus "The Good, the Bad und the Ugly" und "Once Upon a Time in the West")


Karten gibt es im Vorverkauf unter Tel.: 09741/93890.

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