Bad Brückenau

Bad Brückenau: Wohin mit Fundtieren?

Streunende Katzen sind überall ein Problem. Auf dem Land heißt es oft, die Natur löse das Problem schon selbst. Das ist aber nicht so.
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Neues Zuhause gesucht: Das Tierheim Wannigsmühle in Münnerstadt sucht quasi immer nach Menschen, die eine Katze aufnehmen möchten. Foto: Heike Beudert
Neues Zuhause gesucht: Das Tierheim Wannigsmühle in Münnerstadt sucht quasi immer nach Menschen, die eine Katze aufnehmen möchten. Foto: Heike Beudert

Es ist fast schon alltäglich: Katzen, die offenkundig niemandem gehören, suchen die Nähe von Menschen, werden vielleicht gefüttert. Schnell wird aus einem Tier eine ganze Menge. "Wir vom Bad Brückenauer Tierschutzstammtisch werden häufig mit dem Leid herrenloser Katzen konfrontiert", heißt es in einer Pressemitteilung von Bettina Kraus. Seit etwa vier Jahren setzt sich das lockere Bündnis für einen besseren Tierschutz in der Region ein.

Zu hören bekämen die Mitglieder des Stammtischs häufig, streunende Katzen seien hier kein Problem. "Dass dem nicht so ist, haben die Tierärzte vor Ort und wir schon oft erfahren", heißt es in der Mitteilung. Bürger, denen eine trächtige Katze zugelaufen ist, meldeten sich. Doch mit dem Füttern der Tiere sei es nicht getan. Medizinische Versorgung, die Vermittlung der Jungen und die Kastration fielen oft unter den Tisch - nicht zuletzt, weil niemand die Kosten dafür übernehmen möchte

"Irgendwann ist die eigene Kapazität und die Kraft erschöpft", berichtet Kraus. Eigentlich ist die Stadtverwaltung Bad Brückenau für Fundtiere zuständig (siehe weiter unten). Die Stadt und die meisten Gemeinden der Brückenauer Rhönallianz haben einen Vertrag mit dem Tierheim in Gelnhausen geschlossen. Der Markt Wildflecken bringt Fundtiere zur örtlichen Tierärztin. Gelnhausen liegt in Hessen, die Entfernung beträgt über Land etwa 60 Kilometer. Für viele Bürger ist das einfach zu weit.

Kostenlose Kastration möglich

"Die Problematik gibt es überall", sagt Corina Wink, Leiterin des Tierheims Gelnhausen. Mit aktuell etwa 200 Tieren ist die Einrichtung ausgelastet. Wink lobt das Engagement der Tierschützer. Sie macht aber auch unmissverständlich klar: Verantwortlich seien Städte und Gemeinden. "Man muss ins Gespräch gehen", wirbt sie für eine bessere Zusammenarbeit. Denkbar sei beispielsweise, dass die Stadt den Tierschützern beim Einfangen und dem Transport der Tiere helfen könne.

Bei der Stadt kommt das Problem bisher nicht an. Im Jahr 2018 wurde gar kein Tier nach Gelnhausen gebracht. In diesem Jahr kamen vier junge Katzen, alle aus einem Wurf, ins Tierheim, berichtet Michael Worschech von der Stadtverwaltung. Der Bauhof stellt seit Jahren einen Zwinger bereit, in dem Fundtiere übergangsweise bleiben können. Der werde aber "maximal zweimal im Jahr und dann meistens nur einen halben Tag" genutzt, sagt Bauhofleiter Michael Krug.

Offensichtlich schultern Ehrenamtliche die Versorgung der Tiere, wie es der Tierschutzstammtisch berichtet. Was die Kosten für die Kastration der Tiere angeht, so hat Wink eine Lösung parat: Das Tierheim in Gelnhausen habe einen eigenen Arzt. Wenn Fundtiere aus dem Gebiet, für das die Einrichtung zuständig ist, ins Heim gebracht werden, sei die Kastration der Tiere kostenlos. Nach einem oder zwei Tagen könnten die Tiere abgeholt und wieder in ihrer vertrauten Umgebung ausgesetzt werden. Das gelte aber nur für Fundtiere.

"In der Vergangenheit ist das auch ausgenutzt worden", berichtet Wink, dass Besitzer ihre Tiere als Fundtiere ausgegeben hatten, um Geld zu sparen. Deshalb schauten sich die Mitarbeiter die Tiere genau an. Trotz dieser Option bleibt der Transport aber aufwendig, die Kosten für die Autofahrten übernimmt das Tierheim nicht. Deshalb weist Wink darauf hin, dass das Thema langfristig durch den Gesetzgeber gelöst werden müsse. "Warum wird Tierschutz geringer gestellt als Sport oder eine Parkbank oder ein bepflanzter Kreisel?", stellt sie als Frage in den Raum.

1100 Kastrationen erreicht

Dass bürgerliches Engagement viel bewirken kann, zeigt ein Beispiel aus dem ebenfalls hessischen Biebergemünd. Dort hat sich im Jahr 2008 der "Tierschutzverein Katzenzuhause" gegründet. 1100 Tiere habe der Verein seither kastriert, berichtet Vorsitzende Sabrina Selinger. Die zehn Mitglieder des Vereins unterhalten zudem drei Pflegestationen und vermitteln Fundtiere an neue Besitzer.

Die Frage der Kosten stellt sich auch dort. "Wir bezahlen sehr viel aus eigener Tasche", sagt Selinger. Darüber hinaus organisiere der Verein eine Tombola zu Weihnachten. Auch über Spenden und Patenschaften, mit denen Unterstützer pro Monat einen kleinen Betrag spenden, finanziere sich der Verein. In Biebergemünd, so sagt es die Vereinsvorsitzende, sei die Situation durch die Kastrationen inzwischen "deutlich besser" geworden.

200 Tiere werden aktuell im Tierheim Gelnhausen versorgt. Damit ist die Einrichtung ausgelastet.

Ansprechpartner

Stadt Erster Ansprechpartner für aufgefundene Tiere ist die Stadtverwaltung von Bad Brückenau. Hier ist Manuela Reinhard zuständig, Tel.: 09741/ 804 19.

Tierheim Das Tierheim in Gelnhausen nimmt Fundtiere aus dem Raum Bad Brückenau auf. Träger ist der Tierschutzverein Kinzig-Main. Tel.: 06051/ 2550.

Stammtisch Wer sich für das Wohl der Tiere einsetzen und sich mit Gleichgesinnten austauschen möchte, ist beim Stammtisch Tierschutz willkommen. Interessenten könnten gerne eine E-Mail schreiben an tierschutzstammtisch-rhoen@web.de.

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