Bad Brückenau
Theater

Bad Brückenau: Woanders verhungern Leute

Eine Schauspieltruppe zeigte im Franz-Miltenberger Gymnasium das Stück "Alle satt?!". Spielerisch werden dabei den Schülern Themen wie Hunger, Fairness und ökologischer Fußabdruck näher gebracht.
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Die Schüler Marie (Luisa Hegge) und Lucky (Kevin Herbertz), mit  Strumpfhosen auf dem Kopf, fischen Lebensmittel aus Containern vor dem Supermarkt. Luckys Mutter Eva (Beate Albrecht, Mitte) ist davon nicht begeistert.   Das Theaterstück "Alle satt?!" wurde im Franz-Miltenberger Gymnasium aufgeführt. Es handelt unter anderem von Fairness, Hunger und Landraub. Foto: Leonie Hauck
Die Schüler Marie (Luisa Hegge) und Lucky (Kevin Herbertz), mit Strumpfhosen auf dem Kopf, fischen Lebensmittel aus Containern vor dem Supermarkt. Luckys Mutter Eva (Beate Albrecht, Mitte) ist davon nicht begeistert. Das Theaterstück "Alle satt?!" wurde im Franz-Miltenberger Gymnasium aufgeführt. Es handelt unter anderem von Fairness, Hunger und Landraub. Foto: Leonie Hauck
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Fairness. Hunger. Der ökologische Fußabruck. Diese Themen behandelt das Theaterstück "Alle satt?!", das von Schauspielern des Ensembles "Theaterspiel" aus Witten (Nordrhein-Westfalen) im Franz-Miltenberger Gymnasium in Bad Brückenau aufgeführt wurde. Stellvertretender Schulleiter Dirk Hönerlage hatte das organisiert und dazu nicht nur die eigenen fünften und sechsten Klassen, sondern auch die vierten Klassen der Grundschule sowie die 5. Klassen der Mittel- und Realschule eingeladen. Und auch wenn die Realschule absagen musste, war die Aula gefüllt. Finanziert wurde das Schauspiel in der Schule durch einen Festbetrag, den die Schüler zahlten. Den Rest sponsorten der Schulverein des Gymnasiums und die Eine-Welt-Gruppe Bad Brückenau.

Das Stück handelt von der Schülerin Marie (Luisa Hegge), die es sich als Ziel gesetzt hat, den Hunger auf der Welt zu beseitigen - ganz nach dem Motto "Alle satt?!". Tatkräftig unterstützt wird sie dabei von ihrem Freund Lucky (Kevin Herbertz). Als die beiden in einer Nacht und Nebel-Aktion Lebensmittel aus dem Container vor einem Supermarkt fischen, werden sie von Luckys Mutter Eva (Beate Albrecht) erwischt. Diese arbeitet für eine Firma, die irgendwo in einem fernen Land Millionen Äpfel anbaut. Zu ihrem nächsten Auftrag nimmt sie Lucky und Marie mit. Letztere erhofft sich mit der Hilfe von Eva, ihrem Ziel, den Hunger auf der Welt zu beseitigen, ein Stück näher zu kommen. Doch dort angekommen, kommt alles anders als gedacht. Denn Eva soll im Auftrag ihrer Firma den letzten noch Widerstand leistenden Bauern deren Land abkaufen ...

Witzig verpackt und immer wieder unterbrochen durch Tanz- und Gesangseinlagen brachten die Schauspieler den Kindern Probleme wie Landraub, Hunger und unfaire Preise nahe. Sätze wie: "Aber Hunger ist weit weg und hier sind doch alle satt, oder?" (Lucky) sollten zum Nachdenken anregen. Um zu zeigen, dass das Theaterstück reale Probleme behandelt, streuten die Schauspieler immer wieder Fakten in die Handlung mit ein: Zum Beispiel, dass ein Drittel aller Lebensmittel in Deutschland auf dem Müll landen. Dass 800 Millionen Menschen auf der Welt hungern und täglich 16 500 Kinder an den Folgen des Hungers sterben. "Woanders sterben Leute, die zu wenig haben. Nehmen wir´s denen weg?", fragt sich Marie.

Damit keine Frage offen blieb, luden die Schauspieler zum Schluss noch zum Nachgespräch ein, was vor allem bei den jüngeren Teilnehmern zum besseren Verständnis beitrug. Hier erfuhren die Schüler zum Beispiel, dass das Einstudieren des Stückes etwa sechs Wochen gedauert hatte. Schauspielerin und Autorin des Theaterstückes Beate Albrecht hatte aber insgesamt zwei Jahre benötigt, bis ihre Recherchen abgeschlossen und das Stück letztlich geschrieben war. Im Zuge der Nachforschungen waren vier der Schauspieler mit einem Bus nach Rumänien gefahren und hatten dort Menschen besucht, die sich gegen den Landaufkauf wehren. "Wir haben bewusst Rumänien gewählt und nicht Afrika. Denn Landaufkauf kommt auch in Europa vor", berichtete Beate Albrecht. Auch die Wahl des Fahrzeugs erklärte sie gleich: "Eine Reise mit dem Flugzeug wäre viel umweltschädlicher gewesen."

Am Ende stellte die Schauspielerin noch eine Frage: "Was meint ihr, was man gegen die Verschwendung tun kann?" Da kamen viele Ideen zusammen: Produkte aus Deutschland kaufen. Nur so viel kaufen, wie benötigt wird. Möglichst wenig wegschmeißen. Auf faire Preise achten. Die Kinder haben verstanden, was wichtig ist.

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