Bad Brückenau
Polizei

Bad Brückenau: Wieder mehr Kinder und Jugendliche kriminell

Diebstähle, Körperverletzung, Erpressung: Im vergangenen Jahr ist die Kinder- und Jugendkriminalität wieder angestiegen. Schwerpunkte sind Bad Brückenau und Wildflecken.
Artikel drucken Artikel einbetten
Sven Faulstich ist bei der Bad Brückenauer Polizei Ansprechpartner, wenn Kinder und Jugendliche kriminell geworden sind. Foto: Ulrike Müller
Sven Faulstich ist bei der Bad Brückenauer Polizei Ansprechpartner, wenn Kinder und Jugendliche kriminell geworden sind. Foto: Ulrike Müller

Es ist eine traurige Entwicklung: 73 Kinder und Jugendliche wurden im vergangenen Jahr im Altlandkreis Bad Brückenau straffällig. Damit liegt ihr Anteil an den Tatverdächtigen bei 18,7 Prozent. Das ist fast so hoch wie im Jahr 2013, als die Kinder- und Jugendkriminalität auf 20,5 Prozent anstieg (siehe Info-Kasten). Mit 25 Buben und sieben Mädchen sind besonders viele Kinder unter den Tatverdächtigen.

"Man sieht, dass die Kinder in so einem Umfeld aufwachsen, dass sie später vermutlich denselben Weg gehen", sagt Herbert Markert, Leiter der Polizeiinspektion Bad Brückenau. Dabei verteile sich der Schwerpunkt in etwa gleichen Teilen auf Bad Brückenau und Wildflecken - wobei es in Wildflecken eher Kinder sind, die auffällig werden. Bei der Jugendkriminalität stehe Bad Brückenau eher im Fokus.

Hinter den Zahlen stecken viele Geschichten. Zum Beispiel die von zwei neunjährigen Buben, die einem Zehnjährigen ein Messer vor die Nase halten und so drei Euro erpressen. "Mehr hatte der Junge nicht dabei", berichtet Sven Faulstich, Beauftragter für Kinder- und Jugendkriminalität bei der Bad Brückenauer Polizei. Aber auch gefährliche Körperverletzungen, weil Steine geworfen werden oder sich geprügelt wird, tauchen auf. Acht solche Fälle nahm die Polizei im vergangenen Jahr auf.

Beim Diebstahl stellen Kinder und Jugendliche sogar 41 Prozent aller Tatverdächtigen. Zwölf Jungen und zwei Mädchen wurden beim Klauen erwischt. Bei den Jugendlichen waren es insgesamt neun. 19 Jugendliche gerieten mit dem Betäubungsmittelgesetz in Konflikt, sie hatten gekifft. Immerhin, bei Kindern unter 14 Jahren spielten Alkohol und Drogen in den Anzeigen, die die Polizei aufgenommen hat, keine Rolle.

Sex mit Minderjähriger

Heikel sind die Fälle, bei denen es um die sexuelle Selbstbestimmung geht. Auf Nachfrage stellt Markert klar, dass es in diesem Bereich keinen nennenswerten Anstieg gegeben hat. Eine Elfjährige wurde von einem 13-Jährigen belästigt. Ein Vorwurf der Vergewaltigung konnte nicht geklärt werden: Eine 14-Jährige hatte angegeben, von einem 15-Jährigen zum Oralsex gezwungen worden zu sein. Ein 17-Jähriger hatte wohl einvernehmlich mit einer 13-Jährigen geschlafen, die ihn aber später anzeigte. Der junge Mann wurde mit einer Geldzahlung bestraft.

Ein Fall stammt noch aus dem Jahr 2016, wurde aber nachträglich angezeigt. Auch hier hatten der 16-jährige Tatverdächtige und ein 13-jähriges Mädchen eine Beziehung, es gab keine Verurteilung. In diesem Zusammenhang warnt der Polizei-Chef eindringlich: "Gerade junge Mädchen machen sich erpressbar, wenn sie sich überreden lassen, Nacktbilder an ihren Freund zu schicken."

Auch im Bereich der Schulen im Altlandkreis kam es zu 32 Vorkommnissen, von denen 19 zu Anzeigen führten. Einmal wurden zwei Mädchen mit einem Joint erwischt, vier Fälle von Körperverletzung sind dabei, drei Diebstähle, drei Sachbeschädigungen. Dreimal schwänzten Schüler den Unterricht. Auch zwei Ankündigungen eines Amoklaufs nahm die Polizei auf. So etwas komme immer wieder einmal vor, stellt Markert klar. Die Polizei sei nach Vorfällen wie in Erfurt oder Winnenden sensibilisiert.

"Dass die Schule als Drogenmarktplatz dient, ist purer Unsinn. Die Schulleiter und Lehrer leisten hier hervorragende Arbeit", sagt der Polizei-Chef. Allerdings ist der Anteil der Jugendlichen bei Rauschgiftdelikten - außerhalb der Schule - erheblich gestiegen: 29, 2 Prozent aller Tatverdächtigen in diesem Zusammenhang waren zwischen 14 und 17 Jahre alt.

Entwicklung im Altlandkreis Bad Brückenau:

2013 hatte es einen traurigen Höhepunkt gegeben, als 85 Kinder und Jugendliche unter den Tatverdächtigen waren (20,5 Prozent). Schon ein Jahr zuvor war mit 19,6 Prozent ein ähnlich hoher Wert verzeichnet worden. Bayernweit lag der Durchschnitt der Kinder- und Jugendkriminalität damals bei 12 Prozent. Die Polizei reagierte mit Präventionsangeboten für Schulen und Vereine. Auch in der Kommunalpolitik war das Thema präsent.

2015 verzeichnete die Polizei nur noch 51 Tatverdächtige unter 18 Jahren. Das entsprach einem prozentualen Anteil von rund 14 Prozent an der Gesamtheit aller Tatverdächtigen. Die Bilanz fiel damals so aus, dass es inzwischen weniger junge Menschen waren, die straffällig geworden waren. Sie hatten aber mehr Straftaten zu verantworten.

2017 waren nur noch 44 Kinder und Jugendliche auffällig. Ihr Anteil an der Statistik der Tatverdächtigen fiel auf 12,3 Prozent.

2018 zieht die Kinder - und Jugendkriminalität wieder deutlich an. 32 Kinder und 41 Jugendliche wurden straffällig. Mit 18,7 Prozent nähert sich ihr Anteil an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen wieder den Zahlen der Kriminalstatistik 2013.

32 Kinder tauchen in der Kriminalstatistik 2018 als Tatverdächtige auf. Im Verhältnis heißt das: 8,2 Prozent aller Tatverdächtigen waren unter 14 Jahre alt.

41 Jugendliche tauchen in der Kriminalstatistik 2018 als Tatverdächtige auf. Im Verhältnis heißt das, 10,5 Prozent aller Tatverdächtigen waren zwischen 14 und 17 Jahren alt.

39 Heranwachsende tauchen in der Kriminalstatistik 2018 als Tatverdächtige auf. Im Verhältnis heißt das: 10 Prozent aller Tatverdächtigen waren zwischen 18 und 20 Jahre alt.

15,3 Prozent der aufgeklärten Straftaten des vergangenen Jahres wurden von Kindern und Jugendlichen begangen. Dabei sind die Taten der Heranwachsenden (18 bis 21 Jahre) noch nicht berücksichtigt.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.