Bad Brückenau
Beratung

Bad Brückenau: Wenn Papa Mama schlägt

Die Polizistinnen Silke Kleinheinz und Carolin Schönlein wollen, dass Frauen Mut haben und häusliche Gewalt anzeigen. Auch Kinder können sich jederzeit bei ihnen melden.
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Wenn der Partner oder die Partnerin handgreiflich wird, helfen  Carolin Schönlein und Silke Kleinheinz von der Polizei Bad Brückenau weiter. Sie kennen sich auch mit anderen Beratungsstellen aus. Foto: Ulrike Müller
Wenn der Partner oder die Partnerin handgreiflich wird, helfen Carolin Schönlein und Silke Kleinheinz von der Polizei Bad Brückenau weiter. Sie kennen sich auch mit anderen Beratungsstellen aus. Foto: Ulrike Müller

Eines nachts stand eine Frau mit einem Kleinkind im Arm in der Dienststelle. Sie sagte, sie gehe jetzt, wolle aber Bescheid geben, dass es sich nicht um eine Kindesentführung handele. Von dieser Frau, so erzählt es Silke Kleinheinz, hätte wohl kaum jemand vermutet, dass sie von ihrem Mann geschlagen werde. "Häusliche Gewalt gibt es in jeder Schicht, auch da, wo man es sich nicht vorstellen kann", sagt die Polizistin.

49 Fälle von häuslicher Gewalt wurden im vergangenen Jahr im Altlandkreis Bad Brückenau angezeigt. Im Bereich der Polizeiinspektion Bad Kissingen (inklusive Münnerstadt) waren es 106, im Stadtgebiet Schweinfurt 230 und in der Stadt Würzburg 290. Einmal wurde eine 26 Jahre alte Frau von ihrem Ehemann vergewaltigt, dreimal kam es zu gefährlicher Körperverletzung, heißt es in der Kriminalstatistik 2018 der Bad Brückenauer Polizei.

Auch Kinder können bei der Polizei anrufen

Silke Kleinheinz und Carolin Schönlein kümmern sich um die Frauen, die häusliche Gewalt erleben. Wenn sie von Straftaten erfahren, müssen sie sie verfolgen. Die beiden beraten aber auch viel. Auch Kinder können bei der Polizei anrufen - und zwar jeder Zeit unter der Telefonnummer 09741/ 6060.

"Was wäre, wenn..." - diese Frage erleichtert vieles. Zum Beispiel: "Was wäre, wenn eine Freundin geschlagen würde? Was könnte sie tun?" Oder: "Wenn ich ausziehe, was wird aus dem gemeinsamen Haus?" Oder auch: "Wenn ich der Polizei sage, dass mein Mann gewaltätig ist, werden mir dann die Kinder weggenommen?" Silke Kleinheinz nimmt diese Angst. Wenn eine Frau Opfer von Gewalt werde, sei das kein Grund, ihr die Kinder wegzunehmen. "Es gibt Anlaufstellen, die Frau mit den Kindern zu schützen."

Kleinheinz und Schönlein sprechen jedes Detail mit den Betroffenen durch und können auch andere Beratungsangebote vermitteln. In Schweinfurt gibt es beispielsweise den Verein "Männer contra Gewalt" - gegründet von Männern, die anderen Männern helfen wollen, einen Ausweg von ihrem eigenen gewalttätigen Verhalten zu lernen. Auch Broschüren in anderen Sprachen stehen in der Polizeiinspektion bereit.

Auch Männer erleben Gewalt

Nicht immer ist der Mann der Täter. Von 30 Opfern häuslicher Gewalt im vergangenen Jahr waren immerhin zehn Männer. "Wenn eine Frau um Hilfe schreit, dann schauen vielleicht mehr Menschen hin", sagt Kleinheinz. Wenn die Beamtinnen sich aber ein genaueres Bild machten, zeige sich manchmal eben auch, dass nicht immer die Frau das Opfer sei.

Was schwer für die beiden Sachbearbeiterinnen ist: Wenn es hinterher heißt, so etwas komme nie wieder vor. Denn die beiden wissen, dass es meistens doch wieder vorkommt. "Und dann sitzen die Frauen wieder hier", sagt Schönlein.

66 Einsätze registrierte die Polizei im vergangenen Jahr im Altlandkreis im Bereich häusliche Gewalt.

49 Anzeigen erstatteten Opfer von häuslicher Gewalt 2018 im Altlandkreis, darunter ein Fall einer Vergewaltigung.

21 Männer und neun Frauen führt die Polizei als Täter häuslicher Gewalt in der Kriminalstatistik 2018 an.

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