Bad Brückenau
Differenzen

Bad Brückenau: Vier Ärzte verlassen die Klinik

Vier von fünf Ärzten der internistisch-geriatrischen Abteilung haben gekündigt. Sie sind mit einer internen Umstrukturierung unzufrieden.
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Die Capio Franz von Prümmer Klinik in Bad Brückenau deckt die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung ab. Auch wenn sie mit 120 Betten eher zu den kleineren Krankhäusern zählt, gibt es eine durchgängig geöffnete Notaufnahme. Foto: Ulrike Müller
Die Capio Franz von Prümmer Klinik in Bad Brückenau deckt die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung ab. Auch wenn sie mit 120 Betten eher zu den kleineren Krankhäusern zählt, gibt es eine durchgängig geöffnete Notaufnahme. Foto: Ulrike Müller
Der Unmut ist groß. "Keiner von uns wollte das. Wir haben mehrere Gespräche mit der Geschäftsführung geführt und unsere Bedenken geäußert, und auch unsere Vorstellungen", sagt Tobias Goebel, Chefarzt der internistisch-geriatrischen Abteilung der Capio Franz von Prümmer Klinik. Mit laut Goebel 70 bis 80 Betten ist die Abteilung ein Hauptarbeitsbereich des 120 Betten-Hauses. Mit im Boot: Die Oberärzte Dr. Jens Bausch und Ralf Meinck. "Wir haben alle am selben Tag und zum selben Datum gekündigt", berichtet Bausch.

Alle drei wechseln zum 1. November zu den Helios-Kliniken in Bad Kissingen und Hammelburg. Zwei Sekretärinnen schließen sich an und auch Oberarzt Dr. Oscar Repetto verlässt Bad Brückenau. "Da die ganze Mannschaft weggeht, gehe ich auch", begründet er. Er hat zum 31. Oktober als Oberarzt gekündigt, bleibt aber noch bis Ende des Jahres im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) der Prümmer Klinik tätig. Ab Januar übernimmt er die Praxis von Dr. Höhn in Bad Kissingen.

Hintergrund der Differenzen ist eine interne Umstrukturierung. Im Frühjahr habe die Klinikleitung angekündigt, die internistisch-geriatrische Abteilung aufzuteilen, berichtet Tobias Goebel. Er selbst hätte Chefarzt der Geriatrie werden sollen. Dr. Hans-Joachim Müller, der zum 1. Oktober zum Team dazustößt, wird Chefarzt der Inneren. "Aus einer Einheit, die fachübergreifend gearbeitet hat, werden nun zwei eigenständige Abteilungen", erklärt Meinck, was das für den Klinikalltag bedeutet.


Drei Ärzte gleichen Weggang aus

Goebel ergänzt, dass dadurch Synergieeffekte wegfallen, da sich das Personal auf dann zwei Abteilungen aufteilen müsse. Zudem steige der administrative Aufwand. "Die Patientenversorgung kann nicht mit den bisherigen Behandlungskompetenzen durchgeführt werden", sagt Goebel. Er sieht keinen wirtschaftlichen Grund für die Umstrukturierung. Die bestehende Abteilung, die das Team seit drei Jahren aufgebaut habe, habe im vergangenen Jahr gute Zahlen vorgelegt.

Verwaltungsdirektorin Sabine Hein begründet die Umstrukturierung mit der "weiteren strategischen Entwicklung des Krankenhauses". Dr. Müller, der als Chefarzt der Inneren kommt, ist Nephrologe. "Mit dieser Expertise der Nierenheilkunde können wir die Patienten in Zukunft noch besser versorgen als bisher", erklärt Hein mit dem Verweis auf die lange Tradition der Stadt als Nierenheilbad. Des Weiteren seien zwei weitere Stellen bereits besetzt worden: Zum 1. Oktober komme Swetlana Wolf - Fachärztin für Innere Medizin, Kardiologie und Intensivmedizin - und spätestens zu Beginn des neuen Jahres wechsele Dr. Jens Kunze, aktuell Chefarzt der Akutgeriatrie des St. Elisabeth Krankenhauses Bad Kissingen, nach Bad Brückenau.

Kunze ist Facharzt für Neurologie mit der Zusatzbezeichnung Geriatrie. Für Hein liegt hierin ein weiterer strategischer Vorteil, denn mit dem Beitritt zum Transit-Netzwerk vor zwei Jahren hat sich die Prümmer Klinik auf die Versorgung von Patienten nach einem Schlaganfall spezialisiert. Neben Dr. Klaus Büchner, der im vergangenen Herbst ins MVZ der Prümmer Klinik kam, sei es der zweite Neurologe am Standort.

Dennoch bleibt die Frage, ob es sich ein kleines Krankenhaus wie die Capio Franz von Prümmer Klinik in Bad Brückenau leisten kann, gleich vier Ärzte auf einmal ziehen zu lassen. "Ja", antwortet Hein, "wir haben das ja nachbesetzt." Den Weggang der Mediziner sieht sie als kompensiert an: "Es kommen drei Ärzte neu an diesen Standort." Dass Repetto ebenfalls die Klinik verlässt, um sich selbstständig zu machen, sei ohnehin klar gewesen.
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