Bad Brückenau

Bad Brückenau: Ungemach im Kurstift

Im Kurstift hat sich der Heimbeirat aufgelöst. Der neue Geschäftsführer wünscht eine Vertretung der Bewohner nicht mehr.
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Hans-Jürgen Bock ist der ehemalige Vorsitzende des Heimbeirats. Ihn hat die Abschaffung des Gremiums tief getroffen. Foto: Ulrike Müller
Hans-Jürgen Bock ist der ehemalige Vorsitzende des Heimbeirats. Ihn hat die Abschaffung des Gremiums tief getroffen. Foto: Ulrike Müller
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Hans-Jürgen Bock ist empört. Im Herbst löste die Geschäftsführung den Heimbeirat des Kurstifts auf. Der 82-Jährige war dessen Vorsitzender. "Ich finde das nicht richtig", sagt er. Jahrzehntelang - vermutlich seit der Gründung des Seniorenstifts vor 50 Jahren - gebe es dieses Gremium, das die Interessen der Bewohner gegenüber der Leitung vertrat. Sieben Mitglieder seien es zuletzt gewesen, schildert Bock. Bei den monatlichen Treffen seien alle Anliegen der Bewohner besprochen worden.

"In den allermeisten Fällen ist den Wünschen auch stattgegeben worden", schildert der ehemalige Vorsitzende, wie harmonisch die Zusammenarbeit zwischen Heimbeirat und Geschäftsführung vormals ablief. Nun aber ist Schluss damit. Eine Vertretung der Bewohner ist im Haus nicht mehr gewünscht. "Auf eine nachvollziehbare Begründung warten wir heute noch", sagt Bock. Beschwerdebriefe an den Vorstand seien ihm ungeöffnet zurückgesandt worden.

Die Auflösung des Heimbeirats zeige erste Spuren, schildert Bock. Im Advent sammelten die Bewohner regelmäßig Geld, um die Mitarbeiter zu beschenken. Diese Aktion fiel im vergangenen Jahr aus, weil es schlicht keinen mehr gab, der die Sache in die Hand nahm. Auch einen Beitrag für die Chronik zum 50-jährigen Bestehen hatte Bock angefertigt. Er werde nun wohl nicht mehr verwendet, bedauert Bock. Grundsätzlich aber, so betont er dennoch, lebe die Mehrheit der Bewohner gerne im Kurstift - "ich übrigens auch", stellt der ehemalige Heimbeiratsvorsitzende klar.

Unverständnis beim Geschäftsführer

Die Empörung teilt Geschäftsführer Hans-Karl Diederich nicht. "Das Kurstift ist eine Einrichtung für Servicewohnen und betreibt eine kleine Abteilung für vollstationäre und ambulante Pflege. Für die Bewohnerinnen und Bewohner in der vollstationären Pflege schreibt das Gesetz einen Heimbeirat vor, der die Interessen der pflegebedürftigen Bewohnerinnen und Bewohner gegenüber dem Träger (Kurstift) vertritt. Dieser Heimbeirat ist in Form einer Heimfürsprecherin existent."

In Bezug auf die übrigen Bewohner, die deutlich mehr sind als im Pflegebereich, sagt er, diese bewegten sich "in einem privatrechtlichen Mietverhältnis, das keinerlei Beiräte beziehungsweise Vertretungsorgane" vorsehe. "In der Vergangenheit hatte sich für die Gruppe der Mieter ein irrtümlich falsch tituliertes Gremium ,Heimbeirat' formiert, das als Vertretungsorgan der Mieterinnen und Mieter gegenüber der Geschäftsführung aufgetreten ist." Diederich sieht das als überflüssig an.

Er pflege jederzeit "eine Politik der offenen Tür", sagt er. Die Bewohner könnten ihn jederzeit bei Sorgen und Nöten oder bei notwendigen Hilfestellungen ansprechen. "Für das Vorgehen des Herrn Bock habe ich keinerlei Verständnis", schließt Diederich seine Stellungnahme. Intern habe es genügend Gespräche gegeben, in denen das Thema kommuniziert worden sei.

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