Beklommenheit und Lachen lagen ganz nah beieinander, als vier Flüchtlinge am Freitagabend in der Galerie Form und Farbe ihre Fluchtgeschichte spielten. Politische Hintergründe, die so noch nicht bis in die deutschen Medien vorgedrungen waren, zeigten sie genauso wie das ganz alltägliche Leben zuhause in Syrien. Da ist die Mutter Aliaa Alkhalifeh, die zusammen mit ihrer Tochter Maya Helal auf der Bühne steht. Ahmad Jolaaq und Louai Soudan, zwei junge Männer, vervollständigen das Bild. Mal spielen sie eine Familie, mal fließen Erinnerungen an ihre jeweils eigene Flucht ein.

Die Witze, die sich Menschen auf der Flucht erzählen, sind ein Beispiel dafür, warum das Stück "Jasmin, der aus dem Orient kommt" so authentisch wirkt - wenn auch das deutsche Publikum nur halb darüber lachen kann, zu ernst ist das Thema insgesamt. Die Schauspieler wechseln immer wieder ins Englische und Arabische. Mit ganz einfachen Mitteln schaffen sie es, von ihrer Flucht und der Ankunft in Deutschland zu berichten, ohne dass unweigerlich die moralische Keule mitschwingt. "Alle haben Blut an den Händen. Deshalb sind wir geflohen", ist einer der Schlüsselsätze. "Man kann verzweifeln oder einfach leben", lautet ein anderer.


Biografisches Theaterprojekt

"Ich habe in Syrien Wirtschaftswissenschaften studiert, ich bin kein Schauspieler", erzählt Ahmad Jolaaq nach der Aufführung. Er ist der Initiator des Theaterstücks, das unter der Regie eines Schauspielers am Meininger Theater entstanden ist. Keine Therapie ersetzen, sondern Biografien erzählen wolle das Stück, sagt Jolaaq. Im anschließenden Nachgespräch stellen die Besucher noch etliche Fragen und auch die Syrer erkundigen sich, wie die Bad Brückenauer das Ergebnis der AfD bei der Bundestagswahl empfunden haben.

Die Aufführung in der Galerie ist die erste von drei Veranstaltungen, mit der die Eine Welt-Gruppe ihr 30-jähriges Bestehen feiert. "Was wirklich dahinter steckt, wurde mir erst deutlich, als ich das Stück zum ersten Mal gesehen habe", sagte Maja Kirchner. Sie hatte die Initiative ergriffen und die Schauspieler nach Bad Brückenau geholt. Sie dankte der Galerie, der Familie Hohmann und der Theatergruppe des Gymnasiums für die Hilfe bei den Requisiten. Am Dienstag, 3. Oktober, zeigt die Eine Welt-Gruppe den Film "Tomorrow" in den Rhönlichtspielen. Beginn der Vorstellung ist um 18 Uhr. Am 27. Oktober informiert der Vortrag "Wasser für Menschen" über ein Projekt in Uganda. Los geht's um 19 Uhr in der Georgi-Halle.