Bad Brückenau
Stadtrat

Bad Brückenau: Standortentscheidung ist gefallen

Die Notwendigkeit eines Ärztehauses für Bad Brückenau und Umgebung stellt nur ein Stadtrat in Frage. Bei der Wahl des Standortes hingegen regt sich größerer Widerstand.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Standort des geplanten "Medzentrums Bad Brückenau" im Georgi-Kurpark steht fest. Jetzt beginnen die Feinarbeiten. Grafik: Designplus  Planungsgesellschaft mbh
Der Standort des geplanten "Medzentrums Bad Brückenau" im Georgi-Kurpark steht fest. Jetzt beginnen die Feinarbeiten. Grafik: Designplus Planungsgesellschaft mbh
+2 Bilder

Am vergangenen Dienstag diskutierten die Stadträte erneut kontrovers über das Projekt "Medzentrum Bad Brückenau" vor den Augen von etwa 15 Zuschauern. Dabei ging es weniger um die Notwendigkeit des Ärztehauses, sonder vielmehr um die Standortfrage. Nur ein Stadtrat, Dirk Stumpe (PWG), stellte grundsätzlich das Projekt in Frage. Er befürchtete, dass Praxen in der Innenstadt dadurch leer stehen und einer Verödung Vorschub leisten: "Wir haben den Sinn und Zweck des Projekts komplett aus den Augen verloren", sagte Stumpe. Er sehe keinen Mehrwert für die Stadt, sondern nur für die Investoren.

Gebäude verkleinert

Gesine Schmidt, zuständige Architektin der Designplus Planungsgesellschaft mbH, stellte den Räten das Projekt vor: Das Gebäude habe sich auf 1725 Quadratmeter verkleinert. Ursprünglich waren 3000 Quadratmeter angesetzt. Wegen der Baumschutzzone zu den anliegenden Baumreihen fällt es nun kleiner aus. Der Grundriss betrage rund 45 mal 17 Meter. Die Architektin betonte: "Wir haben wenig Möglichkeiten für eine Vergrößerung in die Breite, lediglich ein Staffelgeschoss auf dem dritten Stockwerken drauf ist möglich." Der Eingang sei direkt gegenüber des Eingangs der Klinik, so dass das Bild eines Innenhofes entstehe.

Die Auslastung, so versprachen die anwesenden Projektentwickler, sei schon jetzt gegeben, denn "wir haben schon alles voll mit potenziellen Mietern, und das ist außergewöhnlich", bestätigte Alexander Bechtler, Rechtsanwalt der HFBP Rechtsanwälte aus Gießen und Sprecher des Netzwerkes. Die Namen der Mieter dürften vor Abschluss der Mietverträge allerdings nicht genannt werden. Aber er versicherte: "Den Vorzug haben wir ganz klar den ortsansässigen Ärzten und Apotheken gegeben."

FDP stimmt dagegen

Massive Kritik kam aus den Reihen der FDP-Fraktion. "Kurpark ist Kurpark, und dieser sollte nicht angerührt werden", äußerte sich Adelheid Zimmermann (FDP). In absehbarer Zeit könne man für die Bäume keinen Ausgleich schaffen. Sie bevorzuge nach wie vor das Bahnhofsgelände als Standort. "Wir haben gute Alternativen, warum nutzen wir sie nicht?" Franz Walter (FB) stimmte seiner Fraktionskollegin zu. Er bemängelte außerdem, dass eine Erweiterung des Gebäudes in Zukunft am Standort im Kurpark nicht möglich sei.

Walter verwies auf eine vor wenigen Tagen erschienene Studie der Bertelsmann Stiftung, in der eine Schließung kleinerer Krankenhäuser für eine bessere Ärztliche Versorgung vorausgesagt wird. Zudem kritisierte er die geringe Anzahl von Parkplätzen vor dem Neubau. "Das ist mir alles sehr unklar", sagte Walter und bezweifelte darüber hinaus die Befahrbarkeit für einen möglichen Feuerwehreinsatz. Architektin Schmidt widersprach: "Wir haben den Brandschutz geprüft und in dieser Planungsphase ist er gewährleistet."

Stadt prüft Standort

Stadtplaner Stefan Schlicht vom Architekturbüro Schlicht Lamprecht begrüßte die Standortentscheidung: "Das Ensemble ist schön und die Hofsituation gelungen", stellte er fest. Die Standortkritik wies er zurück: "Auf dem Bahnhofsgelände würden Sie sich so viele Möglichkeiten verbauen." Dort gebe es viel Potenzial, denn neben dringend benötigten Stellplätzen und dem ÖPNV birgt das Areal viele gestalterische Möglichkeiten. Den Aussagen des Stadtplaners schloss sich Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) an. "Das Bahnhofsgelände ist fest für die Gestaltung rund um den Radweg eingeplant."

Sabine Hain, Verwaltungsdirektorin der Capio Franz von Prümmer Klinik, stellte sich entschieden hinter das Projekt: "Ich kämpfe dafür, denn wenn ich nach der Studie der Bertelsmann Stiftung gehen würde, dann könnten wir zumachen". Die Klinik habe viele geriatrische Patienten, die hier qualitativ gut versorgt werden könnten. Die Nähe des Medzentrums zur Klinik begründete sie mit den kurzen Wegen: "Für einen Notfall kann der Weg zwischen den Gebäuden entscheidend sein." Sie habe das Projekt initiiert, um dem medizinischen Standort eine Zukunft zu geben.

Namentliche Abstimmung

Auch weitere Stadträte meldeten sich zu Wort: Karlheinz Schmitt (CSU) sprach sich für den Standort aus. "Wir können froh sein, wenn wir das Medzentrum bekommen", sagte er. Dem schlossen sich Dieter Seban, Kurt Abersfelder (beide CSU) und Benjamin Wildenauer (SPD) an. "Ich finde nicht, dass der Kurpark Schaden davon trägt", sagte Aberfelder. Das Ensemble passe gut in den Kurpark. Emmanuel Fritschka (PWG) sprach sich zwar für das Medzentrum, aber gegen den Standort aus: "Das Gebäude im Park sehe ich als nicht vorteilhaft an."

In der anschließenden und namentlichen Abstimmung wegen der "besonders wichtigen Entscheidung", so Meyerdierks, stimmte der Stadtrat mit 12:7 Stimmen für den Standort im Georgi-Kurpark. Neben Fritschka, Zimmermann, Walter und Florian Wildenauer (SPD) stimmten auch Heribert Jakobsche, Georg Zeitz und Eberhard Schelle (alle PWG) dagegen. Entschuldigt gefehlt haben Hartmut Bös (parteilos) und Jürgen Pfister (PWG). Über den Zeitplan und das weitere Vorgehen wurde in der Sitzung nicht gesprochen.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren