Bad Brückenau
Nachgefragt

Bad Brückenau: Sie nehmen's gelassen

Was machen eigentlich Italiener, wenn andere das heiß geliebte Hechten dem Ball hinterher verfolgen? Arbeiten, was sonst. Und Public Viewing anbieten.
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Salvatore Fusci: "Komischerweise hat von meinen Freunden niemand gemerkt, dass Italien nicht mitspielt." Foto: Ulrike Müller
Salvatore Fusci: "Komischerweise hat von meinen Freunden niemand gemerkt, dass Italien nicht mitspielt." Foto: Ulrike Müller
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Es ist Dienstag, 18.12 Uhr. Polen gegen Senegal. Salvatore Fusci nimmt den Hörer ab. "Zwei Insalata Italiana, ja?", fragt er. "Geht in Ordnung." Klack, er legt den Hörer auf. "Komischerweise hat von meinen Freunden niemand gemerkt, dass Italien nicht mitspielt", sagt der Inhaber von Pizza Claudio. Er musste sich keine Kommentare anhören, noch nicht. Seit 40 Jahren lebt Fusci in Bad Brückenau. Dass die Fußball-Nation Italien nicht in Russland vertreten ist, findet er weniger tragisch. "Ich bin ja in Deutschland geboren. Von daher hatte ich schon immer zwei Eisen im Feuer."

Eigentlich hält er schon zu den Italienern, aus einem rein pragmatischen Grund. "Ich habe mich immer gefreut, wenn Italien gewonnen hat. Da hatte ich Ruhe in meinem Bekanntenkreis!" Das sei so lange gut gegangen, bis zu dem unseligen Tag, an dem Deutschland die Italiener per Elfmeter aus dem Turnier schoss. Fusci tippt auf das Display seines Smartphones. Am 2. Juli 2016 war das, EM-Viertelfinale. Ein historischer Tag. Bis dahin war Deutschland bei Welt- oder Europameisterschaften immer an Italien gescheitert. An diesem Tag jedenfalls, so erinnert sich Fusci, seien die Sprüche ausgeblieben.


Ein Spielplan, handgebastelt

Ein paar Schritte weiter hängt auf gelben Tonkartonwänden der Spielplan für die nächsten Wochen. Eben noch hat "Coco", wie der Pächter des Eiscafés Bassanese von allen genannt wird - einen Eiskaffee herausgetragen, nun sitzt er vor dem Bildschirm, der an der Fassade angebracht ist. "Wir unterstützen Polen, Kolumbien und Deutschland. Aber eigentlich mag ich Portugal", lacht er. Den Spielplan hat seine Frau gebastelt. Die beiden zeigen alle Spiele bis zum Finale am 15. Juli. Eine Deutschlandfahne hat Coco direkt unter dem Fernseher aufgehängt. Bleibt nur zu hoffen, dass am Ende nicht Deutschland gegen Portugal spielt.

Einer, der ebenfalls arbeitet, ist Angelo Valenzano. Während der Europameisterschaft vor zwei Jahren hatte er Public Viewing im Castello Belvedere im Staatsbad Brückenau angeboten. Das schenkt er sich diesmal. Dass eine Top-Mannschaft bei der WM fehlt, weiß er natürlich. "Die Italiener warten noch auf das Flugzeug nach Russland", kommentiert er trocken. Mit Deutschland feiern möchte er trotzdem, wenn auch ebenfalls aus pragmatischen Gründen: "Das ist gut fürs Geschäft!"
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