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Bad Brückenau
Interview

Bad Brückenau: Rezo in der Kommunalpolitik angekommen

Nach der Politik-Schelte des Youtubers Rezo sprechen Jugendliche mit ihren Eltern über den Klimawandel. Stadträtin Heike Kötzner ging es so. Ein Gespräch über Verantwortung, Frauen in der Politik und die Stadtratswahl 2020.
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Mutter und Sohn im Gespräch über den Klimawandel: Stadträtin Heike Kötzner erfuhr von ihrem Sohn Michel von der aktuellen Diskussion über den Youtuber Rezo. Foto: Ulrike Müller
Mutter und Sohn im Gespräch über den Klimawandel: Stadträtin Heike Kötzner erfuhr von ihrem Sohn Michel von der aktuellen Diskussion über den Youtuber Rezo. Foto: Ulrike Müller

Seit Ende April steht Heike Kötzner an der Spitze des CSU-Ortsverbands. Damit liegt auch die Vorbereitung auf die Stadtratswahl im nächsten Jahr in ihrer Hand. Als Stadträtin ist ihr wichtig, das Interesse an Po litik zu bestärken.

Frau Kötzner, im Internet rechnet gerade der Youtuber Rezo mit der Politik ab. Haben Sie das Video gesehen?

Heike Kötzner: Selbstverständlich. Mein Sohn hat es mir gezeigt. Ich finde es gut, dass ein Youtuber anfängt, sich mit Politik zu beschäftigen. Und schwups ist die Politik in den Kinderzimmern - fast eine ganze Stunde lang.

Fast eine Stunde, in der sich der junge Mann mit der "Zerstörung der CDU" - so der Titel des Videos - beschäftigt. Wie können Sie als CSUlerin das gut finden?

Auf die einzelnen Themen möchte ich jetzt nicht eingehen. Aber ich finde es tatsächlich großartig, dass er sich mit Politik beschäftigt. Natürlich ist der Klimawandel in aller Munde. Aber mir war nicht bewusst, dass es nur noch wenige Jahre dauert, bis die Erderwärmung möglicherweise in eine Spirale gerät, die der Mensch nicht mehr stoppen kann. Mein Sohn hat mich gefragt: "Mama, stimmt das? Ich bin dann 25 Jahre alt." Ich habe mich gefragt: Warum sagt mir das ein Youtuber? Warum sagt mir das nicht die Presse?

Warum sagt Ihnen das nicht Ihre Partei?

Warum sagt es keine andere Partei? Ich glaube, dieses Video hat bei der Europawahl viele Erstwähler mobilisiert.

Bisher hieß es immer, gerade junge Menschen interessierten sich nicht für Politik

Bei den Jugendlichen sehe ich keine Politikverdrossenheit. Da sehe ich sehr wohl Interesse. Die jungen Leute machen das eben auf ihre Art und Weise.

Was hat bei Ihnen persönlich den Anstoß dafür gegeben, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren?

Ich wurde gefragt, ob ich Volkers mit vertreten würde. Ich bin bestimmt mehrere hundert Kilometer über der Entscheidung gejoggt. Ich fühle mich sehr wohl in meiner Geburtsstadt Bad Brückenau, ich wohne sehr gerne hier. Dann habe ich mir gesagt: Gut, lass dich aufstellen, übernimm Verantwortung und gestalte mit.

Im nächsten Jahr werden wohl sechs von neun CSU-Stadträten ausscheiden. Gibt es genug Nachwuchs?

Wir sind schon dabei, eine Liste mit Kandidaten aufzustellen.

Frauen sind im Stadtrat deutlich unterrepräsentiert. Wird sich das ändern?

Das hängt immer auch von den Kandidatinnen ab, die wir fragen. Da ist es schwierig, gerade wenn wir uns verjüngen wollen. Jüngere Frauen sind oftmals mit ihrer Familie beschäftigt. Dann sind viele Frauen anderweitig engagiert. Da ist die Frage: Schaffen sie es zeitlich?

Wie hoch ist denn der zeitliche Aufwand?

Ich mache das nicht an einer festen Stundenzahl fest. Es kostet Zeit, sich auf die Sitzungen vorzubereiten, man will es ja ordentlich machen. Dann gibt es natürlich die Sitzungen und Ausschüsse. Wie oft einer an öffentlichen Veranstaltungen teilnimmt, entscheidet jeder selbst. Deshalb wünsche ich mir auch für die nächste Stadtratswahl, dass die Bürger diesen Einsatz mit einer guten Wahlbeteiligung honorieren. Seit 2014 mussten die Stadträte in 77 Sitzungen etliche Entscheidungen treffen. Der Wähler muss nur alle sechs Jahre ran. Ich denke, das sollte für jeden machbar sein.

Bei einer Umfrage dieser Zeitung im März gab die CSU-Fraktion geschlossen keine Auskunft darüber, wer nochmals kandidieren möchte und wer nicht. Es entsteht der Eindruck, dass im Hinterstübchen entschieden wird, welche Kandidaten die aktuellen Stadträte ersetzen könnten.

Das ist keine Hinterstübchen-Politik. Die Stadtratswahl ist eine Persönlichkeitswahl. Die Leute schauen sehr wohl, wer auf der Liste steht. Von daher entscheidet gar nicht in erster Linie, auf welcher Position der Liste ein Kandidat steht. Im Übrigen kann sich jeder, der Interesse hat, bei mir melden. Wir machen auch immer wieder öffentliche Veranstaltungen, zu denen jeder Bürger kommen kann.

Werden Sie im nächsten Jahr nochmals antreten?

Ja, für mich kann ich das sagen.

Führt die CSU bereits Gespräch mit Kandidaten für die Bürgermeisterwahl im Jahr 2022?

Nein. Man spricht darüber, aber direkte Gespräche mit Kandidaten gibt es noch nicht. Jetzt steht erst einmal die Stadtratswahl im Fokus.

Das Gespräch führte Ulrike Müller.

Vita Heike Kötzner ist 45 Jahre alt. Mit ihrem Mann hat sie zwei Söhne. Seit dem Jahr 2014 sitzt sie für die CSU im Stadtrat und ist Referentin für Soziales und Familie. Außerdem bringt sie sich als Ortssprecherin für Volkers ein. Seit eineinhalb Jahren ist sie aktiv als Feuerwehrfrau im Einsatz.

Ortsverband Seit Ende April ist Kötzner Vorsitzende des CSU-Ortsverbands. Senioren Union und Frauen Union sind ergänzend in der Stadt aktiv. Die Junge Union ist in Bad Brückenau nicht vertreten. Der Ortsverband organisiert jährlich den Neujahrsempfang, ein Ferienprogramm im Siebener Park, einen Glühweinstand an Heiligabend und weitere Info-Stände sowie in unregelmäßigen Abständen die Brückenauer Runde.

74 Mitglieder hat der Ortsverband der CSU in Bad Brückenau aktuell.

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