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Bad Brückenau
Kommunalpolitik

Bad Brückenau: Reaktionen auf die Stichwahl

Mit gut 57 Prozent der Stimmen hat Jochen Vogel die Bürgermeisterwahl für sich entschieden. Dirk Stumpe zeigt sich als fairer Verlierer. Neben den Glückwünschen rückt aber ein anderes Thema in den Fokus.
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Jochen Vogel ist der neue Bürgermeister von Bad Brückenau. Foto: Ulrike Müller
Jochen Vogel ist der neue Bürgermeister von Bad Brückenau. Foto: Ulrike Müller
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Es ist eine merkwürdige Atmosphäre am Sonntagabend in der Georgi-Halle. Nur ein kleines Team der Stadtverwaltung zählt die Stimmen aus. Die Stichwahl hat diesmal wegen des Coronavirus ausschließlich als Briefwahl stattgefunden. Manche Wahlhelfer tragen Mundschutz und Handschuhe. Im Foyer warten die beiden Kandidaten Jochen Vogel (CSU) und Dirk Stumpe (PWG) das Ergebnis ab. Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) und Kämmerer Leo Romeis leisten ihnen Gesellschaft.

Kurz nach 19.30 Uhr liegen die Zahlen vor. Vogel ist mit 57,28 Prozent der Stimmen klarer Gewinner des Abends. Stumpe bringt es auf 42,72 Prozent. Er hat im Verhältnis nur leicht aufgeholt: Vor zwei Wochen, als noch drei Kandidaten zur Wahl standen, hatte Vogel 45,89 Prozent der Stimmen bekommen, Stumpe 29,16. Die Wahlbeteiligung fällt mit 57,5 Prozent diesmal höher aus. Am 15. März hatten sich nur 50,1 Prozent der stimmberechtigten Bürger beteiligt.

Unmittelbar nachdem der Kämmerer das Ergebnis verlesen hat, spricht Stumpe dem zukünftigen Bürgermeister seinen Glückwunsch aus. Mit ausgestreckten Armen - die Abstandsregel soll möglichst auch hier eingehalten werden - überreicht die Bürgermeisterin ihrem Nachfolger einen Blumenstrauß. Sie sieht glücklich aus, schließlich ist Vogel nicht nur ihr Parteifreund, sondern auch ihr Wunschkandidat. Den Mottener Bürgermeister und seine Frau hat sie zudem persönlich getraut. Seit vielen Jahren arbeiten die beiden im Rahmen der Rhönallianz zusammen.

Nachdenkliche Worte

Vogel selbst strahlt. Er sagt aber auch, dass die gewonnene Wahl bei ihm noch gar nicht so richtig ankomme. Schon in den vergangenen Wochen ist deutlich geworden, wie ernst er die Corona-Krise nimmt. In seinem Bekanntenkreis seien zwei Menschen sehr schwer am Virus erkrankt. Die Sorge darüber kann er nicht ganz abschütteln. Einen Plan B hätte Vogel übrigens nicht gehabt. "Das war jetzt all-in", sagt er und meint damit, mit der Kandidatur alles auf ein Pferd gesetzt zu haben.

Dirk Stumpe macht an diesem Abend gute Miene zum bösen Spiel. Er hat sich trotz des deutlichen Vorsprungs von Vogel Hoffnungen auf das Bürgermeisteramt gemacht. Noch am Freitagabend trug er persönlich eine Information in den Straßen aus, die die Briefwahlunterlagen per Post nicht bekommen hatten. Knapp 50 Wahlunterlagen gab das Rathaus tatsächlich außer der Reihe noch am Samstag aus, berichtet Wahlleiter Michael Worschech. Wäre das Ergebnis knapper ausgefallen, so sagt Stumpe am Wahlabend, hätte die PWG die Wahl vielleicht wegen der fehlerhaften Postzustellung angefochten. So aber sieht er davon ab.

Besonders wurme ihn, dass die Bad Brückenauer einem Auswärtigen den Vorzug gegeben haben, sagt er am Abend. Wie groß Stumpes Enttäuschung ist, lesen die Bürger am Morgen nach der Wahl auf Facebook: "Die Konsequenz für mich: den Dirk Stumpe - Hansdampf in allen Gassen - wird es in dieser Form nicht mehr geben. Aus einigen Bereichen werde ich mich konsequent zurückziehen, dies bin ich mir selbst, meinen guten Freunden und meiner Gesundheit schuldig. Auf die Arbeit im neuen Stadtrat freue ich mich, denn mit einem neuen, motivierten Bürgermeister und frischen Stadtratsmitgliedern haben wir die Chance, etwas zu bewegen." In der Corona-Zeit müsse er sich zudem nun auf sein Geschäft konzentrieren.

Wahlbeteiligung sehr gering

"Ich freue mich, dass unser Kandidat es geschafft hat", sagt Heike Kötzner, Vorsitzende des CSU-Ortsvereins. Sie führt Vogels Erfolg auf dessen Erfahrung in der Kommunalpolitik zurück. Seit 18 Jahren ist er schon Bürgermeister. Die Umgestaltung des Bahnhofsgeländes, die Sanierung von Georgi-Halle und Therme Sinnflut seien keine einfachen Entscheidungen. Ihrem Stadtratskollegen Stumpe wünsche sie alles erdenklich Gute.

Mit Stumpe habe die PWG nicht auf den Falschen gesetzt, betont PWG-Vorsitzender Jonathan Kirchner. Er würdigt dessen unermüdlichen Einsatz. "Er ist ein grandioser Kandidat, ein Macher und ein Ideengeber, der der Stadt gutgetan hätte." Kirchner betont, dass die PWG ihre Sitze im Stadtrat habe halten können, obwohl mit den Grünen eine neue Fraktion eingezogen ist. Auf Kreisebene habe die PWG sogar einen Sitz mehr im Kreistag erkämpft.

Nur die geringe Wahlbeteiligung gibt den Kommunalpolitikern zu denken. Sie wisse auch nicht, woran es liege, sagt Kötzner. Über alle Parteigrenzen hinweg sei dazu aufgerufen worden, wählen zu gehen. Kirchner formuliert es deutlicher: "Die Wahlbeteiligung ist definitiv nicht zufriedenstellend." Er sieht es als Aufgabe aller Fraktionen für die nächsten Jahre an, die Menschen zu erreichen, die offensichtlich keinen Bezug zur Kommunalpolitik mehr haben.

"Was bleibt Bad Brückenau jetzt nach diesem Bürgermeisterwahlkampf?", kommentiert Peter Sperl aus Bad Brückenau auf Facebook. Für die PWG kandidierte er für den Stadtrat, verfehlte aber den Einzug. "Ein kompetenter Bürgermeister Jochen Vogel, ein starker Fraktionssprecher der PWG Dirk Stumpe und ein überaus engagierten Kulturamtsleiter Jan Marberg. Möglicherweise ist ja Bad Brückenau der große Gewinner."

Einen Kommentar zum Wahlkampf lesen Sie hier.