Bad Brückenau
Brustkrebs

Bad Brückenau: Pinklauf am 3. Oktober zugunsten der Brustkrebsvorsorge

Eine Kleinstadt in Unterfranken läuft seit Jahren für den Verein Brustkrebs Deutschland. Dabei geht es um Frauen wie die Patientinnen der Sinntalklinik.
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Zum neunten Mal veranstaltet die Stadt Bad Brückenau den Pinklauf zugunsten der Brustkrebsvorsorge. Foto: Archiv/Ronald Rinklef
Zum neunten Mal veranstaltet die Stadt Bad Brückenau den Pinklauf zugunsten der Brustkrebsvorsorge. Foto: Archiv/Ronald Rinklef
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Die Frauen sprechen nicht viel. Warum immer wieder dieselbe Geschichte auftischen, die hier ohnehin die meisten teilen? Sie alle kennen die gerötete Haut nach der Chemo, die trockenen Augen, weil die Wimpern ausgefallen sind. Narben, die bleiben und an den Verlust erinnern, selbst wenn brusterhaltend operiert werden konnte.

"Manche kommen richtig gut mit der Erkrankung zurecht, andere fallen in ein Loch", sagt Marion Glück. Sie ist eine von zwei Brustschwestern in der Sinntalklinik der Deutschen Rentenversicherung Nordbayern, die sich ausschließlich um die Frauen kümmern, die den Brustkrebs schon besiegt haben. In der Reha geht es darum, ins Leben zurückzufinden. Um diesen Weg zu unterstützen, bietet die gemeinnützige Gesellschaft DKMS life Kosmetikseminare in der Klinik an.

Der Blick in den Spiegel

Zehn Spiegel, zehn Frauen. Die Kosmetikerin Marion Wehmeier-Kissel aus Köln erklärt den Patientinnen jedes einzelne Produkt: Reinigungsmilch, Gesichtsspray, Augenbrauenstift. Es raschelt, als die Frauen die Fläschchen und Döschen aus den Schachteln nehmen. Ohne Wimpern und Augenbrauen wirkt das Gesicht oft leer. "Ich habe das schon so oft gesehen, aber ich kriege das irgendwie nicht hin", sagt eine der Frauen als sie versucht, ihre Augenbraue nachzuzeichnen. Marion Wehmeier-Kissel hilft ihr dabei, tupft anschließend mit dem Finger über die gemalte Braue. "Das darf ein bisschen ungleichmäßig sein", sagt sie.

Mit der Zeit wird die Stimmung lockerer, manche Patientinnen lachen. "Die Frauen sind mit ihren kurzen Haaren oft so stolz. Ich finde das total schön", erzählt die Kosmetikerin nach dem Kurs. Diese Erfahrung nimmt die Kosmetikerin mit zu ihren Kunden außerhalb der Klinik. "Wie schön ist das, wenn man gesund ist! Das wissen wir oft gar nicht zu schätzen", sagt sie aus tiefstem Herzen.

Ehrenamtlich Schminktipps geben

Kosmetikerinnen wie Wehmeier-Kissel arbeiten ehrenamtlich für DKMS life. Die Produkte, die die Frauen geschenkt bekommen, werden von namenhaften Firmen gespendet. "Dabei geht es nicht um das perfekte Make-up", erklärt Geschäftsführerin Ruth Landler Neri. Die Frauen lernen vielmehr, sich "ein natürliches und frisches Aussehen für den Alltag und ein Stück Normalität" zu geben. Und auch, sich selbst wieder gern im Spiegel zu betrachten.

An der Tür zum Seminarraum hängt ein Zettel ganz in pink. Es ist die Einladung zum Pinklauf, den die Stadt Bad Brückenau seit dem Jahr 2011 zugunsten des gemeinnützigen Vereins Brustkrebs Deutschland am 3. Oktober ausrichtet. Der Lauf geht auf die Initiative von Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) zurück. Sie hatte die Idee aus der französischen Partnerregion des Bezirks Unterfranken mitgebracht.

Brustkrebs ist kein Tabu mehr

Die Resonanz auf den Pinklauf steigt mit jedem Jahr. Zum vergangenen Lauf kamen 1400 Frauen, Männer und Kinder. Aktuell haben sich bereits 1212 Teilnehmer angemeldet. "Ich freue mich, dass es läuft, und es wird noch lange laufen", sagt Meyerdierks über ihr "Kind", den Pinklauf. Und dennoch schlägt sie auch nachdenkliche Töne an.

Bei einer Veranstaltung des Netzwerks Demenz in der Georgi-Halle sei kürzlich der Film "Still Alice - mein Leben ohne Gestern" gezeigt worden. Darin geht es um eine Frau Anfang 50, die unerwartet an Alzheimer erkrankt ist. "Die Frau hat in dem Film gesagt: Warum habe ich nicht Krebs? Dann würde ich ein rosa Bändchen bekommen und die Leute würden für mich laufen", erzählt die Bürgermeisterin, wie ihr eine Szene besonders nahe gegangen ist.

Ihr Fazit: Es gibt noch andere Erkrankungen, die aus dem Tabu geholt werden müssen. Die große Bewegung, in die sich der Bad Brückenauer Pinklauf einreiht, hat aus Brustkrebs einen Schicksalsschlag gemacht, für den sich keine Frau - und auch kein Mann - in unserer Gesellschaft mehr schämen muss.

Auch in diesem Jahr begleitet die Saale-Zeitung den Pinklauf und stellt ein eigenes Team. Es laufen Katharina Bambach (Korrektur), Johannes Schlereth (Volontär), Jürgen Schmitt (Sport) und Ulrike Müller (Redaktion Bad Brückenau) mit.

Informationen rund um den Pinklauf

Startschuss Am Donnerstag, 3. Oktober, startet der Pinklauf. Der Startschuss fällt um 11 Uhr auf dem Marktplatz. Die schnellen Läuferinnen und Läufer starten zuerst. Danach folgen die langsameren in zwei Etappen. Jeder Teilnehmer darf sich freiwillig dort einreihen, wo er mitlaufen möchte. Alle Informationen zum Lauf finden Sie hier.

Strecke Vom Marktplatz aus führt die Strecke durchs Sinntal in Richtung Staatsbad. In den weitläufigen Parkanlagen stehen unterwegs Getränke bereit. Insgesamt sind 7,7 Kilometer zu bewältigen. Der Zieleinlauf ist im Siebener Park hinter der Therme Sinnflut. Dort warten Erfrischungen auf die Teilnehmer, Vereine und Firmen präsentieren sich. Der Turnverein Bad Brückenau sorgt für eine Stärkung sowie Kaffee und Kuchen.

Erlös Als Startgeld erhebt die Stadt Bad Brückenau 10 Euro. Der Erlös kommt von Anfang an in vollem Umfang dem Verein Brustkrebs Deutschland zugute. Zahlreiche Partner und Vereine unterstützen zudem die Organisation des Charitylaufs hinter den Kulissen.

Anspruch Auch wenn es jedes Jahr einen Sieger gibt - beim Pinklauf steht nicht sportliche Leistung im Vordergrund. Viele Teilnehmer walken oder gehen zügig spazieren. Das ist vom Veranstalter auch ausdrücklich so gewollt.

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