Bad Brückenau
Pinklauf

Pinklauf in Bad Brückenau: Wie diese Frau den Brustkrebs besiegte

Die Fuldaer Frauenärztin Dr. Heike Barnickel-John erkrankte vor zehn Jahren selbst an Brustkrebs. Heute hilft sie ihren Patientinnen, Bewegung an der frischen Luft für sich zu nutzen - und unterstützt den Pinklauf.
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Regelmäßig trainiert die Frauenärztin Heike Barnickel-John mit ihren Patientinnen am Frauenberg. Dabei geht es nicht um Hochleistung, sondern um Normalität und Rücksicht. Foto: Ulrike Müller
Regelmäßig trainiert die Frauenärztin Heike Barnickel-John mit ihren Patientinnen am Frauenberg. Dabei geht es nicht um Hochleistung, sondern um Normalität und Rücksicht. Foto: Ulrike Müller
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Am schönsten ist der leichte Regen. Sanft prasselt er auf die Blätter der mächtigen Bäume im Park am Frauenberg in Fulda. Heike Barnickel-John hebt die Ringe. "Smoveys" werden sie genannt. Kugeln im Inneren des Reifens erhöhen den Trainingseffekt, aber eigentlich ist das nicht ganz so wichtig, denn vor allem geht es Barnickel-John um die Bewegung, die Bewegung unter freiem Himmel.

Seit ihrem elften Lebensjahr läuft sie, spielt auch Tennis in der Hessenliga. Als die Frauenärztin vor zehn Jahren selbst von der Diagnose Brustkrebs betroffen war, hieß es noch: Schonen Sie sich lieber. Aber Barnickel-John machte trotzdem Sport. Heute hilft sie ihren Patientinnen, Bewegung an der frischen Luft für sich zu nutzen. Als ihre Kollegin Dr. Stephanie Meyer die Ringe aus Österreich mitbrachte, war sie begeistert. Inzwischen hat sie die B-Lizenz als Rehasporttrainerin für Mammakarzinom (Brustkrebs) gemacht.

Das Laubdach schützt die Frauen vor dem Regen. Sie sind zwischen 50 und über 70 Jahre alt. Barnickel-John selbst ist 58. Rückwärts laufen sie eine Treppe hinauf - das ist gar nicht so einfach. "Die Chemotherapie schlägt sich häufig auf die Koordination durch", erklärt die Trainerin. Um dagegen zu halten, habe sie nach ihrer Erkrankung Klavierunterricht genommen. Auch das Rechnen habe ihr plötzlich Probleme bereitet. "Viele Frauen sagen, es ist schwierig nach der Chemotherapie", sagt sie.

Seit fünf Jahren beim Pinklauf dabei

Schwierig ist auch die Rückkehr in den Alltag. Viele Patientinnen berichteten, dass schlicht die Zeit für Sport fehle. "Die Bewegungstherapie ist eine ganz wichtige Säule zur Gesunderhaltung der Frau. Eine Stunde Rehasport reicht einfach nicht", mahnt die Ärztin. Dabei sei eigentlich egal, was für Sport die Frauen treiben. Wissenschaftlich untermauert sie ihre Überzeugung mit Studien des Sportwissenschaftlers Dr. Freerk Baumann. Als Privatdozent leitet er die Arbeitsgruppe Onkologische Bewegungsmedizin an der Universität Köln.

Seit fünf Jahren unterstützt Barnickel-John mit ihrer Bewegungsgruppe den Pinklauf in Bad Brückenau. Am 3. Oktober laufen Frauen, Männer und Kinder zugunsten des Vereins Brustkrebs Deutschland eine Strecke von 7,7 Kilometern. "Ich finde es ganz toll, dass sich die Bürgermeisterin die Arbeit macht, sich so für betroffene Frauen und auch Männer einzusetzen", sagt Barnickel-John. In Fulda sei eine ähnliche Aktion trotz mehrfacher Impulse nicht zustande gekommen, obwohl es zwei Brustzentren in der Stadt gebe.

Auch das Organisationsteam freut sich auf den anstehenden Lauf. Das berichtet Karin Bauer, Leiterin der Tourist-Info. "Wir haben aktuell schon 840 Anmeldungen, das ist richtig gut", sagt sie. Viele Vereine und Partner helfen bei der Gestaltung des Tages. Die Frauenärztin aus Fulda wird auch heuer wieder dabei sein. "Der Pinklauf hat viel mit Hoffnung zu tun. Mit Lebensfreude. Und er vermittelt die Botschaft: Bewegt euch!", sagt Barnickel-John.

Brustkrebs In Deutschland erkranken jährlich etwa 69.000 Frauen an Brustkrebs neu. Dazu kommen ungefähr 6000 Früh- und Vorformen von Brustkrebs. Diese Zahlen nennt der Krebsinformationsdienst und bezieht sich dabei auf deutsche Krebsregister und Daten des Robert-Koch-Instituts. Fast drei von zehn Frauen sind beim Zeitpunkt ihrer Erkrankung jünger als 55 Jahre. Auch Männer können an Brustkrebs erkranken. Allerdings kommt auf 100 erkrankte Frauen etwa ein erkrankter Mann.

Bewegungstherapie Regelmäßiger Sport und Bewegung senken nachweislich das Risiko, an Krebs zu erkranken. Das schreibt die Deutsche Krebsgesellschaft auf ihrem Onko Internetportal und nennt eine zwischen 20 und 30 Prozent geringere Erkrankungswahrscheinlichkeit. Als Richtwert werden drei Stunden pro Woche oder sechsmal eine halbe Stunde empfohlen. Dabei sollte der Körper aber nicht überfordert werden. Bekommt der Mensch trotzdem einen Tumor, hilft Sport dabei, die Rückfallquote zu verringern. Für die Steigerung der Lebensqualität während der Behandlung - beispielsweise bei Nebenwirkungen einer Chemotherapie - rät die Krebsgesellschaft ebenfalls zu Bewegung, individuell abgestimmt mit dem behandelnden Arzt.

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