Bad Brückenau
Mobilität

Bad Brückenau: Neuer Anlauf für Bürgerbus

Die PWG bringt das Thema Bürgerbus für Bad Brückenau im nächsten Stadtrat zur Diskussion auf den Tisch. Im vergangenen Jahr ist ein ähnlicher Versuch gescheitert, die Gemeinden der Rhönallianz mit einem Bürgerbus zu verbinden.
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Wird es zukünftig einen Bürgerbus in Bad Brückenau geben? Diese Frage diskutiert der Stadtrat in Kürze. Foto: Julia Raab
Wird es zukünftig einen Bürgerbus in Bad Brückenau geben? Diese Frage diskutiert der Stadtrat in Kürze. Foto: Julia Raab
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Das Thema brennt ihm schon lange unter den Nägeln. Jürgen Pfister (PWG), Zweiter Bürgermeister der Stadt Bad Brückenau, hatte bereits im Rahmen der Öffnung der Fußgängerzone auf die Notwendigkeit eines Bürgerbusses hingewiesen. Jetzt bringt die PWG das Thema in der nächsten Stadtratssitzung zur Diskussion an. "Unser Ziel ist auf jeden Fall, dass der Marktplatz angefahren wird", benennt er seine Vorstellungen. Auch die Gemeinden sollen eine bessere Anbindung an die Stadt erfahren.

Doch was ist diesmal anders?, fragt sich der interessierte Bürger, der den gescheiterten Versuch der Rhön-Allianz, die Gemeinden besser an die Stadt anzubinden, im vergangenen Jahr verfolgt hat.

Die Allianz hatte damals im großen Rahmen die Haushalte in den Allianzgemeinden über die Möglichkeit eines Fahrservices informiert und eine Bedarfsermittlung gestartet. Sogar ein großer Brückenauer Einkaufsmarkt hätte sich mit einem Fahrzeug an der Aktion beteiligt. "Die Resonanz in den Gemeinden war sehr schwach", sagt Allianz-Manager Uwe Schmidt. Insgesamt hätten sich nur drei bis vier Interessierte gemeldet, so Schmidt weiter. Deshalb wurde das Projekt damals schließlich eingestellt und auf unbestimmte Zeit verschoben.

In anderen Gemeinden großer Zuspruch

In anderen Gemeinden im Landkreis erfährt der Bürgerbus hingegen großen Zuspruch. Besonders in Hammelburg läuft das Projekt richtig gut. Dort wurde im Jahr 2014 sogar die Gemeinnützigkeit der Initiative anerkannt. Seitdem ist der Bürgerbus etabliert und gut verbreitet. Neuanschaffungen und Ausbau der Linien prägen seitdem das Bild. Stadt und Bürgerverein arbeiten eng zusammen. Auch Münnerstadt kann einen großen Erfolg aufweisen. Seit 2015 wird dort der Fahrservice angeboten. In Oerlenbach hingegen wird der Bus nicht so gut angenommen, wie in der anderen Gemeinden. "Wir vermuten, dass hier die Nachbarschaftshilfe und die familiäre Anbindung eine große Rolle spielen, so dass der Service eher selten angenommen wird", heißt es aus dem Rathaus. Dazu komme, dass der Bürgerbus ausschließlich von Senioren genutzt werden dürfe. Man wolle dem ÖPNV mit dem Angebot keine Konkurrenz machen, oder gar einen Abbau der Verbindungen in die Stadt verursachen.

Gute ÖPNV-Anbindungen?

"Wir wissen von den erfolgreichen Versuch im Landkreis, einen Bürgerbus auf die Beine zu stellen", sagt Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU). Hier sei die Situation eine andere. Denn der ÖPNV-Anschluss an die Stadt sei durchaus gut. "Außerdem handelt es sich um zwei verschiedene Ansätze, einerseits die Gemeinden an die Innenstadt anzubinden und andererseits die Fußgängerzone zu erschließen", sagt sie. Bezüglich eines Busses, der durch die Ludwigstraße fährt, erklärt sie weiter: "Der ÖPNV kann das nicht leisten, denn für die großen Busse gibt es zu viele Engstellen in der Stadtmitte." Außerdem, so argumentiert Meyerdierks weiter, werde die Ludwigstraße von allen Seiten mit dem ÖPNV angefahren. Angefangen mit der Bushaltestelle am Café Vogler, der geplanten Bushaltestelle am Alten Rathaus, der Haltestelle an der TV-Halle, der Kissinger Straße und der Leimbachstraße. "Wir haben schon alle Varianten versucht", sagt die Bürgermeisterin. Trotzdem sehe sie den Ansatz der PWG aber durchaus positiv. "Ich bin die Letzte, die Nein sagt, wenn es die Innenstadt aufwertet", schließt sie das Thema ab.

Bedarf ist da

"Für die Anbindung und Aufwertung der Innenstadt wäre das ein sehr wichtiger Schritt", sagt Pfister. Wie genau das aussehen soll, sei noch völlig offen und solle im Stadtrat und im Seniorenbeirat diskutiert werden. Seniorenbeauftragter und Stadtrat Emanuel Fritschka (PWG) sieht einen großen Bedarf: "Das ist ein Dauerbrenner bei meinen Patienten aus dem Kurstift." Das Problem sei weniger, in die Stadt reinzukommen, sondern vielmehr wieder zurückzukommen, sagt Fritschka. Der Bedarf sei definitiv da. Der Geschäftsführer der Seniorenwohnanlage Kurstift, Holger Oberfichtner, äußert sich dementsprechend positiv zum Thema: "Ich glaube schon, dass ein zusätzliches Angebot in Form eines Busses durch die Ludwigstraße sehr dienlich wäre". brj

Termin

In der Seniorenbeiratssitzung in der Georgi-Halle am 5. Dezember um 14.30 Uhr ist Beate Ritter Schilling, Vorsitzende des Vereins Bürgerbus Hammelburg, zu Gast. Sie hält einen Vortrag über die langjährigen Erfahrungen mit dem Bürgerbus in Hammelburg. Dazu sind alle interessierten Bürger, unabhängig welchen Alters, eingeladen. brj

Was genau ist ein Bürgerbus?

Ein Bürgerbus ist ein Nahverkehrsangebot, das sich in der Regel auf eine bürgerschaftliche Initiative gründet, um Lücken im öffentlichen Personennahverkehr auszugleichen. Ausgehend von den Niederlanden, wo das Konzept 1977 als Buurtbus (Nachbarschaftsbus) entstand, wurden in den 1980er Jahren in Gemeinden Nordrhein-Westfalens erstmals in Deutschland Bürgerbusse erprobt. In Bayern gibt es solche Initiativen seit Anfang der 2000er Jahre. Quelle: Wikipedia

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