Bad Brückenau

Bad Brückenau: Mit hoher Motivation

Seit Herbst 2017 leitet Jan Marberg die Stadtbibliothek. Keine zwei Jahre später kandidiert der 31-Jährige als Bürgermeister. Für die Stadtentwicklung legt er 30 konkrete Projekte vor - fünf davon als Sofortmaßnahmen.
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Jan Marberg möchte Coworking Space in Bad Brückenau etablieren. Das sind eingerichtete Büroräume, die  beispielsweise Freiberufler oder junge Start-up-Unternehmen zeitlich befristet nutzen können. Foto: Steffen Hildenbrand
Jan Marberg möchte Coworking Space in Bad Brückenau etablieren. Das sind eingerichtete Büroräume, die beispielsweise Freiberufler oder junge Start-up-Unternehmen zeitlich befristet nutzen können. Foto: Steffen Hildenbrand

Er ist der Mann, über den etliche Bad Brückenauer sagen, er trete schlicht für die falsche Partei an: Jan Marberg (31), SPD, Kulturamtsleiter und Skater. Als Jugendlicher hat er mit seinen Freunden beim Bürgermeister seiner Heimatstadt angeklopft. Die jungen Leute wollten eine spezielle Rampe für ihren Sport. "Im April war das Gespräch, im August stand die Rampe. Das fand ich toll", erzählt er. Nun will er selbst so ein Bürgermeister werden, sagt er. 30 konkrete Ziele hat er dafür vorgelegt.

Jan Marberg möchte ein Mehrgenerationenhaus schaffen, einen Bürgerhaushalt einführen und Glasfaser bis an den Bordstein verlegen. Er will, dass die Stadt auf umweltfreundliche Verkehrsmittel setzt und diese zum Verleih anbietet, auch E-Autos. Er fordert eine eigene Standortkampagne - "Ich glaube, dass das Landkreis-Marketing uns auf Dauer nichts nützt" - und sieht das Verhältnis zum Staatsbad als verbesserungswürdig an. "Wir müssen ein Angebot schaffen, das uns auf Augenhöhe mit dem Staatsbad bringt", betont er.

Seine fünf Sofortmaßnahmen: den Georgi-Park aufwerten; warmes Licht in der Straßenbeleuchtung; Kinder als Spielplatz-Planer; WLAN in der Innenstadt; die Veröffentlichung des städtischen Haushalts in anschaulichen Diagrammen im Internet. Dass er mit Nachdruck seine Anliegen vertritt, hat er schon unter Beweis gestellt: Seit April 2018 fordert er einen neuen Standort für die Bibliothek, um mehr Angebote bieten zu können - bisher vergeblich.

Vorbild: Willy Brandt

Warum aber die SPD? "Willy Brandt. Die Grundwerte der SPD und Willy Brandt", antwortet der Bürgermeisterkandidat. Der Kniefall des ehemaligen Kanzlers in Warschau habe ihn tief beeindruckt, genauso wie dessen Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen. Als 19-Jähriger trat er der Partei bei. Da dachte er noch, dass er Politik studieren würde. Es kam anders. Wegen einer verhauenen Mathe-Prüfung rasselte Marberg durchs Abitur. Er wurde stattdessen Bibliothekar, Kulturamtsleiter, Bürgermeisterkandidat. "Ich habe eine hohe Motivation", sagt er über sich.

Fühlt sich der junge Mann in Bad Brückenau wohl? Marberg überlegt kurz. "Ja." Würde er bleiben? "Das kommt auf die berufliche Perspektive an." Und damit meint er nicht, ob er als Bürgermeister gewählt wird. "Ich erwarte nicht, dass ich diese Wahl gewinne." Vielmehr wolle er so viele Bürger wie möglich mit seinen Ideen ansprechen. Für ihn sei die Zukunft der Bibliothek entscheidend - egal unter welchem Bürgermeister. "Ich bin hier bei Weitem noch nicht fertig."

Drei Fragen an Jan Marberg

Warum sind Sie als Bürgermeister von Bad Brückenau geeignet?

Jan Marberg: Meine Arbeit als Kulturamtsleiter der Stadt ist von zahlreichen, parallel laufenden Projekten geprägt. Dafür sind Ausdauer und Konzentration nötig. Ich arbeite daher täglich an meiner Physis und meiner Ausgeglichenheit, indem ich Sport treibe oder musiziere. Durch meinen Beruf bin ich im Ort gut vernetzt, und nicht zuletzt habe ich innovative Ideen, die ich den Bürgerinnen und Bürgern präsentieren kann.

Wie lautet Ihre Lösung für die Fußgängerzone?

Mein Ziel ist es, die Fußgängerzone neu zu entwickeln. Dazu gehören unter anderem ein neuer Boden, ein Lichtkonzept, Aufenthalts- und Spielmöbel sowie eine umfassende Begrünung. Der Automobilverkehr soll stufenweise verbannt werden. Um alle Bürger mit ihren Wünschen und Erwartungen an Bord zu haben, befürworte ich eine Bürgerwerkstatt im Vorfeld. Zudem soll ein Mehrgenerationenhaus mit Jugendraum, Räumen für Vereine und aktive Senioren sowie der neuen Stadtbibliothek entstehen. Dieses Haus kann nicht nur Ressourcen bündeln, sondern ist im Idealfall auch ein "Frequenzbringer", der Menschen neugierig macht und sie immer wieder in die Fußgängerzone kommen lässt.

Auf welche unbequemen Entscheidungen müssen sich die Bürger im Falle Ihres Wahlsiegs einstellen?

Das Ärztehaus hat meine volle Unterstützung, im Georgi-Park wie geplant zu entstehen. Ich setze darauf, dass wir gleichzeitig den Park aufwerten und dadurch ein stimmiges Ensemble bilden. Zudem wird die Forderung nach schrittweiser Verbannung des Automobilverkehrs aus der Fußgängerzone sicherlich nicht jedem gefallen. Sie ist aber aus meiner Sicht eine Chance, die Aufenthaltsqualität dort nachhaltig zu erhöhen.

Zur Person

Vita Geboren worden ist Jan Marberg im Jahr 1988 in Dormagen, vor den Toren Kölns. Er wuchs in Höchstädt im Fichtelgebirge auf. In Germering machte er eine Ausbildung zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste mit Schwerpunkt Bibliotheken. Nach beruflichen Stationen in der Bibliothek in Höchberg und fünf Jahren in der Gemeindebibliothek Neufahrn bewarb er sich bei der Stadt Bad Brückenau als Kulturamtsleiter. Seit November 2017 verantwortet er die Bereiche Stadtbibliothek, Stadtarchiv und Kulturangebot.

Ämter Jan Marberg ist stellvertretender Vorsitzender des SPD-Ortsvereins und gehört dem Vorstand des Obst- und Gartenbauvereins an.

Interessen Jan Marberg interessiert sich für Musik, Sport, Politik und Zeitgeschichte. Er kickt beim TSV Volkers und spielt mehrere Instrumente.

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