Bad Brückenau
Hilfe

Bad Brückenau: Hilferuf aus Syrien

Eine syrische Familie aus Bad Brückenau bittet um Spenden. Der Vater lebt noch in Aleppo und muss operiert werden. Die Caritas unterstützt den Aufruf.
Artikel drucken Artikel einbetten
Sie bitten um Hilfe: Ammar Zaidan und seine Frau Arij Cherbaij sammeln Spenden für den kranken Vater in Syrien. Foto: Ulrike Müller
Sie bitten um Hilfe: Ammar Zaidan und seine Frau Arij Cherbaij sammeln Spenden für den kranken Vater in Syrien. Foto: Ulrike Müller
Sie leben in der Ludwigstraße, ihre Wohnung ist eingerichtet - wenn auch einfach. Ein Sofa hat keinen Bezug, die kleine Tochter läuft schon und geht neugierig auf die Besucher zu. Sie hat am Sonntag, 29. Oktober, ihren ersten Geburtstag gefeiert. Daniela Schad, Flüchtlingsbetreuerin des Caritasverbands im Landkreis Bad Kissingen, setzt sich. Sie kennt die Familie noch aus der Gemeinschaftsunterkunft in Volkers, wo sie am 1. April 2016 angekommen ist. Ammar Zaidan und seine Frau Arij Cherbaij haben mittlerweile einen Aufenthaltsstatus, im März haben sie eine eigene Wohnung bezogen.

"Mein Vater braucht eine Operation", sagt Ammar Zaidan. Manchmal findet er die Worte nicht, doch wenn er etwas erklärt, lässt es sich meistens gut folgen. Er zeigt auf seinem Handy Bilder von einem Mann mit grauen Haaren. Medizinische Aufnahmen sind darunter, auch ein fotografiertes Schriftstück - wohl ein Arztbrief auf arabisch. Der Vater habe einen Tumor und Wasseransammlungen im Kopf, ergänzt Schad. "Hilfe braucht der Mann dringend, sonst stirbt er."


Die Hälfte stemmt die Familie selbst

Ammar Zaidan stammt aus Aleppo. Dort lebten Vater und Mutter noch, ein Bruder sei in der Nähe, erzählt er. Eine Operation in Damaskus koste 4130 Euro. "Teuer in Syrien", sagt Zaidan und berichtet, dass viele Ärzte das Land verlassen hätten und die Währung durch die Kriegswirren in den Keller gerutscht sei. 3000 Euro möchte Zaidan als Unterstützung in die Heimat schicken. Die Hälfte davon bringe die Familie mit erspartem und geliehenem Geld selbst auf, sagt die Flüchtlingsbetreuerin. Der Caritasverband für die Diözese Würzburg steuert ebenfalls etwas bei. "Es fehlen noch 1200 Euro", sagt Schad.

Der Nothilfefonds der Caritas ist vom Umfang und der Leistungsfähigkeit her ausschließlich für Notfälle gedacht. Das erklärt Thomas Kipple, Fachbereichsleiter Migration des Caritasverbands für die Diözese Würzburg. Das Geld sei zweckgebunden für die Flüchtlingshilfe gespendet worden. "Es soll damit den Flüchtlingsberatungsstellen in der Diözese die Möglichkeit gegeben werden, schnell und ohne hohen bürokratischen Aufwand in Einzelfällen eine schnelle erste Hilfe zu leisten", erklärt Kipple. Das könne von einer dringend benötigten Fahrkarte über einen Zuschuss zur Klassenfahrt bis zu einem Zuschuss zu medizinischen Hilfen gehen.


Eine Einzelfallentscheidung

"In der Regel wird die Notwendigkeit und Berechtigung eines Zuschusses von der Beratungsstelle dokumentiert und bestätigt, die Obergrenze für einzelne Hilfen liegt bei 300 Euro", sagt Kipple. Für Daniela Schad liegt eindeutig ein Härtefall vor. "Für mich sind das Einzelfallentscheidungen, die auch von meinen Hintergrundinformationen abhängen", begründet sie. Sie kenne die Familie schon länger und schätze die Geschichte als glaubwürdig ein.

Vor zwölf Jahren sei Zaidans Vater schon einmal operiert worden, ebenfalls am Kopf. Seitdem sei er blind, erzählt die Familie. Doch der Tumor kam zurück. Er fange an zu vergessen, sei sehr müde und müsse gefüttert werden. "Ich hoffe ... ", sagt Ammar Zaidan zum Abschied, und dann fehlen ihm die deutschen Worte. "Helfen" sagt er als letztes. Wer die Familie unterstützen möchte, kann sich an Daniela Schad wenden, Tel.: 0151/ 2006 0276.


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren