Bad Brückenau
Anhörung

Bad Brückenau: Hilferuf an die Abgeordneten

Stadt, Behörden und Bürger bringen ihre Einwände zur Erneuerung der Autobahnbrücke bei Römershag vor. Weil es kein Gesetz gibt, das die Planer zu einem besseren Schallschutz verpflichtet, richtet sich eine Resolution nun an die Politik.
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Ortssprecher Dieter Seban lebt wie viele Römershager mit der Autobahn. Er unterstützt die Resolution der betroffenen Bürger. Foto: Ulrike Müller
Ortssprecher Dieter Seban lebt wie viele Römershager mit der Autobahn. Er unterstützt die Resolution der betroffenen Bürger. Foto: Ulrike Müller

17 Zuhörer waren gekommen, um die Anhörung der Regierung von Unterfranken zum Neubau der Talbrücke Römershag zu verfolgen und ihre Bedenken und Anregungen an die Entscheider zu richten. Das Treffen fand am Dienstag in der Georgi-Halle statt. Nachdem ein Vertreter der Autobahndirektion Nord das Bauprojekt kurz skizziert hatte (siehe weiter unten), durfte zuerst die Stadt Bad Brückenau ihre Anmerkungen kundtun.

Die Stadt hatte bereits vor einiger Zeit ihre Einwände an die Regierung geschickt und auch schon zu den meisten Punkten eine Rückmeldung erhalten. Dennoch griff Dritter Bürgermeister und Ortssprecher von Römershag, Dieter Seban (CSU), nochmals drei Aspekte auf. Er forderte, dass während der Bauzeit die offizielle Umleitungsstrecke für den Autobahnverkehr nicht mehr durch die Stadt laufe, sondern über die B279 über Gersfeld zum Autobahndreieck Fulda Süd geführt werden solle.

Als zweites mahnte Seban an, dass die Baustelle die Trinkwasserversorgung der Stadt berühre, da das Wasserschutzgebiet bis an die Brücke heranreiche. Birgit Imhof, Abteilungsleiterin am Wasserwirtschaftsamt für den Landkreis Bad Kissingen, saß selbst unter den Zuhörern und konnte direkt dazu Stellung beziehen. Sie sagte, dass nur ein kleiner Teil des Schutzgebiets direkt betroffen sei. Dennoch werde es aber darüber noch weitere Abstimmungen zwischen der Autobahndirektion und dem Wasserwirtschaftsamt geben.

Alter Standard für neue Brücke

Der wichtigste Punkt aber war der Schallschutz. Die Bürger, die unmittelbar an der Brücke wohnen, können nicht mit einem besseren Lärm- und Spritzschutz rechnen, weil gesetzliche Bestimmungen diesen für Ersatzneubauten nicht vorsehen (siehe weiter unten). "Wenn ein Bauwerk nach aktuellen Regellagen erneuert wird, muss auch der Schallschutz aktuellen Regellagen entsprechen", argumentierte Seban.

Auch werde der natürliche Schallschutz, der über Jahrzehnte gewachsen sei, durch die Bauarbeiten wegfallen. Die Vertreterin der Regierung hatte sich die Situation offensichtlich selbst angeschaut. "Das ist schon eine blöde Situation, in der Sie sich dort befinden", sagte sie. Sie dürfe aber schlicht nicht gegen geltendes Recht einen besseren Schallschutz anordnen.

Auch die Stadt kann den betroffenen Bürgern nicht helfen, da keine städtischen Grundstücke von den Arbeiten betroffen sind. Daher haben die betroffenen Bürger eine Resolution verfasst, in der sie ihre Argumente bündeln.

"Diese Resolution habe ich an alle Abgeordnete für Land und Bund weitergeleitet", sagte Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) bereits in der vergangenen Woche. Stadt und Bürger hoffen nun darauf, dass auf politischer Ebene eine Lösung gefunden wird, die den Römershagern einen zeitgemäßen Schallschutz ermöglicht.

Eckdaten zum Bauprojekt:

Bauweise Die Brücke wird im so genannten Taktschiebeverfahren errichtet. In der ersten Bauphase wird die Fahrbahn in Richtung Fulda abgebrochen. Anschließend wird die neue Brücke abschnittsweise auf die neu errichteten Pfeiler geschoben. In der zweiten Bauphase passiert das gleiche Vorgehen auf der Fahrspur in Richtung Süden. Die Autobahndirektion Nord rechnet mit einer Bauzeit von etwa vier Jahren. Los gehen soll es im nächsten Jahr.

Lärmschutz Grundsätzlich sieht das deutsche Recht zwei Wege vor, den Lärmschutz zu regeln. Im Sinne einer Lärmvorsorge werden bei Neubauten oder Sanierungen mit wesentlichen Änderungen aktuelle Kriterien zugrunde gelegt. Ist das nicht der Fall, wird ein ähnlicher Lärmschutz eingebaut, der auch vorher schon auf der Straße oder Brücke vorhanden war. Eine zweite Möglichkeit ist eine Lärmsanierung: Die Bundesrepublik Deutschland stellt bei besonderer Belastung freiwillig einen besseren Schallschutz zur Verfügung. Die Voraussetzung dafür ist, dass bestimmte Werte überschritten werden.

Entscheidung Die Regierung von Unterfranken führt gerade das Planfeststellungsverfahren für die Erneuerung der Brücke durch. Nach der Anhörung von Bürgern, Stadt und Behörden fällt sie die Entscheidung, wie das Bauprojekt im Detail umgesetzt werden muss.

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