Bad Brückenau
Interview

Bad Brückenau: "Die Stadt schläft nicht, aber..."

Jonathan Kirchner möchte die Stadtpolitik aufmischen. Der junge Vereinsvorsitzende der PWG spricht über den Bürgerbus, eine Frauenquote für die Stadtratsliste und Grüne in der Kommunalpolitik.
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Als Vorsitzender der PWG wird Jonathan Kirchner die Liste für die Stadtratswahl im kommenden Jahr anführen. Foto: Ulrike Müller
Als Vorsitzender der PWG wird Jonathan Kirchner die Liste für die Stadtratswahl im kommenden Jahr anführen. Foto: Ulrike Müller

Jonathan Kirchner führt seit Frühjahr 2016 die Parteilose Wählergruppe FW Freie Wähler (PWG) als Vereinsvorsitzender an. Er sitzt selbst aber nicht im Stadtrat. Vor der Stadtratswahl im nächsten Jahr beschreibt er seine Vorstellung davon, Kommunalpolitik lebendiger zu gestalten.

Herr Kirchner, welches politische Thema interessiert Sie zur Zeit am meisten?

Jonathan Kirchner: Ich beschäftige mich viel mit dem grünen Gedanken, der ja auch immer mehr zu einem Thema in Deutschland wird. Das finde ich sehr spannend. Dabei habe ich beobachtet, dass die Grünen nicht nur auf Bundesebene agieren wollen, sondern nun auch versuchen, in die Kommunalpolitik einzutauchen.

Die Grünen wollen ja versuchen, eine eigene Liste für die nächste Stadtratswahl aufzustellen. Heißt das, Sie wechseln?

Wenn sie eine Liste stellen, dann werden sie auch reinkommen. Davon gehe ich aus. Ich selbst werde aber nicht wechseln. Dann müsste ich ja die ganze PWG mitnehmen. (lacht) Wir haben bestimmt Themengebiete, innerhalb derer wir uns ergänzen. Aber die kommunalpolitische Kompetenz und Erfahrung der PWG für eine grüne Liste fallen zu lassen, ist keine Alternative.

Die Bürgermeisterwahl im Jahr 2016 war ein Debakel für die PWG. Sie haben sich danach vorgenommen, die PWG zu alter Stärke zurückzuführen. Ist Ihnen das gelungen?

Ich denke schon. Sicherlich haben wir uns von dem Debakel erholen müssen, aber gerade deshalb sind wir innerparteilich einen Schritt zurück gegangen und haben uns grundsätzlich Gedanken darüber gemacht, was die PWG sein soll. Da berufen wir uns auf die bekannten Punkte. Wichtig ist es nun, dass wir daran festhalten. Dazu kommt aber natürlich auch die Frage, wohin wir uns verändern.

Wer will denn die PWG sein - außer den Saubermachern der Friedhöfe, in Anspielung auf eine Ihrer Aktionen?

Das ist auf jeden Fall eine PWG, die ein paar Jahre weiter nach vorne denkt in der Entwicklung der Stadt. Das fehlt mir aktuell noch, dass man ein Ziel hat, auf das man hinarbeitet. Das darf für mich auch in ferner Zukunft liegen. Der Weg dahin darf sich auch verändern, aber man braucht dieses Ziel.

Was wäre denn eine konkrete Zielvorstellung der PWG für die Stadt?

Wir arbeiten aktuell daran, eine solche Zielvorstellung zu formulieren und zu entwickeln.

In jüngster Zeit hat die PWG im Stadtrat eher durch Rücktritte auf sich aufmerksam gemacht: Emanuel Fritschka hat sich als Seniorenbeauftragter zurückgezogen. Die langjährige Fraktionsvorsitzende Birgit Poeck-Kleinhenz hat an Dirk Stumpe übergeben. Ist die PWG auf dem Rückzug?

Die persönlichen Entscheidungen kann ich nur mittragen. Das muss jedem selbst überlassen sein. Der Rückzug ist ja kein tatsächlicher Rückzug, denn es ist ja niemand ausgeschieden. ich sehe da vor allem ein Zeichen dafür, dass in der PWG nun ein frischer und anderer Wind weht und wir mit diesem Gedanken auch die nächste Liste stellen möchten und können.

Die PWG hat unter anderem angekündigt, für die Stadtratsliste Frauen zu nominieren. Wie viele Kandidatinnen stehen denn bereit?

Es ist das Ziel, dass wir ein Drittel der Liste mit Frauen besetzen. Und bisher scheint das so zu sein: Wir haben zehn neue Interessenten, davon drei Frauen.

Bisher möchten nach Ihren Worten Birgit Poeck-Kleinhenz und Heribert Jakobsche nächstes Jahr nicht mehr antreten. Emanuel Fritschka und Jürgen Pfister haben noch keine Entscheidung getroffen. Es werden also zwei, vielleicht drei Plätze frei. So viele Nachrücker werden da nicht zum Zuge kommen, oder?

Das hängt davon ab, wie die Wahl ausgeht. Die Liste ist noch nicht besetzt. Klar kann man nicht alle Erfahrenen beiseite schieben. Aber uns ist wichtig, dass wir Leute aufstellen, die wirklich Lust haben, bei der Stadtentwicklung mitzumachen.

Was ist denn aus Ihren eigenen kommunalpolitischen Ambitionen geworden?

Die erfüllen sich. Vor vier Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich der Listenanführer zur Stadtratswahl bin. Das ist für mich eine riesige Anerkennung von den Mitgliedern. Ich werde mich definitiv auch für den Kreistag aufstellen lassen. Darauf freue ich mich.

Die PWG hatte versprochen, die Bank um die Dorflinde in Wernarz wieder herzustellen. Wann wird das passieren?

Es wurde angegangen, aber nicht durchgeführt. Das hätten wir machen müssen.

Mit einem innovativen Projekt hat die PWG tatsächlich auf sich aufmerksam gemacht. Das ist die Idee eines Bürgerbusses. Werden Sie den Verein gründen?

Sehr wahrscheinlich ja, aber außerhalb der PWG.

Mit Ihnen als Vereinsvorstand?

Da muss ich schauen, ob ich es zeitlich schaffe. Aber ich kämpfe darum. Es gibt bald ein Treffen mit Interessierten, um den Verein zu gründen. Wir brauchen noch Fahrer. Auch jeder, der darüber hinaus im Verein mitmachen möchte, darf sich gerne bei mir melden.

Liegt Ihnen noch etwas auf dem Herzen?

Ich unterstütze den Antrag von Dirk Stumpe im Stadtrat, an der Umgehungsstraße am Radweg eine Absperrung anzubringen. Da tut sich schon sehr lange nichts mehr. Und ich freue mich auf die Stadtratswahl. Das wird diesmal sehr spannend. Ich habe das Gefühl, dass mit dem neuen Stadtrat mehr Bewegung in die Sache kommt. Es ist ja nicht so, dass die Stadt oder die Stadtverwaltung schlafen. So kann man das nicht sagen, denn es tut sich ja was. Aber ich habe die Hoffnung, dass mit einem neuen Stadtrat die Arbeit innerhalb und mit der Stadt mehr an Leben gewinnt.

Das Gespräch führte Ulrike Müller.

Zum Hintergrund:

Vita Jonathan Kirchner ist 31 Jahre alt und Sohn des evangelischen Pfarrers Gerd Kirchner. Er studierte Soziale Arbeit und arbeitet in der Marketing-Abteilung der Malteser Klinik von Weckbecker. Er ist in mehreren Vereinen der Stadt Mitglied.

Verein Die PWG ist keine Partei, sondern gestaltet als Verein seit Jahrzehnten die Stadtpolitik mit. Aktuell stellt sie mit sieben Stadträten die zweitgrößte Fraktion im Stadtrat. Im Kreistag ist die PWG mit insgesamt vier Sitzen vertreten.

Veranstaltungen Die PWG bietet in unregelmäßigen Abständen Stadtgespräche an verschiedenen Orten an.

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