Bad Brückenau
Schule

Bad Brückenau: Der Hort ist weg

Im Frühjahr erhöhte der Stadtrat Bad Brückenau die Hortbeiträge so stark, dass zu wenig Eltern ihre Kinder anmeldeten. Der Hort wurde geschlossen. Der Rückblick zeigt: Das war eine politische Entscheidung.
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Hausaufgabenbetreuung am Nachmittag: Franziska (von links) und Justine beschäftigen sich still, während im Hintergrund Lehrerin Petra Fabinger Robin und Nikita beim Schreiben hilft. Foto: Ulrike Müller
Hausaufgabenbetreuung am Nachmittag: Franziska (von links) und Justine beschäftigen sich still, während im Hintergrund Lehrerin Petra Fabinger Robin und Nikita beim Schreiben hilft. Foto: Ulrike Müller
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Es ist still im Klassenzimmer der 3a an der Grundschule Bad Brückenau. Die Kinder des gebundenen Ganztags schreiben einen Übungsaufsatz über die Winterlinde. Klassenlehrerin Petra Fabinger schaut ihnen über die Schulter. Sie ist nicht jeden Tag nachmittags in der Klasse, zweimal in der Woche übernimmt die Hausaufgabenbetreuung eine externe Fachkraft. In den jüngeren Klassen jedoch sind durchweg Lehrkräfte bei der Hausaufgabenbetreuung eingesetzt.

Eine Befürchtung der Eltern, die sich vor wenigen Monaten gegen die Schließung des Hortsgestemmt haben, hat sich damit also geklärt. Eine andere, nämlich die Sorge, dass die Schüler des Ganztags nun nicht mehr am Vereinsleben teilnehmen können, scheint ebenfalls hinfällig zu sein. Dieser Eindruck jedenfalls entsteht bei der Frage, welche Kinder in Vereinen aktiv sind. Da schnellen die Finger in die Höhe. Ein Junge spielt Handball beim FC, ein anderer Fußball in Altengronau. Ein Mädchen tanzt in der Garde der Karnevalisten, ein anderes reitet und ein paar Schüler lernen sogar ein Instrument.


Keine weiteren Beschwerden mehr

"Seit Schulbeginn ist der Hort kein Thema mehr", sagt Schulleiterin Barbara Buz. "Ich höre nichts Negatives." Auch bei Stephan Kenner, Vorsitzender des Elternbeirats, hat es keine Beschwerden gegeben. "Die Eltern haben resigniert", sagt er über die Schließung des Horts. "Wir haben das Thema aufgegriffen und dafür gekämpft." Doch am Ende meldeten sich zu wenig Kinder für den Hort an. Das Angebot wurde gestrichen.

Doch ganz so einfach ist das Thema Hort gegen Ganztag nicht. Denn in einem Punkt haben die Eltern Recht: Ohne die drastische Gebührenerhöhung hätten sicherlich genug Eltern ihre Kinder für den Hort angemeldet, denn die flexiblen Betreuungszeiten sind gegenüber dem gebundenen Ganztag ein klarer Vorteil für Familien.

Ein Rückblick: Im Schuljahr 2007/2008 betrug der monatliche Elternbeitrag für den Hort 60 Euro (Berechnungsgrundlage sind vier Stunden Buchungszeit pro Tag). In den Folgejahren stieg der Beitrag leicht an und lag im Schuljahr 2012/13 schließlich bei 71 Euro monatlich. Mit der Einführung des Ganztagsangebotes beschloss der Stadtrat, nicht zwei Betreuungsangebote parallel zu bezuschussenund legte für die Hortbetreung zumindest die Kosten für die Erzieherinnen komplett auf die Eltern um. Der Beitrag stieg drastisch auf 153 Euro.


Erneute Erhöhung bedeutet das Aus für den Hort

Schon damals war diese Entscheidung ein schmerzlicher Einschnitt für die Eltern. Auch damals gab es Proteste und Unterschriftenlisten. Als der Stadtrat im März erneut die Hortbeiträge erhöhte - im Berechnungsbeispiel wäre für vier Buchungsstunden täglich dann ein Beitrag von 184 Euro pro Monat fällig geworden - bedeutete das schlussendlich das Aus für den Hort.

Von den betroffenen Eltern wurde als unfair empfunden, dass die Beiträge für den Hort mit 20 Prozent ungleich stärker erhöht wurden als für den Kindergarten mit fünf Prozent. Am Ende bleibt es eine politische Entscheidung, die getroffen wurde: Gegen den Hort und für den Ganztag. Die Ganztagskinder sind übrigens von der Beitragserhöhung verschont geblieben. Das Angebot ist kostenlos.


Hintergrundwissen zum Ganztagsangebot:

Gebundener Ganztag Mit dem Schuljahr 2016/17 werden in allen vier Jahrgangsstufen der Grundschule Ganztagsklassen angeboten. Die Schüler werden montags bis donnerstags bis 16 Uhr betreut. Am Freitag endet der Unterricht um 12.15 Uhr. Die Betreuung ist kostenlos, lediglich das Mittagessen muss von den Eltern bezahlt werden. Die Stadt bezuschusst die Ganztagsklassen mit insgesamt 20.000 Euro pro Jahr. Pro Ganztagsklasse werden der Grundschule zwölf zusätzliche Lehrerstunden genehmigt. Zudem gibt es ein umfangreiches Freizeitangebot.

Offener Ganztag Im Gegensatz zum gebundenen Ganztag ist das offene Ganztagsangebot etwas flexibler gestaltet. Die Eltern können wählen, an welchen Nachmittagen sie eine Betreuung für ihr Kind wünschen. An den entsprechenden Tagen ist die Anwesenheit aber verpflichtend. Aktuell läuft in Bayern ein Pilotprojekt für den offenen Ganztag an Grundschulen. Die Grundschule Bad Brückenau hat sich beworben, ist aber nicht ausgewählt worden. Es ist völlig offen, ob und wann der offene Ganztag an der Grundschule eingeführt werden kann.

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