Bad Brückenau
Interview

Bad Brückenau: "Das ist gelebte Demokratie"

Florian Wildenauer steht wie kaum ein anderer in der Stadt für sozialdemokratische Themen. Die Stadtratsfraktion der SPD ist zwar klein, dennoch hat Wildenauer durchaus den Anspruch, mitzugestalten - gegebenenfalls nicht nur als Stadtrat.
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Florian Wildenauer hat gerade alle Hände voll zu tun, den kleinen Quinn zu bändigen. Tochter Marietta ist nämlich erst wenige Tage alt. Foto: Ulrike Müller
Florian Wildenauer hat gerade alle Hände voll zu tun, den kleinen Quinn zu bändigen. Tochter Marietta ist nämlich erst wenige Tage alt. Foto: Ulrike Müller

Florian Wildenauer hat schon immer eine gewisse Nähe zu sozialdemokratischer Politik gespürt. Im Jahr 2014 trat er schließlich in die SPD ein, führt seit 2015 den SPD-Ortsverein Bad Brückenau und ist stellvertretender Kreisvorsitzender. Auch in der nächsten Wahlperiode möchte er wieder die SPD im Stadtrat vertreten.

Herr Wildenauer, der TV-Satiriker Jan Böhmermann hat mit seinem Vorhaben, Parteivorsitzender der SPD werden zu wollen, für Aufmerksamkeit gesorgt. Bis vor Kurzem suchte er noch einen Ortsverein. Haben die hiesigen SPDler überlegt, ihn als Mitglied aufzunehmen?

Florian Wildenauer: Konkret haben wir nicht darüber diskutiert. Ich persönlich hätte es gemacht, weil Herr Böhmermann ja nach wie vor den Anspruch hat, Parteivorsitzender der SPD zu werden. Das stünde der Ortsgruppe Bad Brückenau sehr gut, den Parteivorsitzenden zu stellen.

Nun gibt die SPD auf Bundesebene aktuell nicht so ein gutes Bild ab. Hat Böhmermann die Partei nicht völlig lächerlich gemacht?

Böhmermann mag ein Satiriker sein, aber er hat Hintergrund. Ich persönlich bin der Meinung, dass er sich genau Gedanken darüber macht, was er satirisch behandelt und was nicht. Und wenn er etwas aufgreift, dann macht er es auch gut. Die SPD - so traurig, wie manche Geschichte zur Zeit auch sein mag - muss so jemanden aushalten können, weil er doch jemand ist, der ganz deutlich den Finger in die Wunde legt. Er bringt aber auch frischen Wind in die Diskussion, und das ist gut für die SPD.

Die SPD ist mit zwei Sitzen im Stadtrat vertreten. Was waren in der zurückliegenden Wahlperiode die Leistungen Ihrer Fraktion?

Das ist eine schöne, wenngleich auch schwierige Frage. Zu zweit ist es relativ schwierig, Dinge aus eigener Kraft zu bewegen. Aber ich glaube, wir haben einige Diskussionen hilfreich befruchten können.

Welche meinen Sie genau?

Zum Beispiel beim Breitbandausbau. Der Stadtrat hat die Vectoring-Technologie befürwortet [Steigerung der Übertragungsrate durch technisches Verfahren ohne Ausbau der Infrastruktur; Anm. d. Red.]. Die SPD-Fraktion hat sich dafür eingesetzt, wenigstens das Gewerbegebiet Römershag und das Schulzentrum direkt mit Glasfaser anzubinden. Das ist mehrheitlich abgelehnt worden. Auch bei der Gestaltung des Außengeländes des Kindergartens Regenbogenland hat sich der Stadtrat für die Minimallösung entschieden. Selbstverständlich muss man Kompromisse finden. Aber ich bin der Meinung, gerade bei baulichen Maßnahmen sollte man ganz stark auf die Leute hören, die tagtäglich damit umzugehen haben.

Das waren jetzt beides Beispiele, wo die SPD nichts ausrichten konnte. Ist es Ihrer Fraktion gelungen, in irgendeiner Form einen Impuls zu setzen?

Wir haben einen Impuls gesetzt, was die Ladeinfrastruktur für E-Mobilität angeht. Mein Fraktionskollege Benjamin Wildenauer [Bruder von Florian Wildenauer; Anm. d. Red.] hat kürzlich dazu Gespräche mit der Verwaltung und den Stadtwerken geführt. Da werden wir auf jeden Fall zukunftsfähiger, als wir es jetzt sind.

Wird die SPD Bibliotheksleiter Jan Marberg als Bürgermeisterkandidaten ins Rennen schicken?

Das kann ich zum aktuellen Zeitpunkt nicht sagen. Fakt ist: Die SPD wird einen Bürgermeisterkandidaten stellen. Fakt ist ebenfalls, dass es mehrere Leute gibt, die ihre potenzielle Bereitschaft bekundet haben, mindestens drei.

Spielen Sie selbst mit dem Gedanken, als Bürgermeister zu kandidieren?

Wenn mein Ortsverein mich nominiert, stelle ich mich selbstverständlich gern zur Verfügung.

Welche Impulse für die Stadtentwicklung halten Sie für notwendig?

Ich halte es absolut für nötig, dass wir uns breit aufstellen - sowohl konzeptionell als auch infrastrukturell -, damit wir für Familien mit Kindern, für Familien, wo die Kinder schon aus dem Haus sind, als auch für Senioren interessant sind. Wenn die Stadt fähig ist, dieses breite Publikum zu bedienen, sind wir wirklich zukunftsfest aufgestellt. Da sehe ich zwingend Nachholbedarf. Infrastrukturell sehe ich Handlungsbedarf bei einem Verkehrskonzept und der Nahversorgung. Der kleine Tegut in der Stadtmitte fehlt der Mutter mit kleinem Kind genauso wie der Seniorin, die nicht bis in die Kissinger Straße möchte.

Der Stadtrat hat grünes Licht dafür gegeben, dass ein Medizinisches Zentrum im Georgi-Park gebaut wird. Diese Entscheidung missfällt vielen Bürgern. Wie stehen Sie dazu?

Das Medzentrum wird meiner Ansicht nach ein großes Thema der anstehenden Kommunalwahl werden. Auch ich habe für den Standort im Park gestimmt. Auf dem Bahnhofsareal ist eine riesige Fläche frei beplanbar. Wenn wir uns da jetzt diesen Klotz drauf stellen, ist ein großer Teil der Fläche schon wieder belegt.

Was schlagen Sie vor?

Ich halte es für durchaus denkbar, dass darüber noch einmal diskutiert wird. Ob sich deswegen noch einmal die Entwicklung ändert, müssen wir sehen. Das ist gelebte Demokratie, das sollten wir alle schätzen: Über Dinge zu reden - wenn es nötig ist, auch ein zweites Mal.

Das Gespräch führte Ulrike Müller.

Zum Hintergrund:

Vita Florian Wildenauer ist 43 Jahre alt und Sohn des Bad Brückenauer Arztes Wolfgang Wildenauer. Er hat eine Ausbildung zum Metallbauer bei der Firma Lindpointner, später Torbau, gemacht und fünf Jahre dort gearbeitet. Im Jahr 2001 wechselte er zu GKN Sinter Metals, wo er aktuell als Maschineneinrichter im Werk beschäftigt ist. Als Stadtrat rückte er Anfang 2015 für Udo Somaruga (SPD) nach. Er bringt sich als Referent für die Kindergärten und im Rechnungsprüfungsausschuss ein. Er hat einen Sohn aus einer vorherigen Beziehung und gemeinsam mit seiner Frau Ann-Katrin Wildenauer einen Sohn und eine Tochter.

Ortsverein Zum SPD-Ortsverein gehören 34 Mitglieder, drei davon sind Jusos. Im Mai wurde Florian Wildenauer als Vorsitzender wiedergewählt. Die SPD ist im Bad Brückenauer Stadtrat mit zwei Sitzen vertreten.

Veranstaltungen Der SPD-Ortsverein trifft sich jeden zweiten Donnerstag im Monat zum offenen Stammtisch im Restaurant Da Rocco auf dem Marktplatz.

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