Bad Brückenau
Biodiversität

Bad Brückenau: Bald blüht es in der Stadt!

Die Blühsaison beginnt und die Stadt erscheint in neuem Glanz. Die beiden Stadtgärtner haben das ganze Jahr alle Hände voll zu tun, damit es im Sommer besonders schön ist.
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Drei neue Blühwiesen sollen in Kürze Insekten eine neue Heimat geben. Gärtner Peter Martin prüft den Boden vor dem alten Landratsamt. Foto: Julia Raab
Drei neue Blühwiesen sollen in Kürze Insekten eine neue Heimat geben. Gärtner Peter Martin prüft den Boden vor dem alten Landratsamt. Foto: Julia Raab
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Es hat geregnet. Peter Martin, Bauhofmitarbeiter der Stadt Bad Brückenau, kniet sich auf die Erde und nimmt sie in Augenschein. "Ein bisschen mehr Regen können wir schon noch gebrauchen", sagt der Gärtner aus Rupboden, der seit Januar Markus Bott bei der Pflege der städtischen Bepflanzung unterstützt. Trotz der kurzen Regenperiode, so sagt er, war der April wieder viel zu trocken. Hier soll hoffentlich bald eine bunte Blühwiese für Bienen aufgehen. Der Regen ist dafür unabdingbar.

Förderung der Artenvielfalt

Im Rahmen einer Projektpartnerschaft zwischen der Rhönallianz und der Bayerischen Anstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim wurden drei städtische Flächen ausgewählt, um die Biodiversität in den Allianzgemeinde zu fördern. Eine dieser Flächen liegt am Parkplatz Obermang, die beiden anderen in der Düsseldorfer Straße und mitten im Georgi-Kurpark zwischen dem ehemaligen Kriegerdenkmal und dem Weikard-Brunnen. Anfang April haben sie die speziell angefertigte Blumenmischung aus Veitshöchheim auf die vorbereitete Erde aufgebracht. Danach hat es zwei Wochen nicht geregnet. "Wir hoffen sehr, dass die natürliche Bewässerung reicht", sagt Martin.

Digitales Baumkataster

Doch die Arbeit der beiden städtischen Gärtner geht weit über das Ansäen von Blumenwiesen hinaus. Bott, seit 19 Jahren im Dienst des Bauhofs, ist für alle Bäume und Sträucher zuständig. Seit 2015 legt er ein digitales Baumkataster an, das die Pflege der Begrünung vereinfachen soll. Zunächst aber bedeutet das viel Arbeit. "Bisher haben wir rund 2500 Bäume aufgenommen", sagt Bott. Wie viele es noch werden, kann er nicht abschätzen. "Dazu zählen ja alle Bäume, von der Edelruh bis nach Römershag zur Wasseraufbereitungsanlage beispielsweise", sagt der Gärtner. Das Erfassen diene der Verkehrssicherheit und sei für die Stadt eine Art Eigenschutz zur Abwehr von möglichen Schadensersatzansprüchen. Früher sei die Pflege der Bäume über eine Negativkontrolle gelaufen, da sei viel schneller abgeschnitten worden als heute. Die Arbeit am Kataster und die Pflege der Bäume nehmen viel Zeit in Anspruch. Im Sommer müssen die Männer manchmal wochenlang die Grünanlagen wässern. "Im vergangenen Jahr waren wir fünf bis sechs Wochen nur damit beschäftigt", sagt Bott über den trockenen Sommer. Im Winter steht zusätzlich noch der Winterdienst an und Bäume und Sträucher müssen zurückgeschnitten werden.

Neue Bepflanzung

Neu sind auch die Schotterbeete, die im gesamten Stadtbild vorkommen. "In der Kritik stehen sie zu unrecht", sagt Bott über manch kritisches Wort über die "Steinwüsten", die in Kürze mit Bepflanzung auftrumpfen werden. "Unter dem Schotter ist ein mineralisches Substrat angebracht und eine Staudenmischung aus Veitshöchheim mit der Bezeichnung "Silbersommer". Das sei eine ganzjährige Bepflanzung, die auch Insekten anlockt. Die Schotterbeete seien pflegeleicht und sollen das Ansetzen von Unkraut verhindern.

Bereits im vergangenen Jahr gab es im Georgi Park einige Stellen, die nicht gemäht wurden. Bewusst, sagt Bott, denn das schwere Mähgerät sei nicht gut für die Baumwurzeln. Darüber hinaus "gilt das ungemähte Gras auch hier als Rückzugsort für viele Tierarten". In diesem Jahr soll es wieder so gemacht werden. Zusätzlich haben die Gärtner eine Kräutermischung an einigen Stellen unter den Bäumen aufgebracht. "Wir sind sehr gespannt, was daraus entsteht", sagt Bott.

Wertvolle Bäume

Mit Unmut sieht der Gärtner die aktuelle Diskussion um die Erweiterung des Ärztezentrums, für das ein Teil des Georgi-Kurparks weichen soll. "Ich verstehe nicht, warum die alten Bäume hier nichts zählen", sagt Bott verständnislos. "Wir bräuchten viele Generationen, um wieder einen solchen Baumbestand zu bekommen." Sein junger Kollege Peter Martin bringt derweil frischen Wind und neue Ideen für die Wechselbepflanzung der Stadt ein. Gerade werden die Beete vorbereitet und nach den Eisheiligen die Blumen gepflanzt, so dass die Stadt einen blühenden Sommer erlebt.

INFOKASTEN

Projekt "Farbe für Stadt und Land"

Auch wenn die Rhönallianz einheitlich nicht am landkreisweiten Projekt "Grüngitter" teilnimmt, so unterstützt sie dessen Ziele zur Artenvielfalt ausdrücklich. Als Maßnahme sind die Gemeinden der Rhönallianz deshalb Partner des Projekts "Farbe für Stadt und Land", das von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim ausgeht. Die LWG berät in diesem Zusammenhang die Kommunen in ihrer Absicht, mehr Biodiversität zu wagen. Zur Partnerschaft gehören Fachvorträge, Informationsaustausch sowie die Planung und Durchführung gemeinsamer Pilotprojekte.

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