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Bad Brückenau
Demokratie

Bad Brückenau: 75 Kandidaten stehen zur Wahl

In der Vergangenheit schien viele Bürger nicht zu interessieren, wer sie vertritt. Zuletzt fiel die Wahlbeteiligung erschreckend niedrig aus. Das könnte heuer anders werden.
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Einmal im Monat trifft sich der Bad Brückenauer Stadtrat. Dieses Bild entstand bei der Faschingssitzung im Februar. Foto: Ulrike Müller
Einmal im Monat trifft sich der Bad Brückenauer Stadtrat. Dieses Bild entstand bei der Faschingssitzung im Februar. Foto: Ulrike Müller

Selten war eine Kommunalwahl in Bad Brückenau so spannend wie diese. Drei Bürgermeisterkandidaten stehen zur Wahl. Im Stadtrat werden mindestens - soviel steht schon jetzt fest - zehn Sitze frei, weil langjährige Stadträte nicht mehr antreten. Das ist immerhin die Hälfte. Die Wahlbeteiligung bisher kann sich sehen lassen. 1301 Wähler haben bereits ihre Wahlunterlagen im Bürgerbüro beantragt. Das sind schon 24,4 Prozent der wahlberechtigten Bürger.

Diese Zahlen ermutigen. Bei vergangenen Wahlen glänzten die Bad Brückenauer nicht gerade durch eine rege Beteiligung. Bei der Europawahl im Mai 2019 lieferte die Stadt mit 49,17 Prozent die schlechteste Wahlbeteiligung im Landkreis ab. Als vor sechs Jahren ein neuer Stadtrat gewählt wurde, gaben sogar nur 39,3 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Bei der Bürgermeisterwahl im Jahr 2016 waren es auch nur 46,18 Prozent - und das, obgleich der Wahlkampf mit ebenfalls drei Bewerbern ums Amt auch nicht gerade harmlos daherkam.

Harmlos ist er diesmal auch nicht, wohl aber harmonischer. Von Anfang an pflegten die drei Anwärter aufs Bürgermeisteramt einen fairen Umgang miteinander. Öffentliche Anschuldigungen, Angriffe oder Beleidigungen blieben aus. Die Initiative dafür ging vom CSU-Kandidaten Jochen Vogel aus. Zum Start des Weihnachtspavillons auf dem Marktplatz lud er seine beiden Kontrahenten ein, "um auf eine faire Zeit bis zur Wahl anzustoßen", schildert er.

SPD-Kandidat Jan Marberg und Dirk Stumpe von der PWG ließen sich darauf ein. Die beiden besuchten auch regelmäßig Veranstaltungen anderer Gruppierungen, etwa im Politcafé von Freien Bürgern und FDP oder Treffen der Grünen. "Was soll ich denn meinen Mitbewerbern Dinge an den Kopf werfen, die mich in keiner Weise weiterbringen? Das war nie meine Art", begründet Stumpe und Marberg ergänzt: "Wir wollen unsere Inhalte den Leuten rüberbringen. Da gucke ich nicht nach links und rechts, was die anderen machen". Das sei von Anfang an seine Devise gewesen.

Stadtrat-Bingo vor dem Rathaus

Um das Interesse der Bürger noch etwas anzustoßen, hat sich Stadtrat Hartmut Bös (parteilos) eine Aktion überlegt. Am Samstag vor der Wahl, 14. März, möchte er alle 75 Kandidaten auf dem Marktplatz zum "Stadtrat-Bingo" versammeln. Die Idee: Passanten können sich den Stadtrat ihrer Wahl zusammenstellen. "Wer alle Personen richtig rät, den lade ich persönlich nach der Wahl auf einen Umtrunk in die Klappe ein", sagt Bös.

Auffallend ist bei dieser Wahl, dass viele neue und auch junge Gesichter unter den 75 Kandidaten sind, die sich um einen Sitz im Stadtrat bewerben. Für die SPD kandidiert die 18-jährige Schülerin Jasmin Holletzek (Platz 4), für die CSU Janik Veit auf Platz 5, er ist 19 Jahre alt. Ebenfalls für die CSU, allerdings ganz hinten auf der Liste, steht Tom Kötzner (19).

Außergewöhnlich ist auch, dass zwei der fünf Parteien und Wählergruppen, die sich um den Einzug in den Stadtrat bewerben, von Frauen angeführt werden: Heike Kötzner steht auf Listenplatz 1 bei der CSU. Sie ist Stadträtin und Ortssprecherin von Volkers. Eva Reichert-Nelkenstock führt die Liste bei den Grünen an, die erstmals seit den 1980er Jahren wieder für den Stadtrat antreten. Sie ist bisher noch nicht kommunalpolitisch in Erscheinung getreten.

Bemerkenswert ist ebenfalls, dass sich Adelheid Zimmermann aus der ersten Reihe zurückzuziehen scheint. Die 70-Jährige sitzt seit 30 Jahren für die FDP im Stadtrat, ist Kreisrätin sowie Vize-Präsidentin des Bezirkstags Unterfranken. Die FDP stellt zusammen mit den Freien Bürgern (FB) eine Liste. Zimmermann steht auf Platz 6. Auf Platz 1 hat sich Stefano Pettinella (FB) in Position gebracht. Pettinella wohnt seit zwei Jahren in der Stadt. Er stammt aus Ebenhausen, war lange Zeit aber beruflich im Ausland.

1301 Wähler beantragten bereits die Briefwahl im Bürgerbüro.

39,3 Prozent der Wahlberechtigten beteiligten sich an der Stadtratswahl vor sechs Jahren.

20 Sitze gibt es im Bad Brückenauer Stadtrat.

5 Parteien und Wählergruppen bewerben sich um Mitsprache in der Stadtpolitik.