Bad Brückenau
Gedenken

Auch in Bad Brückenau Gedenken an Pogromnacht

Rund 60 Menschen gedachten am Abend des 9. November am Alten Rathaus Bad Brückenau der Schrecken der Reichspogromnacht.
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Gedenken an die Pogromnacht vor 80 Jahren. Foto: Dirk Hönerlage
Gedenken an die Pogromnacht vor 80 Jahren. Foto: Dirk Hönerlage
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Rund 60 Menschen kamen am Abend des 9. November am Alten Rathaus Bad Brückenau zusammen, um gemeinsam unter dem Motto "Vergesst nur nicht!" an die Schrecken der Reichspogromnacht zu erinnern. Damals kam es in ganz Deutschland, auch in Brückenau, zu Ausschreitungen gegen jüdische Mitbürger. Synagogen wurden angezündet, Geschäfte geplündert, Wohnungen zerstört. Menschen drangsaliert, inhaftiert, ermordet. Verlesen wurden von den Teilnehmern die Namen der 41 ermordeten jüdischen Mitbürger aus Brückenau, dann wurde für jeden eine Kerze entzündet und vor der Gedenktafel für die Opfer platziert.

Die Veranstaltung wurde initiiert von den beiden Kirchengemeinden und unterstützt vom P-Seminar "Jüdisches Leben" des Franz-Miltenberger-Gymnasiums. Das Gedenken blieb aber nicht nur in der Erinnerung verhaftet. Der evangelische Pfarrer Gerd Kirchner machte deutlich, dass die starke Beteiligung an der Gedenkstunde durchaus ambivalent sei. Auf der einen Seite "herrscht Freude, dass so viele Menschen ihre Verbundenheit zum Ausdruck bringen", auf der anderen Seite "Trauer, dass heute so viele Menschen wieder Flagge gegen Antisemitismus und Rassismus zeigen müssen". Der Versuch, mit der Floskel "Man wird doch wohl noch sagen dürfen" die Erinnerungskultur auszuhöhlen und einer Fremdenfeindlichkeit das Wort zu reden, erfordere eine klare Antwort. "Vergesst nur nicht" - diese Zeile aus einem Gedicht von Peter-David Blumenthal-Weiss verdeutliche das Anliegen und sei ein Vermächtnis. Der lyrische Text wurde wahrscheinlich 1944 im Konzentrationslager Auschwitz geschrieben. Jonathan Jehn, Schüler des Gymnasiums, verlas ihn und machte damit die Stimme eines Opfers des nationalsozialistischen Terrors hörbar : "Vergesst nur nicht!" Die Veranstaltung endete mit dem Gebet, das der Jude Jesus zuerst formulierte und das heute die Welt umspannt - dem VaterUnser. von Dirk Hönerlage

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