Wildflecken
Initiative

Zug scheint für die alte Bahntrasse abgefahren

Eine Sternfahrt soll die Geschlossenheit für einen Radweg auf der alten Bahntrasse demonstrieren.
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Am früheren Bahnhof in Wildflecken trafen sich einige einheimische Radsportbegeisterte zum Foto-Termin, um Werbung für den Radweg zu machen. Foto; Sebastian Schmitt-Mathea
Am früheren Bahnhof in Wildflecken trafen sich einige einheimische Radsportbegeisterte zum Foto-Termin, um Werbung für den Radweg zu machen. Foto; Sebastian Schmitt-Mathea
"Ich möchte nicht, dass noch weitere Jahre vergehen, und einfach überhaupt nichts vorangeht", sagt Wildfleckens 2. Bürgermeister Wolfgang Illek (CSU). Seit geraumer Zeit befürwortet Illek einen Radweg auf der längst verwaisten Bahnlinie Jossa-Wildflecken: "Weil im Tourismus eine Riesen-Chance für die gesamte Region liegt und Radfahren absolut im Trend ist."

Um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen, beweisen die Radsport-Begeisterten der Region zusammen mit der "Interessensgemeinschaft Rhön-Sinntal-Radweg" ihre Geschlossenheit bei einer Sternfahrt am Samstag, 4. Oktober, in Richtung Bad Brückenau. Ziel der Radler ist der Brückenauer Marktplatz, wo ab 11 Uhr eine Kundgebung stattfinden wird.

Aus unterschiedlichen Richtungen
"Es werden Radfahrer aus ganz unterschiedlichen Richtungen kommen, also auch aus Orten, die nicht direkt an der ehemaligen Bahnstrecke liegen", erklärt Illek. Denn auch für Radler aus den umliegenden Gemeinden Geroda, Schondra, Oberleichtersbach oder Motten könne ein durchgehender Radweg durch das Sinntal eine große Bereicherung sein: "Die Begeisterung für den Radsport ist auch dort riesengroß. Das beweisen die unterschiedlichen gut besuchten Veranstaltungen und Turniere der Radsportgruppen." Für Illek jedenfalls steht fest: Eine Reaktivierung des Bahnverkehrs ist nach all den Jahren des vergeblichen Wartens längst keine vernünftige Option mehr. "Wir müssen auch realistisch sehen, dass nicht beides gleichzeitig geht: ein neuer Radweg und die Wiederbelebung der Bahnstrecke. Wie sollte das funktionieren?"

Schleichender Niedergang
Der schleichende Niedergang der Nebenstrecke von Jossa über Bad Brückenau nach Wildflecken hatte bereits in den 1960er Jahren eingesetzt. Neben der Umstellung des Wochenendverkehrs auf den Linienbus wurden Zug um Zug alle Güterverkehrsstellen entlang der Strecke aufgelöst. Das Ende des Personenverkehrs auf der Schiene kam im Mai 1988, der Güterverkehr wurde zumindest teilweise noch bis zum Jahr 2002 aufrechterhalten. "Nachdem nun alle Anliegergemeinden, auch Wildflecken, den Antrag auf Freistellung von Bahnbetriebszwecken für die Sinntalbahnlinie Jossa-Wildflecken beschlossen haben, sollte sich doch langsam etwas tun", fordert Illek. Ziel der Sternfahrt soll sein: "Der Politik und auch den Bahnfreunden zeigen, hier ist touristisches Potenzial, hier gibt es ein schlüssiges und umsetzbares Konzept. Und es stehen nicht nur ein paar Wenige dahinter."

Bis zur Stilllegung der Strecke 2005 fanden immer mal wieder Sonderfahrten statt. In den zurückliegenden Jahren holte sich die Natur die Bahnstrecke wieder zurück. "Wenn jetzt Mitglieder eines neuen Fördervereins die Strecke wieder freischneiden, dann ist das ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen. Man fängt auf einer Seite der Strecke an und bis man fertig ist, kann man schon wieder von vorne beginnen", macht Illek klar. Zudem kann er in der Bevölkerung keine große Begeisterung für die Reaktivierung des Bahnverkehrs erkennen. "Das sind ein paar Idealisten, die mit großem persönlichen Einsatz an der Strecke arbeiten, mehr ist es doch nicht." Illek kann grundsätzlich verstehen, dass Bahnfreunde ihr persönliches Engagement zeigen, aber im Sinntal sei der Zug längst abgefahren, weitere Verzögerungen nicht hinnehmbar: "Wie lange sollen wir denn noch warten, bis sich irgendetwas tut?"

Brendtalradweg als Vorbild
Während entlang der Sinn zwischen Jossa und Wildflecken noch von einem durchgehenden Radweg geträumt wird, erfreut sich der Brendtalradweg zwischen Bischofsheim a. d. Rhön und Bad Neustadt seit vielen Jahren einer großen Beliebtheit. Besonders bei Familien mit Kindern. Der Brendtalradweg wurde zum großen Teil auf der ehemaligen Bahntrasse errichtet und führt über Unterweißenbrunn, Wegfurt, Schönau a. d. Brend und Brendlorenzen in die Kreisstadt im Rhön-Grabfeld, wo die Brend in die Fränkische Saale mündet. "Ich verstehe nicht, warum wir uns hier so schwer mit einem Radweg tun, in benachbarten Landkreisen geht es doch auch. Und vor allem ging es da viel schneller", sagt Illek.

Der Höhenunterschied zwischen Bad Neustadt und Bischofsheim beträgt etwa 250 Meter. Um Bischofsheim herum gibt es zahlreiche Wander- und Berghütten, die für sportliche Mountainbiker ein beliebtes Ziel sind. Der gesamte Brendtalradweg ist für Autos gesperrt, nur an manchen Abschnitten ist landwirtschaftlicher Verkehr zugelassen.

Tourismus- oder Freizeitweg
"Ich spreche deswegen auch nicht nur von einem Radweg, sondern von einem Tourismus- oder Freizeitweg durch das Sinntal. Auch Inliner könnte man zum Beispiel sehr gut darauf fahren", ist der Wildfleckener Kommunalpolitiker überzeugt. Auch der ehemalige Bahnhof in Wildflecken, wo sich einige einheimische Radsportbegeisterte zum Foto-Termin trafen, könnte sich mittlerweile gut in das Konzept einbinden lassen. "Das Gebäude steht jetzt leer, die letzten Bewohner sind ausgezogen. Also könnte man den Bahnhof auch als Anlaufpunkt für die Radfahrer nutzen. Sogar eine Art Radsporthotel wäre denkbar", betont Illek. Wer sich ein Bild von der Radsportbegeisterung in der Rhön machen wolle, der müsse nur auf den benachbarten Kreuzberg fahren: "Dort oben sieht man sofort, in welchen Massen die Radler unterwegs sind." Und so machte sich die Wildfleckener Gruppe nach dem Foto-Termin auf den Weg zum heiligen Berg der Franken. Mit ihren Mountainbikes natürlich.


 


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