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Wirtschaft

Zeitlofser berät Caravan-Hersteller

Mario Volklandt und weitere ehemalige Mitarbeiter des Tabbert-Werks in Mottgers gehen eigene Wege. Wie stehen die Chancen junger Firmen in der Branche?
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Startup auf dem Land: Helmut Limpert (v. l.), Jürgen Stelzner und Mario Volklandt entwickeln Caravans und beraten Unternehmen. Foto: Andreas Ungermann
Startup auf dem Land: Helmut Limpert (v. l.), Jürgen Stelzner und Mario Volklandt entwickeln Caravans und beraten Unternehmen. Foto: Andreas Ungermann
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Mario Volklandt spricht gerne von Emotionen, davon, dass er die in Produkten wiederfinden will. Der Zeitlofser kommt aus einer Branche, in der das nichts Ungewöhnliches ist. Mehr als 25 Jahre war er beim Reisemobil- und Caravanhersteller Knaus Tabbert - zuletzt als Produkt und Markenmanager für Tabbert. Als es dem Unternehmen in den Jahren 2008 und 2009 schlecht ging und die Zukunft der Mitarbeiter ungewiss war, hat Volklandt einen eigenen Betrieb aufgemacht. "2009, als ich hier anfing, war ich eine One-Man-Show. 2013, als wir die Schreinerei Fehl dazu genommen haben, waren es zehn Mitarbeiter", erinnert sich der Zeitlofser.


Kollegen ins Team geholt

Zum 1. Juli ist er nun mit einem weiteren Unternehmen und bislang vier Kollegen an den Start gegangen. "Die Caravanbranche hat einen hohen Bedarf an Beratungsleistung", ist Volklandt überzeugt. Auch sein eigener Betrieb Volklandt GmbH, mit dem er individuelle Wohnwagen, Rettungsstationen oder Schaustellerfahrzeuge fertigt, nimmt er davon nicht aus. "Wir hatten auch ein Defizit", sagt Volklandt.

Ins Team hat er sich dazu erfahrene Branchenkenner geholt, noch dazu welche, mit denen er selbst lange zusammengearbeitet hat. Jürgen Stelzner, der sich als Geschäftsbereichsleiter um die Organisation kümmert, war Leiter der Entwicklung und Konstruktion bei Tabbert, die zu Jahresbeginn jedoch an den Stammsitz in Jandelsbrunn verlegt wurde. Und auch Elektromeister und Betriebswirt Helmut Limpert kennt er noch aus Mottgerser Zeiten. Hinzu kommen in der "noch rudimentären Truppe" zwei Leute im Möbelbereich, die sich von der Zielsetzung (Benchmark) über die Designplanung und Entwicklung bis zum Prototypenbau mit den Projekten befassen.

Der Markt für Caravans und Reisemobile boomt in Deutschland. "Die Neuzulassungen von Caravans legten in der ersten Jahreshälfte um 10 Prozent zu, die der Reisemobile sogar um über 23 Prozent", sagt Jost Krüger, Leiter Referat Technik und Umwelt des Caravaning Industrie Verbands (CIVD) mit Sitz in Frankfurt. Er geht davon aus, dass das Jahr 2016 bei Reisemobilen das mittlerweile sechste Rekordjahr in Folge wird. Doch dass von dem Aufschwung auch junge Firmen profitieren, glaubt Krüger nicht. "Von neuen Herstellern gehen wir nicht aus, allenfalls werden etablierte Hersteller neue Marken herausbringen."


In China Preis geholt

"Nach unserer Einschätzung dürften sich Startups eher im Bereich der Beratung ansiedeln als bei der sehr kapitalintensiven Fahrzeugfertigung", schätzt Krüger ein. Spezial- und Sonderanfertigungen dürften mehr im Fokus von Startups der Caravaningbranche liegen als Serienprodukte. Genau das hat Mario Volklandt vor. Krüger lobt die zumeist breit gefächerte und sehr profunde Branchenkenntnis junger Startups. Er schränkt aber auch ein: Einen besonders ausgeprägten Bedarf an Beratungsangeboten erkenne der Verband derzeit nicht.

Mario Volklandt lässt sich dadurch nicht beirren: Sein Betrieb in Oberzell soll weiter wachsen. Noch aber greift er gelegentlich auf zwei Holztechniker aus der Volklandt GmbH oder bis zu vier externe Konstrukteure zurück. "Jürgen Stelzner und ich haben über die Jahre ein gutes Netzwerk aufgebaut, sodass wir auch zwei gute Designer an der Hand haben", erklärt Volklandt.

Einen ersten Erfolg hat das junge Unternehmen bereits verzeichnet. Auf einer Messe in China ist ein Caravan ausgezeichnet worden, den Volklandt und seine Mannschaft für einen Hersteller dort entwickelt haben. Mario Volklandt behält sich die Exklusivproduktion einiger Komponenten für den chinesischen Wohnwagen vor.


Firmensitz auf dem Land

Dass eines der Konzepte der Volklandt GmbH für eine mobile Sanitätsstation Patentstatus erreichen könnte, ermutigt ihn ebenso. Die Mockups, also die 1:1-Modelle für seine Fahrzeuge, in denen beim Durchgehen erfahrbar wird, wo bei Möbeln etwas stören könnte, fertigt er in Altengronau. "Dass wir unseren Sitz haben, wo wir ihn haben, hat Vorteile", sagt Volklandt und präzisiert: "Wenn Händler bei den Herstellern etwa Prototypen sehen, schieben sie Bestellungen schon mal auf und warten auf Neuheiten."
Der Firmensitz auf dem Land muss bei der Akquise namhafter Auftraggeber auch nicht von Nachteil sein. Für Bavaria-Yacht fertigt die Volklandt GmbH Komponenten. Und jüngst haben der Zeitlofser, der selbst den Sportboot-Führerschein macht, und sein Team in Oberzell Musterstühle und -couches für die Meyer Werft in Papenburg angefertigt.
Andreas Ungermann und Ulrike Müller


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