Volkers
Gemeinschaftsunterkunft

Volkers: Routine im Flüchtlingsalltag

Im Raum Bad Brückenau leben aktuell noch 146 Geflüchtete, allein 70 davon in der Gemeinschaftunterkunft in Volkers. Ein Besuch im Flüchtlingsalltag.
Artikel drucken Artikel einbetten
Papa Ahmad würde gern mit seiner Familie die Gemeinschaftsunterkunft in Volkers verlassen. Die beiden Jungen Zied und Mosa (von links) bekommen bald ein kleines Schwesterchen. Sie wird in wenigen Wochen geboren werden. Foto: Ulrike Müller
Papa Ahmad würde gern mit seiner Familie die Gemeinschaftsunterkunft in Volkers verlassen. Die beiden Jungen Zied und Mosa (von links) bekommen bald ein kleines Schwesterchen. Sie wird in wenigen Wochen geboren werden. Foto: Ulrike Müller
Die Schaukel quietscht etwas. Mosa und Zied stört es nicht. Die beiden Brüder leben in der Gemeinschaftsunterkunft in Volkers. Ihr Vater, der 28-jährige Ahmad, hat die Familie aus der syrischen Stadt Homs nach Deutschland gebracht. Seine Frau Nagam ist mit dem dritten Kind schwanger. "Es wird ein Mädchen", verrät Ahmad in gebrochenem Deutsch. Und: "Wir suchen seit sechs Monaten eine Wohnung in Bad Kissingen oder Hammelburg."

Im Gemeinschaftsraum der Unterkunft hängen Listen mit Wohnungsangeboten. Auch ein Überblick über die Dublin-Verordnung, mit der die EU die Verteilung von Flüchtlingen regelt, klebt in mehreren Sprachen an der Wand. Weil aktuell mehrere Zimmer renoviert werden, fällt die Belegung nicht so hoch aus wie sonst (Überblick über die Belegung weiter unten). Routine ist im Flüchtlingsalltag eingekehrt, Abläufe haben sich eingespielt und diejenigen, die länger in Volkers leben, helfen den Neuankömmlingen.


Sprachunterricht langsam ausgelaufen

An das Bild wartender Menschen an der Bushaltestelle nach Volkers haben sich Einheimische gewöhnt. Fast schon scheint die Unterkunft auf dem Berg in Vergessenheit zu geraten. "Es kommen nach wie vor Menschen nach Deutschland", macht Daniela Schad, Flüchtlingsberaterin des Caritasverbands im Landkreis Bad Kissingen, klar. "Über Ostern wurden an einem Wochenende 8000 Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet. Die kommen auch irgendwann hier an, wenn auch nicht mehr so viele wie noch 2015."

Viele Flüchtlinge sind inzwischen ausgezogen. Vom Balkan sei nur noch eine Person im Haus, aktuell würden Ukrainer in Ingolstadt gesammelt, gibt Schad einen Überblick. Die Neuankömmlinge stammten aus Somalia, Nigeria oder Uganda, auch Afghanen und Tschetschenier seien darunter. Aus Syrien kämen nach wie vor etliche Menschen. Fünf Babys und zwei Schwangere gehörten zu ihren Schützlingen.


Nächstes Helfertreffen am 4. Mai

Der Deutschunterricht, den Helfer anfangs sogar fünfmal pro Woche gegeben hatten, ist inzwischen ausgelaufen. Der Bedarf sei nicht mehr so groß wie noch am Anfang, sagt Schad. "Eine große Gruppe kriegen wird nicht mehr zusammen." Denn mittlerweile sind verschiedene andere Programme angelaufen: Die Flüchtlinge fahren zu Integrationskursen nach Bad Kissingen oder Fulda, "weil da die Busverbindung besser ist", offizielle Sprachkurse auf unterschiedlichem Niveau und Maßnahmen der Agentur für Arbeit werden angeboten.

"Die klassischen Absitzer haben wir meiner Einschätzung nach gar nicht mehr im Haus", schildert Schad. Vor allem Mütter und ältere Bewohner blieben aber tagsüber in der Unterkunft. Eines ist Daniela Schad wichtig: "Die Anbindung an deutsche Strukturen, zum Beispiel im Vereinsleben, wäre wichtig. Das gelingt nur in Einzelfällen."

Weil sich zwei Babys in Volkers angekündigt haben, werden Babybekleidung und zwei Kinderwagen gebraucht. Sie können bei Daniela Schad in der Gemeinschaftsunterkunft abgegeben werden. Das nächste Treffen der Ehrenamtlichen findet am Donnerstag, 4. Mai, um 17 Uhr in der Gemeinschaftsunterkunft in Volkers statt.


Überblick über Flüchtlinge im Raum Bad Brückenau:

Gemeinschaftsunterkunft Eine Kapazität von 100 Plätzen bietet die Gemeinschaftsunterkunft in Volkers, davon sind 70 belegt. 49 Bewohner warten noch auf die Entscheidung ihres Asylverfahrens, 21 sind bereits anerkannt worden und bleiben noch so lange in der Unterkunft, bis sie eine eigene Wohnung gefunden haben. Im Gegensatz zu dezentralen Unterkünften sind Gemeinschaftsunterkünfte langfristig angemietet worden. Im Fall von Volkers hat der Freistaat Bayern einen Mietvertrag bis zum Jahr 2024 geschlossen.

Dezentrale Unterkünfte Von sieben dezentralen Unterkünften im Altlandkreis Bad Brückenau wurden die Einrichtungen in Wernarz, Roßbach und Schondra (hier lebt noch eine Familie bis zu ihrer Ausreise) inzwischen geschlossen. Vier Unterkünfte sind noch in Betrieb, das sind Motten (22 Bewohner), Riedenberg (19), Wildflecken (12) und Zeitlofs (13). Insgesamt leben in den dezentralen Unterkünften 32 anerkannte Flüchtlinge, die eigenen Wohnraum suchen.

Jugendliche Darüber hinaus betreibt die Arbeiterwohlfahrt in Bad Brückenau eine Wohngruppe für minderjährige Flüchtlinge, die ohne Eltern nach Deutschland gekommen sind. Dort leben zur Zeit zehn Jugendliche.
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren