Speicherz
Gedruckt

Viel Spaß an Werbergs Chronik

Eine Menge Recherchearbeit, Wissen und andere Mühen steckten Matthias Elm, Walter Kömpel und Karl Hahn in ein Werk über das abgesiedelte Werberg.
Artikel drucken Artikel einbetten
Karl Hahn, Matthias Elm und Walter Kömpel sind stolz über ihr Gemeinschaftwerk. Die Chronik von Werberg liegt in 250 Stück hoher Auflage vor. Foto: Stephanie Elm
Karl Hahn, Matthias Elm und Walter Kömpel sind stolz über ihr Gemeinschaftwerk. Die Chronik von Werberg liegt in 250 Stück hoher Auflage vor. Foto: Stephanie Elm
+2 Bilder
Zum einen ist es quasi sein Nachbarort, zum anderen haben Matthias Elm aus Speicherz die Erzählungen vieler ehemaliger Werberger über den abgesiedelten Ort im heutigen Truppenübungsplatz fasziniert. Da es über Werberg noch keine Chronik gab, lag es für den Heimatforscher nahe, eine solche zu schreiben. Mit Walter Kömpel und Karl Hahn folgte eine enge Zusammenarbeit, bevor alle drei über das Gemeinschaftswerk sagen konnten: "Doch, wir sind schon ein bisschen stolz."

Die zirka 1000 Stunden zeitlicher Aufwand sind nur eine vage Schätzung. "Gezählt habe ich nicht, Heimatforschung ist ja mein Hobby" - seit über 20 Jahren hat sich Matthias Elm der Geschichte der Region verschrieben. Das Faszinierende ist immer wieder das Zusammentragen der Daten und "zu sehen, was es an interessanten Punkten über einen Ort gibt". Die Arbeit beginnt dann erst beim Schreiben: "Ich bin kein Schriftsteller", sagt Elm. Jedes Wort und jeder Zusammenhang muss noch einmal überprüft, eventuelle Lücken müssen neu recherchiert werden. Archivsuche ist der mit Abstand zeitaufwendigste Part.

Zwar hatte der Speicherzer im Laufe der Jahre bereits eine beachtenswerte Sammlung an Daten, Bildern und Erzählungen über verschiedene Orte im näheren Umkreis zusammengetragen, doch: "Man kann nicht alles im Vorfeld abklären". Hilfreich war, dass mittlerweile manche Archive "sehr gute Online-Recherche anbieten." Getrübt wurde die Sammel- und Rechercheleidenschaft jedoch, weil "so viele Quellen, wie zum Beispiel die Pfarrarchive, nicht zugänglich sind", sagt Elm.


Bauern und scharfe Munition

Detailliert geht er auf die geschichtliche Entwicklung Werbergs mit den politischen und territorialen Gegebenheiten von der urkundlichen Ersterwähnung bis zur letzten Absiedlung ein. So klagte der Briefträger über eine tägliche Arbeitszeit von zehneinhalb Stunden, bis er auf seiner fast 20 Kilometer langen Route alle Postsendungen zugestellt hatte. "Lebensgefährlich" sei die Arbeit, besonders bei Schnee und Eis. Aber auch die Werberger Bauern ahatten nichts zu lachen. Oberhalb ihrer Felder befand sich ab 1951 bereits der Truppenübungsplatz, wo mit scharfer Munition geschossen wurde. "Auswandern!" - hat sich da wohl auch der eine oder andere Werberger gedacht und ein besseres Leben in Übersee gesucht.

Über sein Spezialgebiet Auswanderung hat Walter Kömpel ein Kapitel beigesteuert. Die Bedingungen für eine auskömmliche Landwirtschaft waren in der kargen Rhön zu schlecht. Seit den 1990er Jahren beschäftigt er sich mit dem Thema. Für die Werberger Chronik "musste ich nur die Schreibtischschublade aufmachen", betont er. Neben der Suche in Intelligenzblättern, Kirchenbüchern und Registern entstanden über die Jahre hinweg viele persönliche Kontakte zu Nachkommen von Auswanderern in die USA.


Erfahrener Layouter

Sehr wertvolle Quellen erschlossen sich auch Matthias Elm aus vielen neuen Bekanntschaften. Sein Anliegen zog weitere Kreise und erreichte ehemalige Werberger in ganz Deutschland. Ein großes Glück war es, dass ein erfahrender Layouter fast vor Ort war. Mit Karl Hahn entwickelte sich schnell eine enge Zusammenarbeit. Der Wahl-Brückenauer ist gelernter Schriftsetzer und Mediengestalter, der im Laufe der Zeit den Beruf zu seinem Hobby gemacht hat. Mit einem reichen Erfahrungsschatz war er für das Layout nicht wegzudenken, unterstreicht aber selbst: "Ich bin nur der Techniker im Hintergrund."

Zwischen den Feinheiten der Mikro- und Makrotypographie, den Tücken der Interpunktion und dem Nachbearbeiten von Bildern steckte Hahn viel Liebe ins Detail. Herzblut steckt also im Buch, aber auch Herzrasen. Dies stellte sich ein, als der Raster-Image-Processor der Druckerei Probleme mit einer Schriftart meldete und der Verlag den einwandfreien Druck nicht gewährleisten konnte.


Viel schöner als am PC

Als sie schließlich das gedruckte Werk in Händen hielten, sahen sie, dass in der Real-Version ein Buch doch "viel schöner als am PC", ist Hahn überzeugt.

Unersetzlich war auch jemand, der gar nicht genannt werden möchte. Mit Stephan von Minden aus München hat Matthias Elm einen erfahrenen und gewissenhaften Lektor gefunden. Alle Beteiligten sind sich sicher, es hat sich gelohnt, oder, um mit den Worten von Karl Hahn zu schließen: "In erster Linie hatten wir Spaß an der Arbeit."

Chronik: Die Chronik "Werberg - Was bleibt, ist die Erinnerung" (335 Seiten, über 500 Abbildungen, davon circa 200 Farbbilder) ist ab sofort direkt über Matthias Elm zu beziehen, Tel.: 09748/1223, oder Matthias-Elm@gmx.de, sowie über die Gemeindeverwaltungen in Motten und Wildflecken. Beim Werberger Treffen am 24. Juni kann die Chronik ebenfalls zum Selbstkostenpreis von 22 Euro erworben werden.

Geschichte von Werberg in Auszügen : Erstmals gesichert urkundlich erwähnt wurde Werberg 1327. Bereits im 10./11. Jahrhundert waren entlang der fuldisch-würzburgischen Grenze Befestigungsanlagen errichtet worden, eine davon war die Burg Werberg. 1444 wird die Burganlage durch würzburgische Truppen zerstört. 1782 wurde das erste Schulhaus errichtet, in dem ab 1947 die Ordensschwestern lebten und arbeiteten. Wegen der Streitigkeiten um das Nutzungsrecht der Kothener Kirche drängten die Werberger auf eine eigene Kirche. 1853 war diese fertiggestellt.

Absiedelung: Die erste Absiedlung erfolgte 1937/1938 wegen der Errichtung des Truppenübungsplatzes. Während des Zweiten Weltkriegs wurden in den Werberger Häusern Soldaten untergebracht, ab 1942 war der Ort ein Wehrertüchtigungslager. 1946 wurde Werberg von der US-Militärregierung zur Wiederbesiedlung freigegeben. Noch im selben Jahr wurden dort Heimatvertriebene angesiedelt, aber auch einige ehemalige Werberger fanden ihre alte Heimat wieder. 1952 fiel ein Teil der Werberger Gemarkung dem Truppenübungsplatz zu, die ersten Werberger verließen das Dorf wieder. Auf Grund von Häusersanierungen 1953, dem Bau neuer Straßen 1955 und einer neuen Straßenbeleuchtung 1959 hielten die Werberger eine erneute Absiedlung für unwahrscheinlich. Doch wurde 1961 der Beschluss gefasst. Im Jahr 1966 mussten dann die letzten Werberger das Rhöndorf verlassen. 1973 sprengten Bundeswehr- und US-Soldaten alle noch stehenden Häuser. Entgegen der Zusagen wurden aber auch noch die Kirche und die Schule zerstört.


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren