Bad Brückenau
Sinntalbahn

Vertrag mit Meißner Gleisrückbau geschlossen

Noch ist die Entwidmung der Bahnstrecke der Sinntalbahn nicht rechtskräftig, da schließen die Gemeinden eine Vereinbarung zum Bau eines Radwegs.
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Die Tage der Bahntrasse durch das Sinntal scheinen gezählt: Die Rhönallianz möchte einen Radweg statt Schienen. Foto: Ulrike Müller
Die Tage der Bahntrasse durch das Sinntal scheinen gezählt: Die Rhönallianz möchte einen Radweg statt Schienen. Foto: Ulrike Müller
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Mit einem notariell beglaubigten Vertrag haben die vier Gemeinden Zeitlofs, Bad Brückenau, Riedenberg und Wildflecken den Kauf und die Übergabe eines Radwegs mit der Firma Meißner Gleisrückbau aus Dörzbach, Baden-Württemberg, vereinbart. Die Fertigstellung ist schon für das kommende Jahr geplant. "Es ist seit vielen Jahren klar, dass die Kommunen die Entwidmung wollen", sagte Landrat Thomas Bold (CSU) beim Pressetermin.


Klagebegründung steht noch aus

Und doch, die Gesichter könnten glücklicher aussehen. Ein Wermutstropfen mischt sich in den Optimismus, denn noch ist die Entwidmung der Bahnstrecke nicht rechtskräftig. Hubert Teichmann, Geschäftsführer der Staudenbahn, hatte vor dem Verwaltungsgericht Würzburg geklagt. Doch weder eine Begründung der Klage noch deren Zurücknahme seien bisher eingegangen, teilt Susanne Horas, Pressesprecherin am Verwaltungsgericht, mit. Ersteres sei "längst überfällig".

"Aus unserer Sicht macht es keinen Sinn, noch länger zu warten", begründet Uwe Schmidt, Manager der Rhönallianz, den eiligen Vertragsabschluss. "Die Strecke ist verkauft. Wir wollen keine Zeit mehr verlieren und die Planungen vorantreiben." Für die Umsetzung des Radwegs ist Timo Meißner verantwortlich. Schon in diesem Monat möchte er mit dem Freischnitt der Strecke starten.


Fertigstellung 2017 möglich

Dennoch steht alles, was Meißner vorhat, unter Vorbehalt. "Wir müssen den Ausgang der Klage und das Ergebnis der Artenschutzprüfung abwarten", stellt er klar. Lena Pfister, Pressesprecherin am Landratsamt, rechnet damit, dass die Artenschutzprüfung schon nächste Woche abgeschlossen sein wird. Dass Meißner so bald wie möglich mit dem Rückbau der Schienen anfangen möchte, daran lässt er keinen Zweifel aufkommen. "Wir haben das finanziell vorgestreckt", sagt er über den Kauf der Strecke, "wir haben ein Interesse daran, den Radweg zu bauen."

Sobald der Radweg fertig ist, möchten die anliegenden Gemeinden die Abschnitte von Meißner kaufen. Es wird ein drei Meter breiter Weg werden, der Schotter wird noch auf der Trasse zerkleinert und zu einer wassergebundenen Oberfläche weiterverarbeitet. Nur im Wasserschutzgebiet zwischen Römershag und Riedenberg sowie an zwei Stellen im Bereich Wildflecken wird auf einer Strecke von insgesamt rund sechs Kilometern Asphalt aufgebracht. Drei Monate rechnet Meißner für den Rückbau der Gleise, weitere drei Monate für den Bau des Radwegs, wobei gut möglich sein könne, dass dazwischen aus Gründen des Naturschutzes eine Pause eingelegt werden müsse.


Hessischer Nachbar unschlüssig

Die hessische Nachbargemeinde Sinntal ist noch nicht so weit. Für den dortigen Streckenabschnitt laufe gerade noch das Entwidmungsverfahren beim Eisenbahnbundesamt, berichtet Hauptamtsleiter Eckart Michna. Zudem hebt er hervor: "Gegenwärtig gibt es von Seiten der Gemeinde Sinntal keine konkrete Absicht, dem Vorhaben der bayerischen Gemeinden zu folgen, da weitgehend parallel zur Bahnstrecke bereits Radwege verlaufen."

Mit der Firma Meißner befinde sich die Gemeinde aber in Abstimmung über den Erwerb von Flächen der Bahnstrecke, sollte auf hessischem Gebiet die Entwidmung erfolgen und der Gleisrückau durchgeführt sein, sagt Michna weiter. "Womöglich bietet sich zur Schließung von Lücken beziehungsweise dem Bau von Querverbindungen im Radwegenetz auch auf Sinntaler Gebiet ein Radwegbau an."


Das kostet der Radweg die Gemeinden an der Bahnstrecke:

Strecke Die Strecke der ehemaligen Sinntalbahn ist etwas mehr als 30 Kilometer lang und führt vom hessischen Jossa bis hinauf zum Arnsberg bei Wildflecken.

Zeitlofs 7,8 Kilometer Trasse befinden sich auf Zeitlofser Gemarkung. Für den Erwerb der Grundstücke inklusive Radweg rechnet die Rhönallianz mit Kosten von rund 192.000 Euro. Hinweis: Bei den Kosten für die Gemeinden ist der anteilige Zuschuss des Landkreises Bad Kissingen bereits berücksichtigt.

Bad Brückenau Der größte Streckenabschnitt liegt mit 9,4 Kilometern im Gebiet der Stadt Bad Brückenau. Kosten von rund 222.000 Euro werden veranschlagt. Der Kauf des Geländes um den Bahnhof ist nicht dabei.

Riedenberg Der mit 3,5 Kilometern kürzeste Abschnitt betrifft Riedenberg. Der Erwerb der Grundstücke mitsamt Radweg würde wohl 84.000 Euro kosten.

Wildflecken Für eine Strecke von 5,5 Kilometer kommen auf den Markt Wildflecken Kosten von etwa 163.000 Euro zu.

Sinntal Auf hessischer Seite könnten die übrigen knapp fünf Kilometer ebenfalls als Radweg ausgebaut werden. Die Gemeinde Sinntal hält sich zurück, da das Entwidmungsverfahren der Bahnstrecke auf hessischem Gebiet noch läuft.

Förderung Der Landkreis Bad Kissingen hat eine Förderung des Rhön-Sinntal-Radwegs in Höhe von 258.000 Euro zugesagt. Alle naturschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen übernimmt der Landkreis (rund 70.000 Euro), dasselbe gilt für die Beschilderung (rund 3000 Euro). Die restlichen 185.000 Euro werden als Zuschuss für den Radwegebau auf die anliegenden Gemeinden verteilt.


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