Bad Brückenau
Netzausbau

Südlink: Widerspruch der Kritiker

Es ist auch dem Protest aus der Rhön zu verdanken, dass die Stromtrasse Südlink nun unter die Erde kommt. Doch noch immer schweigen die Kritiker nicht.
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Erdkabel statt gewaltiger Masten überall im Land, so soll der Ausbau der Stromnetze für die Energiewende gelingen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Erdkabel statt gewaltiger Masten überall im Land, so soll der Ausbau der Stromnetze für die Energiewende gelingen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
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Eines schickt Ingo Queck voraus. "Wir finden die Entscheidung gut, Erdkabel statt Freileitungen zu verlegen." Dann folgt das Aber. "Die Marschrichtung bleibt mit oder ohne Erdkabel die falsche." Queck ist Vorsitzender der Ortsgruppe Bad Brückenau vom Bund Naturschutz (BUND) und ebenfalls einer der beiden Vorsitzenden der Bürgerinitiative (BI) "Sinntal gegen die Stromtrasse". Die Info-Veranstaltung des Netzbetreibers Tennet in Oberthulba am Donnerstag, 27. Oktober, wollen weder BI noch BUND boykottieren. "Diese Leute machen ihre Jobs auf der Grundlage eines gesetzlichen Auftrags", stellt Franz Zang, Vorsitzender der BUND-Kreisgruppe Bad Kissingen klar. Den Vertretern des Netzbetreibers attestiert er einen "respektvollen Umgang" mit Südlink-Gegnern.

Die Kritik richtet sich also nicht gegen Tennet. Sie ist grundsätzlicher Natur. Die Energiewende, so wie sie jetzt vorangetrieben werde, konterkariere sich selbst, sagen Queck und Zang. Anstatt den Ausstoß an Kohlendioxid zu senken, würden neue Kohlekraftwerke gebaut. Die Erforschung alternativer Energiespeicher, etwa durch Verfahren wie Power-to-Gas, müsste stärker vorangetrieben werden. Die Fokussierung auf den Ausbau des Stromnetzes vernachlässige den ebenfalls hohen Energiebedarf zum Heizen. Vor allem aber gerate in Europa zunehmend die dezentrale Energieversorgung aus dem Blick.


"Wo bleibt die Region?"

Keines dieser Argumente ist neu, jedes einzelne wurde beim Energiedialog des Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Energie vor zwei Jahren ausführlich besprochen. Nach der Entscheidung im Sommer 2015, die umstrittenen Stromtrassen unter die Erde zu legen, seien viele gute Ideen nicht weiter verfolgt worden, kritisiert Zang. Seine Kernfrage lautet: "Wo bleibt die Region?"

Den Kritikern geht es um mehr als pauschale Politkerschelte. Sie wollen die Energiewende nicht großen Konzernen überlassen und hinterfragen die Idee eines europäischen Energiemarktes, bei dem beispielsweise Windenergie aus England, Kohlestrom aus Polen, Wasserkraft aus Skandinavien und Solarenergie aus den südlichen Ländern eingespeist werden. Dann fällt dieser leicht absurde Satz. "Der billigste Strom ist nicht der günstigste", sagt Zang.


Folgekosten fallen unter den Tisch

Er kritisiert scharf, dass Folgekosten wie die großflächige Umweltzerstörung in Steinkohle-Abbaugebieten wie West Virginia in den USA oder die Entsorgung von Atommüll bei den Strompreisen schlicht nicht berücksichtigt würden. Für ihn ist nicht nachvollziehbar, dass herkömmliche Energieerzeugung durch Kohle- oder Atomkraftwerke von etlichen Staaten der Europäischen Union immer noch subventioniert werden. "Warum soll ich nicht an ein Europa glauben, in dem viele Menschen Energieerzeuger sind - egal ob mit Photovoltaik, Windkraft oder Blockheizkraftwerken?", beschreibt Franz Zang seine Vorstellung einer "echten" Energiewende.

Jochen Vogel, Vorsitzender der größten regionalen Initiative "Rhönlink", kann diese Thesen nur teilweise nachvollziehen. "Welcher Staat was für Kraftwerke subventioniert, entzieht sich meiner Kenntnis", weist er darauf hin, dass bei der Energiewende viele Stimmen mitreden. Als Vertreter der Rhön war Vogel beim Bayerischen Energiedialog dabei. "Ich akzeptiere, dass man politisch den Bau des Südlinks beschlossen hat", warnt er davor, sich in Grundsatzkritik zu verlieren. Wichtig sei nun, genau hinzuschauen, wo der Landkreis von den Trassenvorschlägen für die Erdverkabelung betroffen ist, und konstruktiv Einwände vorzubringen. Ende September hat der Netzbetreiber Tennet detailliertes Kartenmaterialveröffentlicht.


Termin Am Donnerstag, 27. Oktober, hält Netzbetreiber Tennet ein Info-Forum zur Erdverkabelung von Südlink im Landkreis Bad Kissingen ab. Die Veranstaltung beginnt um 17 Uhr in der Mehrzweckhalle Oberthulba.
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