Staatsbad Bad Brückenau
Sommerinterview

Staatsbad Bad Brückenau will weiter wachsen

Die Schönheit des Staatsbades Bad Brückenau hat sich herumgesprochen. Jedes Jahr strömen viele Gäste hierher. Dabei könnte das Staatsbad durchaus noch eine Expansion vertragen, sagt Kurdirektorin Andrea Schallenkammer.
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Sommerinterview: Kurdirektorin Andrea Schallenkammer im Gespräch mit Redakteurin Ulrike Müller. Foto: Benedikt Borst
Sommerinterview: Kurdirektorin Andrea Schallenkammer im Gespräch mit Redakteurin Ulrike Müller. Foto: Benedikt Borst
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Andrea Schallenkammer ist schon 21 Jahre im Staatsbad Bad Brückenau: von 1988 bis 1995 als stellvertretende Kurdirektorin, seit 2001 führt sie die Regie über den Betrieb - im Auftrag vom Freistaats Bayern, dem die Anlage gehört. Die 51-Jährige aus dem Raum Hammelburg spricht mit der Saale-Zeitung über Pferdeäpfel im Schlosspark, Parkplatzmangel am Bellevue und darüber, wie lange sie den Job noch machen will.



Frau Schallenkammer, was ist ihr Lieblingsplätzchen im Staatsbad?
Andrea Schallenkammer: Es gibt viele lauschige Plätze im Schlosspark. Die ersten Schneeglöckchen kommen am Laubengang aus Linden. Den Ort liebe ich sehr... aber auch die Aussicht vom Fürstenhof oder das Sonnen-Plateau an der Wandelhalle mag ich.

Vor kurzem ist am Kursaal ein Spielplatz gebaut worden. War es nicht längst überfällig, für Kinder einen Platz zu schaffen?
Der Spielplatz war schon immer da, allerdings nicht in so gutem Zustand. Bisher hatten wir die Zielgruppe der Kinder weniger im Blick, da uns das entsprechende Angebot fehlte.

Sie sagen ,bisher'. Wie kommt es, dass Familien stärker in den Fokus gerückt sind?
Ohne bewusst übermäßig für diese Zielgruppen zu werben, ist das Staatsbad zu einem Ort für Familientreffen und Hochzeitsfeiern geworden. Wir liegen in der Mitte Deutschlands, das ist für die Anreise natürlich günstig.

Wenn nun die Großeltern mit Kindern und Enkeln speisen, zum Beispiel im Bellevue, müssen sie mit dem Rollator erst die halbe Anlage durchqueren. Die Parkplatz-Situation ist katastrophal.
Die Situation ist wirklich nicht ideal. Wir wollen ja 17 neue Parkplätze seitlich der Straße bauen. Die Baugenehmigung ist schon im Hause. Jetzt geht's nur noch um Grundstücksverhandlungen. Die Gespräche führen aber nicht wir, sondern die Immobilien Freistaat Bayern.

Seitlich der Straße? Ist das nicht gefährlich?
Sie haben Recht. Schon jetzt ist vor allem das Ausparken nicht ganz ungefährlich. Wir wollen aber den Winkel so verändern, dass das Ausparken in Zukunft etwas leichter wird. Außerdem wollen wir die Beleuchtung verbessern. Ich bin da optimistisch.

Und wann geht's los?
Ich gehe davon aus, dass wir noch in diesem Jahr anfangen mit bauen.

Nachdem die Kutschfahrten von der Stadt ins Staatsbad nicht mehr angeboten werden, kam die Idee auf, wenigstens innerhalb des Staatsbades Fahrten zu organisieren. Warum lehnen Sie das ab?
Es geht nicht nur um die Pferdeäpfel im Schlosspark. Wir dürfen das schlicht nicht. Die gesamte Anlage liegt ja im Heilquellenschutzgebiet. Eine Anfrage gab es aber auch noch nicht, vielleicht ließe sich eine Lösung im Außenbereich finden.

In Bad Kissingen fahren doch aber auch Kutschen...
Sicherlich auch nicht in direkter Nähe der Heilquellen, im engsten Heilquellenschutzgebiet.

Unlängst hat ein Kurgast ins Gespräch gebracht, das Bähnle zwischen Stadt und Staatsbad wieder in Betrieb zunehmen. Was spricht dagegen?
Dagegen spricht, dass die Strecke noch nie bis ins Staatsbad geführt hat... Ich denke, das Thema aufzuwärmen, bringt nichts. Mir ist eine Lösung für eine andere Bahn viel wichtiger.

Die Sinntalbahn. Befürworten Sie eine Reaktivierung?
Ganz im Gegenteil. Ich sehe eine Reaktivierung als Hobby einzelner Bahnliebhaber. Professionell wäre, eine Bahn im Stundentakt anzubieten, sieben Tage die Woche. Da wäre ich sofort dabei. Aber das ist wirtschaftlich nicht machbar. Was viel wichtiger ist, dass endlich ein Radweg auf die Trasse kommt, damit wir an den Fahrradweg nach Gemünden angebunden sind. Dann könnten Touristen bis hoch zum Kreuzberg radeln. Der Radweg ist extrem wichtig für die Region. Ich erwarte einen Anstieg der Gästezahlen um etwa zehn Prozent, allein für das Staatsbad.

Ist ein Nebeneinander von Rad und Bahn für Sie eine Option?
Nein. Wir haben mit dem ICE-Bahnhof in Fulda einen Knotenpunkt quasi vor der Tür. Da kann man die Leute doch nicht über Jossa schicken... Das ist auch nicht professionell.

Sie begleiten das Staatsbad schon etliche Jahre. Welche Veränderungen waren schmerzhaft?
Der Abriss des Kurmittelhauses. Der Weg war nicht einfach, aber richtig.

Und welche Entwicklung freut Sie besonders?
Mich freut vieles, das Bayerische Kammerorchester zum Beispiel. Das Orchester ist seit 2003 bei uns und ich muss sagen: Das hat unsere Kulturszene extrem bereichert. Und damit meine ich den Gesamtort. Das hätten wir allein niemals geschafft. Die großen Konzerte haben sogar Wartelisten, es ist einfach bereichernd und wunderschön.

Wo wollen Sie mit dem Staatsbad noch hin?
Das Staatsbad könnte durchaus noch eine Expansion vertragen. 200 Betten mehr wären bei der Infrastruktur, die wir haben, gut möglich, ohne das Bild der Ruhe zu gefährden. Ich stelle mir etwas in der gehobenen Kategorie vor, vielleicht eine Privatklinik.

Wie realistisch ist das?
Das ist im Moment ein Tagtraum, leider. Aber wir arbeiten dran.

Jetzt machen Sie den Job ja schon eine Weile... genau genommen seit 14 Jahren. Wie lange bleiben Sie noch?
Ich habe nicht vor, mich zu verändern, jetzt bin ich so lange schon da und sehe inzwischen schon die Ernte unserer konsequenten Arbeit. Das macht Spaß und ich fühle mich sehr wohl.


Das Gespräch führte Ulrike Müller.

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