Bad Brückenau
Politik

Sinntalbahn wird Thema im bayerischen Landtag

Die Grünen setzen sich für den Erhalt der Bahnstrecke zwischen Jossa und Wildflecken ein. Ein entsprechender Antrag liegt dem Wirtschaftsausschuss des Landtags vor. Bei den betroffenen Kommunen sorgt der Vorstoß für Irritationen.
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Die betroffenen Bürgermeister Brigitte Meyerdierks (Bad Brückenau), Gerd Kleinhenz (Wildflecken), Roland Römmelt (Riedenberg) und Wilhelm Friedrich (Zeitlofs) sagen Nein zum Antrag der Grünen. Foto: Ulrike Müller
Die betroffenen Bürgermeister Brigitte Meyerdierks (Bad Brückenau), Gerd Kleinhenz (Wildflecken), Roland Römmelt (Riedenberg) und Wilhelm Friedrich (Zeitlofs) sagen Nein zum Antrag der Grünen. Foto: Ulrike Müller
Der schier unendlichen Geschichte der Sinntalbahn wird in diesen Tagen ein neues Kapitel hinzugefügt. Anlass ist ein Antrag der Grünen, der am Donnerstag, 5. März, im Wirtschaftsausschuss des bayerischen Landtags diskutiert werden wird. Eingebracht hat ihn Markus Ganserer, verkehrspolitischer Sprecher der Landtagsfraktion der Grünen.

"Nur weil die Verhandlungen zwischen der Hessisch-Bayerischen Sinntal-Kreuzbergbahn und der DB Netz AG gescheitert sind, heißt das nicht, dass die Strecke kein Potenzial für eine Reaktivierung hätte", erklärt Ganserer. Deshalb fordert er den Landtag dazu auf, den Rückbau der Bahnstrecke zu verhindern. Denn: "Mit dem Abbau der Schieneninfrastruktur würde ein weiterer Anlauf zur Reaktivierung absolut unmöglich gemacht." Zudem habe sich der Freistaat Bayern in seinem Landesentwicklungsprogramm selbst zum Ziel gesetzt, die Stilllegung und den Rückbau von bestehender Schieneninfrastruktur zu vermeiden.

Kommunen befürworten Radweg

Bei den betroffenen Bürgermeistern der Brückenauer Rhönallianz stößt der Vorstoß auf Unverständnis. "Ich weiß gar nicht, was das jetzt soll", sagt Wilhelm Friedrich (CSU). Der Bürgermeister von Zeitlofs setzt sich seit Jahren für einen Radweg auf der Bahntrasse ein.

Die Bürgermeister des oberen Sinngrunds unterstützen Friedrich. "Alle vier Kommunen haben sich beim Eisenbahn-Bundesamt für den Rückbau ausgesprochen", berichtet Gerd Kleinhenz (PWG), Bürgermeister in Wildflecken, und sein Kollege Roland Römmelt (CSU) aus Riedenberg ergänzt: "Das behindert uns bei Baumaßnahmen, zum Beispiel bei Straßen- oder Kanalsanierungen."

Bund Naturschutz für den Erhalt

"Die ganze Region steht hinter dem Radweg, bis auf wenige Ausnahmen", berichtet Brigitte Meyerdierks (CSU), Bürgermeisterin von Bad Brückenau und Sprecherin der Rhönallianz. Eine dieser Ausnahmen ist der Bund Naturschutz. "Wir sind nach wie vor für den Erhalt der Sinntalbahn", sagt Franz Zang, Vorsitzender der Kreisgruppe Bad Kissingen.

Franz Zang sieht in einer Reaktivierung einen klaren Standortvorteil der Region, was den Tourismus angeht. Zudem sei es ein Beitrag für den Umweltschutz, wenn die Schüler statt mit dem Bus mit der Bahn fahren würden. Er könne sich ein Modellprojekt in Nordbayern vorstellen, sagt Zang und schränkt seine Aussage sofort ein: "Wenn der politische Wille besteht..."

Das allerdings dürfte schwierig werden, denn die CSU hat im Landtag die Mehrheit. Dieses Verhältnis spiegelt sich auch im Wirtschaftsausschuss wider, der über den Antrag der Grünen entscheidet. "Aus heutige Sicht gibt es keine realistische Perspektive für eine Revitalisierung der Strecke für den Zugverkehr", sagt Sandro Kirchner (CSU). Der Abgeordnete des Wahlkreises Bad Kissingen ist beim Thema Sinntalbahn Berichterstatter seiner Fraktion.

Entscheidung fällt in Nürnberg

Kirchner sieht keine Chance, dass eine nennenswerte Zahl an Fahrgästen für die Sinntalbahn gewonnen werden kann. Auch die Regierung von Unterfranken sah das Konzept der Befürworter einer Reaktivierung als nicht tragfähig an und befürwortete beim Eisenbahn-Bundesamt in Nürnberg den Rückbau. Denn eines ist klar: Egal, wie der Wirtschaftsausschuss am Donnerstag abstimmt, die Entscheidung über die Zukunft der Sinntalbahn fällt nicht nicht in München, sondern in Nürnberg.


Verfahrensstand zum Rückbau der Bahnstrecke Jossa-Wildflecken:

Stilllegung Im Jahr 2005 wird die Strecke zwischen Jossa und Wildflecken stillgelegt. Der Personenverkehr wurde bereits 1988 eingestellt, der Güterverkehr folgte im Jahr 2002.

Anhörungsverfahren 2010 startet die Regierung von Unterfranken ein Anhörungsverfahren. Hintergrund ist, dass die Netz AG der Deutschen Bahn (DB) beim Eisenbahn-Bundesamt einen Antrag auf Rückbau der Schienen gestellt hat.

Reaktivierungspläne Im März 2012 stellt die Regierung das Anhörungsverfahren ruhend, da es Pläne zur Reaktivierung der Sinntalbahn gibt.

Pachtverhandlungen 2014 scheitern die Verhandlungen zwischen dem Förderverein Hessisch-Bayerische Sinntal-Kreuzbergbahn und der DB. Die Regierung von Unterfranken schließt das Anhörungsverfahren ab und spricht sich für einen Rückbau aus.


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