Bad Brückenau
Sinntalbahn

Sinntalbahn: Klage gegen Freistellung

Heute wäre die Freistellung der Bahnstrecke durch das Sinntal rechtskräftig geworden. Doch kurz vor Ablauf der Frist hat die Staudenbahn Klage eingereicht.
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Wunsch vieler Kommunalpolitiker und Bürger: Auf der Bahntrasse soll ein Radweg gebaut werden. Foto: Ulrike Müller
Wunsch vieler Kommunalpolitiker und Bürger: Auf der Bahntrasse soll ein Radweg gebaut werden. Foto: Ulrike Müller
Anfang dieser Woche gingen vier Klagen beim Bayerischen Verwaltungsgericht in Würzburg ein. Vier Klagen deshalb, weil die Bahnbetriebsgesellschaft Stauden mbH mit Sitz in Augsburg jeden einzelnen der vier Freistellungsbescheide des Eisenbahn-Bundesamts für Zeitlofs, Bad Brückenau, Riedenberg und Wildflecken juristisch anfechten will. Die Staudenbahn möchte die Bahnstrecke reaktivieren. Noch seien die Klagen nicht begründet und nötige Behördenunterlagen fehlten noch, teilt Hedda Hetzel, Pressesprecherin am Verwaltungsgericht Würzburg mit. Klar ist, die endgültige Freistellung der Bahnstrecke verzögert sich damit weiter.


Verkaufs-Gespräche weit fortgeschritten

Die Kaufverhandlungen mit dem Interessenten für die Bahnflächen sind indes weit fortgeschritten. Das bestätigt ein Sprecher der Deutschen Bahn. "Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir uns zum Verkauf und zur geplanten Flächennutzung nicht näher äußern", so der Sprecher weiter. Es liege im Ermessen des neuen Besitzers, ob und wann er die Öffentlichkeit über seine Pläne informieren möchte.

In den vergangenen Wochen haben die Gemeinderäten der betroffenen Kommunen bereits viel über die Sinntalbahn gesprochen. Am Dienstag informierte nun auch Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) den Stadtrat. Die Firma Meißner Gleisrückbau wolle die Strecke kaufen, den Stahl abbauen und einen Radweg anlegen. Dies sei wesentlich günstiger, als wenn die Gemeinden selbst den Bau des Radwegs finanzieren müssten. Den fertig gestellten Weg könnten die Gemeinden erwerben. "Das entscheidet jede Kommune für sich", betonte Meyerdierks.


Idee: Draisine von Stadt ins Staatsbad

Als Bonbon verriet Meyerdierks, das Unternehmen plane eine Draisinenstrecke von der Stadt ins Staatsbad, testweise für zwei Jahre. "Ich finde es eine sehr schöne Idee", sagte sie. Radfahrer könnten auf diesem Teilstück auf den bestehenden Radweg ausweichen - oder aber, es werde ein schmalerer Weg neben den Schienen gebaut. "Ich weiß nicht, wie das funktionieren soll", entgegnete Stadtrat Erwin Miller (FB/FDP), der sich vor Jahren schon mal mit Draisinen beschäftigt hatte. Realistisch sei ein Betrieb nur, wenn die Strecke ehrenamtlich betreut würde. Zudem konzentrierten sich die Fahrten auf Wochenenden mit schönem Wetter.

Grundsätzliche Kritik kam von Benjamin Wildenauer (SPD), einem erklärten Befürworter der Reaktivierung der Sinntalbahn: "Es wird von diesem Gremium immer noch verkannt, wie hoch der touristische Nutzen einer Bahnlinie ist." Stattdessen werde ein Radweg befürwortet, der Touristen konsequent an den Ortskernen vorbeiführe. Zudem fragte er nach den Kosten. Adelheid Zimmermann (FB/FDP) griff den Gedanken auf und schlug vor, Radtouristen mit Schildern ganz gezielt in die Innenstadt zu leiten. Florian Wildenauer (SPD) betonte, dass - wenn schon kein Zug mehr fahre - die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr verbessert werden müsse.


Kosten-Berechnung liegt noch nicht vor

Die Frage, wie viel Geld die Stadt in die Hand nehmen müsste, um den Radweg zu kaufen, ließ Meyerdierks offen. Die Verhandlungen dazu führe das Landratsamt, die Berechnung für die jeweiligen Streckenabschnitte liege noch nicht vor. Sie versprach aber, den Stadträten die Zahlen so schnell wie möglich zukommen zu lassen. Vielleicht werde schon in der nächsten Sitzung über die nächsten Schritte entschieden.

Zuletzt stimmte der Stadtrat mit 12:3 Stimmen dem Verkauf der Bahnstrecke nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz zu. Dabei geht es um verschiedene Bahnübergänge im Verantwortungsbereich der Stadt. Einzig Benjamin Wildenauer, Florian Wildenauer und Dirk Stumpe (PWG) stimmten dagegen.


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