Schondra
Kunst

Schondras Malverein will schlummernde Talente wecken

Der Malverein Palette in Schondra wirbt für das Mitmachen. Die Begeisterung der 77-jährigen pensionierten Kunstlehrerin Mathilde Knuchel springt auf ihre Malerinnen über.
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Humor und Selbstkritik kommen nicht zu kurz: Mathilde Knuchel (rechts) gilt als Motor des Vereins Palette. Sie zeigt Julia Ehret und Heidrun Morper einige Tricks. Foto: Wolfgang Dünnebier
Humor und Selbstkritik kommen nicht zu kurz: Mathilde Knuchel (rechts) gilt als Motor des Vereins Palette. Sie zeigt Julia Ehret und Heidrun Morper einige Tricks. Foto: Wolfgang Dünnebier
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"Malen macht glücklich", schwärmt Mathilde Knuchel, und die Kursteilnehmerinnen nicken dazu. Die 77-jährige pensionierte Kunstlehrerin ist der lebendige Beweis für ihre These. Bei den Stunden des Malvereins Palette im Atelier unter dem Rathaus wird viel gelacht.

Obwohl es auch Sorgen gibt. "Wir brauchen dringend Verjüngung", wirbt Knuchel zwischen Schulbänken, Bildern, Farbkästen, Vorlagen und Paletten um neue Interessenten. Ansonsten drohe dem Verein die Auflösung. Seit acht Jahren nutzt der Kreis den hellen Raum unter dem Rathaus. Bis zu 20 Teilnehmer gleichzeitig spürten ihrem malerischen Talent nach. Aktuell sind es etwa zehn, die sich beim Lernen an der Leinwand gegenseitig inspirieren. Wer um die 50 ist, den zählt die Kursleiterin scherzend "zu unserer Jugend".

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Kreativität birgt unabhängig vom Alter so manche Überraschung. "Viele wissen gar nicht, was sie können", hat Knuchel über die Jahre beobachtet. So hat Julia Ehret den Schritt in die Gruppe nie bereut. Mit Eintritt in die Rente hat die 61-Jährige nun Zeit, sich ihren lange verborgenen Talenten zu widmen. "Man hat ja auch Hemmungen", beschreibt sie das Zögern, sich über Bilder zu offenbaren.

Seitdem die Kinder größer sind, schätzt Heidrun Morper den Freiraum im Malatelier. Es sei ja auch spannend zu sehen, was zehn Menschen aus dem gleichen Thema machen. Da gibt es dann genauso viele Interpretationen wie Teilnehmer. Aber es geht ja nicht nur um die Bilder. Die Geselligkeit ist auch ein Pluspunkt beim Malen.
Das Repertoire der bisher umgesetzten Techniken ist groß. Davon künden die reich mit Bildern verzierten Wände. Wochenlang wird an einem Verfahren probiert, bis die Ergebnisse immer besser werden. Vom Zeichnen über das Aquarellieren, Umgang mit Ölfarben, Radieren, bis zum Gestalten von Speckstein und mehr.

Im Sommer meist im Freien

Schön ist es, Bilder mit eigenem Bezug nach Hause zu nehmen. Seien es Äpfel aus dem heimischen Garten, mit der Trockenpinsel-Technik auf Leinwand gebannt, oder die Winterlandschaft vor der eigenen Haustüre. "Im Sommer sind wir fast immer im Freien", freut sich Knuchel über unerschöpfliche Vorlagen für Landschaftsbilder in der Vorrhön. "Jedem liegt nicht alles", dämpft Mathilde Knuchel den Erfolgsdruck. Zur Schaffenskraft der Kurse gibt sie sich bescheidener, als es ein Blick durch das Atelier offenbart. "Wir machen keine Kunst, wir versuchen, Kunst zu verstehen", lässt sie durchblicken.

Männer erwünscht

Dabei scheint das Kunstverständnis überwiegend weiblich. Es dürften ruhig noch mehr Männer über ihren Schatten springen. Manche könnten es wohl nicht ertragen, wenn Frauen neben ihnen womöglich ein geschickteres Händchen in Sachen Kunstfertigkeit haben, mutmaßt Knuchel. Ans Aufhören denkt Mathilde Knuchel lange nicht. "Ich brenne für die Malerei", lässt die Malgeisterte wissen.

Die pensionierte Kunstlehrerin kam 1994 aus der Altmark in die Region zu ihrem Sohn. Zunächst gab sie Kurse an der Volkshochschule Bad Brückenau, bevor sich ehemalige Kursteilnehmer in dem Verein zusammenschlossen.

Geöffnet Gemalt wird montags, von 15 bis 18 Uhr, und dienstags, ab 9 Uhr. Auch Gäste oder Schnupperteilnehmer sind willkommen.

Kurse In Kürze gibt es die Winterkurse: Aquarellieren wie Heinz Kistler steht am Samstag, 14. Februar, auf dem Programm. Kalligraphische Versuche nach Vorbild der chinesischen Pinselmalerei ist am Samstag, 28. Februar, Thema. Um die Geheimnisse der altdeutschen Schrift geht es am Samstag und Sonntag, 14. und 15. März.

Infos Tel. 09747/ 930 907. Wolfgang Dünnebier


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