Bad Brückenau
Forst

Schön gefegt ist kontraproduktiv

Der Stadtwald Bad Brückenau ist in einem Top-Zustand. Davon konnten sich Teilnehmer eines Waldbegangs mit den Förstern überzeugen.
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Gesunder Unterbau mit Naturverjüngung im ausgelichteten Fichtenbestand des Gänsrains. Die Förster Birgit Badde und Joachim Manke (links) erläuterten den Vertretern von Stadtrat und Verwaltung die Details. Foto: Thomas Dill
Gesunder Unterbau mit Naturverjüngung im ausgelichteten Fichtenbestand des Gänsrains. Die Förster Birgit Badde und Joachim Manke (links) erläuterten den Vertretern von Stadtrat und Verwaltung die Details. Foto: Thomas Dill
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"Der Stadtwald ist von Pflege und Bestand in einem Top-Zustand", so lautete die knappe Bewertung des betreuenden Försters Jochen Manke beim Waldbegang des Stadtrats und der Verwaltung der Stadt Bad Brückenau. Seit mehreren Jahren betreut die Forstverwaltung Rupboden GmbH privatwirtschaftlich den Stadtwald Bad Brückenau.
In Zusammenarbeit mit dem Waldreferenten, Stadtrat Kurt Abersfelder, machten sich die Teilnehmer des Waldbegangs mit den Förstern Joachim Manke und Birgit Badde auf den Weg in die Gemarkung Dachsbau oberhalb der Edelruh. Zahlreiche Stadträte und Mitarbeiter der Stadtverwaltung, allen voran Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks, ließen es sich nicht nehmen, trotz der hohen Gewitterwahrscheinlichkeit, ein Sahnestückchen Brückenauer Natur in einer fast zweistündigen Exkursion zu erwandern.
"Wir stehen hier an einem Hochleistungsstandort", erläuterte Forstfachmann Manke. Der gut durchwässerte Sandstein bietet einen optimalen Standort für einen gesunden, dem Klimawandel standhaltenden Mischwald aus Buchen und Lärchen mit geringen Anteilen an Kiefer und Fichte. Wichtig für einen generationsübergreifend gesunden Wald ist die Pflege des Bodens. Er muss leitfähig und locker gehalten werden, der Nährstoffeintrag durch Altholz, Laub und Nadeln muss gewährleistet bleiben.
"Die gefegten aufgeräumten Wälder von früher sind zwar schön fürs Auge und passend zu einer Kurstadt, sind aber kontraproduktiv, da die natürliche Düngung fehlt. Totholz und Kronenholz mit weniger als zehn Zentimeter Durchmesser sollte, ja muss sogar im Wald verbleiben, um zu verrotten, da insbesondere Phosphor als mineralischer Dünger in der Baumrinde gebunden ist. Als Faustregel nannte Manke etwa drei Festmeter Totholz je Hektar Waldfläche.


Selbstwerbern missachten Wege

Dass es im Stadtwald aber auch Probleme gibt, zeigte der Fachmann den Räten der Stadt vor Ort. Die mit hohem zeitlichen Aufwand markierten Rückegassen werden offenbar von den örtlichen Selbstwerbern teilweise ignoriert. Um die Verdichtung des Waldbodens durch Gerät und Fahrzeuge zu minimieren, dürfen vom kleinen Traktor bis zum größten Holzernter (Harvester) nur diese definierten Schneisen im Wald befahren werden. Auch das zur Abfuhr bereitete Meterholz aus Buchenkronen zeigte teilweise Querschnitte weit unter den geforderten zehn Zentimetern auf. Hier sollte die Stadtverwaltung mit den zuständigen Mitarbeitern des Bauhofs schärfer reglementieren und kontrollieren, so der Rat des Fachmanns.
"Unser Bauhof ist total überlastet, trotzdem sollen wir weiter Personalkosten einsparen", sagte Bürgermeisterin Meyerdierks. Für den nächsten Haushalt soll aber über Saisonarbeitsverträge nachgedacht werden. Manke zeigte eine mit Kosten behaftete Lösungsmöglichkeit auf, um das unkontrollierte Holzmachen zu regulieren: "Die professionellen Holzrückefirmen ziehen ganze Kronen an die Wege, die Selbstwerber sind somit raus aus der Waldfläche".
Die momentan laufende Durchforstung mit gesamt etwa 400 Festmetern Laub- und Nadelholz hat neben wirtschaftlichen Aspekten des Holzverkaufs vor allem waldbauliche Ziele. Durch Kronenpflege und somit der Förderung der vitalsten und qualitativen Bäume soll die Wertigkeit des Bestands weiter gesteigert werden.
Als Bestandteil des Biosphärenreservats weist der Wald auch stehendes Totholz auf, das sich selbst überlassen wird, sofern nicht die Verkehrssicherung an Waldwegen einen Eingriff verlangt. Die absterbenden "Mutterbäume" bieten Schutz und Nahrung für Jungholz und Bodenbewuchs. Durch wirtschaftliche Auslichtung soll die Naturverjüngung gefördert werden, Anpflanzungen kosten Geld und sind durch die stark wechselnden Witterungen der letzten Jahre immer riskanter.
Im Angesicht der momentanen Starkregen machte Joachim Manke nochmals die Wichtigkeit eines vitalen Bodens deutlich. Ein gesunder Wald kann leicht 60 bis 100 Liter Wasser je Quadratmeter aufsaugen. Größte Gefahr lauert dabei bei den stark verdichteten Rückegassen, die leichter ausgeschwemmt werden können.


Ziel: Klimatoleranter Wald

Über den Dachsbau wanderten die Teilnehmer in die Waldabteilung Gänsrain oberhalb der Himmelsleiter. Hier dominiert noch die Fichte, die seit 2014 maschinell durchforstet wird. Ziel soll ein lichter Fichtenwald werden, der Selbstverjüngung auch durch Buche zulässt. Eiche und Lärche, Bäume, die viel Licht benötigen, sollen hierbei besonders freigestellt werden, um langfristig einen klimatoleranten Stadtwald zu erhalten.
Etwa fünf Stunden pro Hektar benötigten die Forstfachleute um hier noch nicht vorhandene Rückegassen auszuweisen und die hiebreifen Bäume zu markieren. Im Bereich Himmelsleiter durchschneidet ein schmaler Streifen Privatwald den Stadtwald. Hier rät Manke, dass die Stadtverwaltung das Areal aufkauft, da es zu unverhältnismäßig hohem Aufwand bei der Bewirtschaftung der angrenzenden Waldflächen kommt. Die beiden Forstfachleute zeigten immer wieder die Licht- und Schattenseiten des städtischen Waldbesitzes auf, während die Teilnehmer teils über Stock und Stein durch den Forst oberhalb von Bad Brückenau streiften.

Abteilung Dachsbau: Größe 9,75 ha, Baumalter 105 Jahre mit 60% Buche, 300%Lärche, Kiefer und Fichte je 10%; Bestandsvorart 420 Erntefestmeter je Hektar.

Abteilung Gänsrein I: Größe 28 ha, Baumalter 97 Jahre mit 75% fichte, 15%Lärche und 10% Laubholz; Bestandsvorrat 432 Efm/ha; seit 2014 ca 2000 Festmeter geerntet, davon 1650 Fm Fichte. bdt
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