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Poppenhausen (Wasserkuppe)
Tourismus

Rotes Moor als Vorbild für Parkgebühren

Nach dem Vorbild des Segelflugzentrums auf der Wasserkuppe sollen bald andere Parkplätze in der Rhön kostenpflichtig werden. Dafür soll auch der Service für Touristen verbessert werden.
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Versuchsfeld Rotes Moor: Nachdem der Landkreis dort mit Parkautomaten experimentiert, deren Akzeptanz getestet sowie ein Servicepaket zur Verbesserung der Qualität der touristischen Umgebung geschnürt hat, soll der Parkplatz am Haus am Roten Moor noch in diesem Jahr professionell bewirtschaftet werden.  Foto: Jessica Vey
Versuchsfeld Rotes Moor: Nachdem der Landkreis dort mit Parkautomaten experimentiert, deren Akzeptanz getestet sowie ein Servicepaket zur Verbesserung der Qualität der touristischen Umgebung geschnürt hat, soll der Parkplatz am Haus am Roten Moor noch in diesem Jahr professionell bewirtschaftet werden. Foto: Jessica Vey
Das Rote Moor ist seit Herbst ein Versuchsfeld, um einen Paradigmenwechsel bei der Parkplatzbewirtschaftung in der hessischen Rhön herbeizuführen: Das Parken soll künftig Geld kosten.
Seit September 2013 läuft an der hessisch-bayerischen Grenze ein Probelauf, nachdem der Landkreis zwei Automaten angeschafft hatte. "Die Gesellschaft zur Förderung des Segelflugs hat es am Flugsportzentrum vorgemacht, die nehmen zwei Euro am Tag, und es funktioniert", erklärt Bruno Günkel, Leiter der Wirtschaftsförderung des Landkreises. Die Resonanz der Autofahrer habe ihn positiv überrascht.

Er kann sich daher vorstellen, mittelfristig auch auf anderen stark frequentierten oder saisonal genutzten Parkplätzen Gebühren zu nehmen, etwa an der Fuldaquelle. In anderen Urlaubsregionen ist der gebührenpflichtige Parkplatz eine Selbstverständlichkeit, etwa am Kreuzberg. Aber nicht als Selbstzweck, wie Günkel betont: Die Reform in der Rhön sei nicht angestoßen worden, um den Haushalt des Landkreises zu sanieren. "Reich wird man damit nicht." Es gehe darum, die Bezuschussung von Parkplätzen zu senken, aber gleichzeitig mehr Service für Gäste anzubieten und die Attraktivität der touristischen Infrastruktur um die Parkplätze herum zu steigern.
Wie hoch die Einnahmen sein können, lasse sich wegen der Witterung schwer kalkulieren: "Man muss auch mit Idealismus da rangehen."

Gerade am Loipen-/Nordic-Aktiv-Zentrum am Roten Moor habe es in der Vergangenheit eine Reihe von Problemen gegeben: Unter anderem wurde im Winter entlang der Bundesstraße geparkt - auch beidseitig - so dass an guten Wintersporttagen schwer durchzukommen war. "Der Parkplatz am Roten Moor füllt sich atypisch, nicht allmählich, sondern an guten Tagen innerhalb von einer Stunde", erklärt der Wirtschaftsexperte. Daher müsse zukünftig ein Handverkauf der Tickets und eine Einweisung gewährleistet werden, um Einnahmen zu erhalten, ein Automat wäre damit überfordert. Serviceverbesserung bedeute aber auch, dass im vergangenen Winter die Loipenpflege besser organisiert und die Skiwanderwege freigeschnitten worden sind. Zudem sollen am Roten Moor Informationen zum touristischen Angebot gegeben werden.

Bewirtschaftung überlassen

Zukünftig will der Landkreis über eine so genannte Dienstleistungsvereinbarung einer Kommune, einem Unternehmer oder Verband die Bewirtschaftung des rund 110 Parkbuchten umfassenden Parkplatzes am Roten Moor überlassen. Diese Vereinbarung sieht laut Günkel vor, dass der Anbieter den Parkplatz bewirtschaftet, Loipen um das Zentrum und den Bohlenpfad im Roten Moor pflegt und sauber hält sowie über Schneelage und touristisches Angebot informiert. Im Gegenzug steht ihm ein Prozentsatz der Einnahmen aus den Parkgebühren zu. Es soll auch die Möglichkeit geben, dass der Bewirtschafter einen freiwilligen Loipen-Euro erhebt, um die Loipenpflege zu finanzieren - bislang beteiligt sich der Landkreis daran. "Die Vereinbarung wollen wir noch in diesem Jahr abschließen", sagt Günkel. Das Projekt müsse nicht europaweit ausgeschrieben werden, sondern es könnten drei vier Anbieter aufgefordert werden, ihr Interesse zu bekunden und in Verhandlungen mit dem Landkreis zu treten.

Gersfeld interessiert

Die Stadt Gersfeld hat ihr Interesse bereits vor Beginn des Interessenbekundungsverfahrens signalisiert. "Wir brauchen einen flexiblen Partner, der die jeweilige Wetter- und Verkehrssituation vor Ort kennt und den Service verbessern kann", sagt Günkel.
Zuvor müssten auch noch einige praktische und rechtliche Fragen geklärt werden. Etwa, ob es Ausnahmen für die Besucher gibt, die im Haus am Roten Moor einkehren, oder ob eine Jahreskarte eingeführt werden kann.
Norman Zellmer



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