Bad Brückenau
Workshop

Rhönallianz: Ortskerne als Potenzial sehen

Etliche Bürger brachten sich beim Workshop zum Ländliche Entwicklungskonzept ein. Die Brückenauer Rhönallianz hatte geladen.
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Diskussionen, Stifte und Papier: Beim Workshop der Brückenauer Rhönallianz brachten sich etliche Bürger ein. Foto: Stephanie Elm
Diskussionen, Stifte und Papier: Beim Workshop der Brückenauer Rhönallianz brachten sich etliche Bürger ein. Foto: Stephanie Elm
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Es nagt der Zahn des allseits bekannten demographischen Wandels an den Dörfern. In den Orten der Rhönallianz hat Prof. Martin Schirmer vom Büro Schirmer Architekten & Stadtplaner gleich 807 Leerstellen mit insgesamt 144 Hektar entdeckt. Was zunächst mit deprimiertem Blick als Lücke angesehen wird, kann auch ein Potenzial sein. Die Teilnehmer der Innenentwicklungswerkstätten für die Ortsteile von Bad Brückenau, Motten und Zeitlofs folgten den Spielregeln des Workshops: "Haben Sie Visionen!" und "Stellen Sie sich vor, Geld spielt keine Rolle". Nach der anfänglichen Angst vor dem leeren Blatt sprudelten bald die Ideen. Bei aller Vielfalt der verschiedenen Orte gab es Parallelen und Gemeinsamkeiten.


Dorfmittelpunkte schaffen

Die gewünschte Konzentration auf ein Zentrum fällt auf: Sei es die klassische Linde, deren Umfeld ausgedehnt, begrünt und gepflastert werden soll, oder ein neues "großzügiges Gemeindezentrum", das Feuerwehr, Kindergarten und Vereinsräume beinhalten soll, wie es sich die Volkerser Delegation für eine unbebaute Grünfläche vorstellt.

In Römershag war als Mittelpunkt das Gebiet um die Gastwirtschaft angedacht. Dieses solle mit "Dorfambiente" versehen werden. Die Besinnung auf Historisches könne auf Informationstafeln, eventuell auch einem Informationsplatz gezeigt werden. "Die Gäste sollen erkennen, was das Dorf ausmacht", sagte Karin Bauer. Ortssprecher Dieter Seban (CSU) hatte hier die alte Krugbäckerei im Sinn, in deren Tonerzeugnissen das Brückenauer Heilwasser exportiert wurde.

Auch für die Stadt selber, die bereits durch das Förderprogramm "Stadtumbau West" versorgt ist, fiel den Römershägern noch einiges ein. Ein Bio-Hotel im alten Finanzamt, die Ludwigstraße als Spielstraße, ein Spielplatz im Georgi-Park, ein Kneippbecken an der Sinn, die regelmäßige Öffnung des Pfarrgartens und die Öffnung zur und Einbeziehung der Sinn sind Ideen, die auch den Brückenauern gefallen würden. Knackpunkt bei einigen Dörfern ist die Ortsdurchfahrt. Oft dient sie momentan lediglich zum "Durchrauschen". Die Vision ist, sie und die angrenzenden Anwesen so attraktiv zu gestalten, dass Touristen und Gäste anhalten. Willkommensschilder würden dazu einladen. Eine funktionierende Gastwirtschaft ist dann nicht nur Wunsch, sondern ein Muss.


Viele Ideen für Zeitlofs

Verweilt ein Gast im Ort, will man eine ansprechende Mitte präsentieren zu können. Bis jetzt sind Plätze und Straßen dem Verkehr gewidmet. Wunsch vieler Workshop-Teilnehmer ist: Verkehr raus, Aufenthalt her. Genannte Maßnahmen wären hier die Verlegung von Bushaltestellen, Pflaster statt Asphalt, Sitzgelegenheiten, Brunnen und Begrünung (Zeitlofs). In den neuen Marktplatz könnte man das alte Backhaus integrieren sowie einen Fahrradweg auf den alten Gleisen.

Auch der Punkt "Bahnhof" war öfters Thema. Industrie, Gewerbe oder Handwerk haben die Teilnehmer im Geiste an den verfallenden Orten gesehen (Zeitlofs). Andere stellten sich dort einen Jugendtreff mit Grillplatz vor (Rupboden), wenigstens aber eine "Optimierung". Kirchen, die von alters her schon zentrumsbildend waren, sind nun von Asphalt umgeben. Die Zeitlofser hätten gerne den Kircheingang verlegt, damit er nicht direkt an der Straße ist.


Erlebnisgasthaus in Motten?

In Motten wünscht man sich eine komplette Neugestaltung bis zur Kreisstraße. Eine Erlebnisgastronomie wäre hier dezentral denkbar, im Ort gibt es viele schöne Ecken. Das Areal Feuerwehr und Rathaus solle aufgelockert werden. "Auflockern", "ein bisschen schön gestalten", "attraktiv" und sogar "hipp" - solche Vokabeln fielen in nahezu jeder Ideen-Darbietung.

Einen ganz anderen Ansatz präsentierte Detter. Es fehlen Arbeitsplätze. Im alten Bankgebäude könnte dank bester Internetgeschwindigkeit ein Software-Entwicklungs-Zentrum angesiedelt werden. "Ein Dorfplatz alleine reicht nicht." Ein Wellnesshotel und Wanderwege mit entsprechender Vermarktung wären ein Ziel. Ein altes Hofgut stünde zur Verfügung.

Manche Bürger denken größer und weiter. Das schon lange nicht mehr genutzte und bereits oft diskutierte Gasthaus der Will Bräu in Motten könne wiederbelebt werden, allerdings sollen angrenzende Bauten rückgebaut werden. Andere Orte haben - rückblickend mit Reue - bereits Gebäude abgerissen, die sich - mit heutiger visionärer Sicht - für einen Dorfladen, Gemeindezentrum oder ein Mehrgenerationenhaus eignen würden. Die Besinnung auf die eigene Dorfgeschichte, einem Alleinstellungsmerkmal, fand man als Basis für Visionen öfters vor. Die Krugbäckerei in Römershag, Strecke 46 in Rupboden, Gewölbekeller in Motten oder die Siedlungshöfe in Weißenbach sind identitätsstiftend und tragen zum Heimatbewusstsein bei.

Aus den gesammelten Ideen wird Prof. Schirmer für jeden Ort einen Steckbrief mit Vorschlägen erstellen. Die Gemeinderäte müssen darüber beraten, welche innerörtlichen begrenzten Gebiete sie dann weiterentwickeln möchten. Über die Brückenauer Rhönallianz können die Projekt gefördert werden.

Auch für Geroda, Oberleichtersbach, Riedenberg und Schondra fand ein Workshop statt.

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