Bad Brückenau

Realität verdrängt die Nostalgie

Sie waren noch Ende des vorigen Jahrhunderts Schauplätze stilvoller Feiern. Jetzt gammeln die ehemaligen Gasthäuser vor sich hin.
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Seit über einem halben Jahr sind die Wirtshaustüren beim "Gasthof zum Stern" zu. Das menschenleere und verlassene Gebäude mitten in der Altstadt sollte schon mehrfach zu neuem Leben erweckt werden. Konkret passiert ist bisher aber noch nichts. Fotos: Rolf Pralle
Seit über einem halben Jahr sind die Wirtshaustüren beim "Gasthof zum Stern" zu. Das menschenleere und verlassene Gebäude mitten in der Altstadt sollte schon mehrfach zu neuem Leben erweckt werden. Konkret passiert ist bisher aber noch nichts. Fotos: Rolf Pralle
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"Das waren noch Zeiten", flüchten sich zumindest ältere Bad Brückenauer noch heute in nostalgische Erinnerungen an jene Tage, in denen es in der Stadt noch eine florierende Gastronomie gab. Und manchmal war man in der Rhön sogar fast der sprichwörtliche Nabel der Welt. Denn beispielsweise im "Gasthof zum Stern" in der Altstadt gaben sich noch in den 1980-er Jahren Prominente aus Film und Fernsehen, Sport und Show sowie aus der Politik praktisch die Türklinke in die Hand.

Doch irgendwann ging es mit dem Traditionslokal mächtig bergab. Den genauen Zeitpunkt können selbst treue Stammgäste aus jenen Tagen nicht mehr benennen. Einige bescheinigen dem ehemaligen Sternwirt Alfred Schäfer mangelndes wirtschaftliches Denken und private Probleme, andere machen diverse äußere Umstände für den Niedergang verantwortlich. Auf jeden Fall war der Prozess schleichend. Auch Sohn Franz-Josef, der den Betrieb wieder auf Vordermann bringen wollte, scheiterte. Seit Mai dieses Jahres ist die Lokaltür des denkmalgeschützten Anwesens fest verschlossen.


Erfolglose Verhandlungen

Immer wieder keimten in den vergangenen Monaten Gerüchte auf, die Hoffnung auf eine Wiederbelebung des Traditionsgasthauses machen sollten. Fakt ist, dass es durchaus Verhandlungen auf unterschiedlichen Ebenen gegeben hat. Aber die sind genauso schnell gescheitert, kaum dass sie konkret begonnen hatten. Die Meinungen der beteiligten Gesprächspartner seien nicht miteinander vereinbar gewesen, heißt es aus Insider-Kreisen.

"Das Haus gehört noch der Bank", bringt Bernd Reuter den aktuellen Sachstand auf den Punkt. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Raiffeisenbank Nüdlingen bestätigt, dass man das Objekt verkaufen wolle. Man sei in die professionelle Vermarktung eingestiegen, demnächst würden wieder einige Sondierungsgespräche geführt. "Interessenten sind da, auch aus dem Raum Bad Brückenau", bestätigt der Finanzexperte, ohne weiter ins Detail zu gehen.

Noch wesentlich länger als der "Stern" steht mittlerweile der Gasthof "Zum Grünen Baum" in der Bahnhofstraße leer. An exponierter Stelle am Eingang der Stadt bietet sich den Autofahrern aus Richtung Staatsbad oder Hammelburg seit Jahren ein Bild des Verfalls.


Kein schöner Anblick

Auch dieses Objekt, Eigentümer ist eine Familie aus dem Offenbacher Raum, wird von einem Makler betreut. "Hoffnung keimt immer wieder auf, wenn sich Interessenten melden", sagt David Schmidt vom Würzburger Standort des bundesweit tätigen Unternehmens Planet Home. Bisher seien die Verkaufsgespräche aber immer wieder am Preis gescheitert.


Keine Handlungsmöglichkeit

Auch im Bad Brückenauer Rathaus macht man sich regelmäßig so seine Gedanken über den "Stern" und den "Grünen Baum". Der Verwaltung sind momentan aber die Hände gebunden, da es sich bei beiden Objekten um Privateigentum handelt. Erst wenn die allgemeine Verkehrssicherheit beispielsweise durch herunterfallende Dachziegel oder einstürzendes Gebälk gefährdet ist, könnte die Stadt einschreiten, so Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU). Die Kommunalpolitikerin hofft, dass es nicht so weit kommen wird. "Denn wenn erst einmal Sicherungsmaßnahmen angeordnet werden müssen, wird es für die Eigentümer richtig teuer", bestätigt auch ein Fachmann, der mit diesen Dingen Erfahrung hat.

Kein Geheimnis macht die Bürgermeisterin daraus, dass es in der Vergangenheit Überlegungen gegeben hat, aus dem "Grünen Baum" nach Renovierung und Umbau eine Asylantenunterkunft zu machen. "Dieses Thema ist für das Objekt aber durch", zieht die Rathauschefin einen endgültigen Schlussstrich.

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