Bad Brückenau
Friedhof

Ort der Würde ohne Barriere

Auch Gehbehinderte sollen in Kürze den alten städtischen Friedhof bequemer erreichen können. Langfristig ist sogar eine Neugliederung des gesamten Wegenetzes geplant.
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Hier soll der behindertengerechte Zugang entstehen. Friedhofsreferent Eberhard Schelle zeigt die Stelle, wo der Durchbruch von der Fuldaer Strasse aus geplant ist. Fotos: Rolf Pralle
Hier soll der behindertengerechte Zugang entstehen. Friedhofsreferent Eberhard Schelle zeigt die Stelle, wo der Durchbruch von der Fuldaer Strasse aus geplant ist. Fotos: Rolf Pralle
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Die vermehrten Klagen aus der Bürgerschaft sind im Rathaus auf offene Ohren gestoßen. Der alte städtische Friedhof in Bad Brückenau soll einen behindertengerechten Zugang erhalten. Das Vorhaben steht kurz vor der Realisierung.
Konkret handelt es sich dabei um einen ebenerdigen Durchbruch vom Fußweg an der Fuldaer Strasse aus, und zwar in dem Bereich, wo im Augenblick noch die Boxen für die Friedhofsabfälle stehen. Er ist nur wenige Meter von den Behindertenparkplätzen vor dem Haupteingang entfernt. Die Ausführung der Arbeiten verzögert sich momentan einzig und allein wegen personeller Engpässe im Bauamt und beim Bauhof.
"Die Mittel für die Maßnahme sind im Haushalt eingestellt", bestätigt Standesamtsleiter Hans-Joachim Bauer, in dessen Ressort der Friedhof fällt. Man überlege nur noch, ob man die Arbeiten mit eigenen Kräften erledigen könne oder ein Bauunternehmen beauftragen müsse.

Pläne existieren schon

Ein Anfang im Hinblick auf Barrierefreiheit an den Toren sei zumindest gemacht. Darüber freut sich auch der Friedhofsreferent des Stadtrates, Eberhard Schelle (PWG), der dieses Thema immer wieder angestoßen hat.
Aber die Verwaltung hat noch mehr vor. "Langfristig ist eine Neugliederung des gesamten Wegenetzes auf dem Friedhof geplant", bestätigt Bauer. Pläne dazu würden im Rathaus bereits existieren und zum Teil sogar ausführungsfertig in der Schublade liegen. Was auf den ersten Blick in der Theorie recht unproblematisch erscheine, stelle sich in der Praxis aber wesentlich schwieriger dar: "Uns fehlen derzeit einfach noch die Flächen". Konkret heißt das, dass man warten muss, bis beispielsweise Gräber aufgegeben werden. Erst dann könne man entsprechend reagieren. Am augenblicklichen Bestand wolle und dürfe man auch nicht rütteln, beruhigt Bauer eventuell besorgte Hinterbliebene.
"Nichts ist so beständig wie der Wandel, das gilt auch bei der Bestattungskultur", hat der Standesbeamte im Laufe seines Berufslebens festgestellt. So habe es bis Anfang der 90-er Jahre auf dem Friedhof in der Stadt praktisch nur Erdbestattungen gegeben. Später ging der Trend eindeutig zur Urne.
Das geschah in Bad Brückenau allerdings nicht ganz freiwillig. Seinerzeit wurde nämlich das Problem nicht verwesender Leichen immer augenfälliger. Das lag an der Beschaffenheit des schlechten Untergrunds. "Der Boden war praktisch wie ein Schwamm, der das Wasser aufsaugte", erinnert sich Bauer. Dieser Umstand sei dem Verwesungsprozess überhaupt nicht förderlich gewesen.

Steinwüste ist verschwunden

Erst der damalige Bürgermeister Hans Rohrmüller habe der unschönen Angelegenheit, die schon viele Jahre bekannt war, ein Ende gemacht. So gab es unter anderem eine strikte Bestattungsbeschränkung, Umbettungen wurden erforderlich und mit großem Aufwand realisiert.
Heute erinnert nichts mehr an die Ereignisse vor über 20 Jahren - ganz im Gegenteil. Nicht ohne Stolz verweist Bauer darauf, dass der Friedhof früher eine "Steinwüste" fast ohne Bäume war, mittlerweile sich aber sogar ein parkähnlicher Charakter entwickelt hat. Die lange Blütezeit der verschiedenen Gewächse biete fast ganzjährig ein attraktives Bild. Jetzt halte sich der Besucher gern und auch längere Zeit auf dem Friedhof auf, der für viele sogar die Eigenschaft einer Stätte der Ruhe und Erholung besitzt.

Expertenkommission kommt

Auf Grund dieser positiven Entwicklung ist es in den Augen der Verantwortlichen nur folgerichtig, dass Bad Brückenau in bei der Aktion "Unser Friedhof - Ort der Würde, Kultur und Natur" mitmacht. Eine Expertenkommission wird am 18. Juni alle Friedhöfe der Zweibäderstadt bei einer Begehung in Augenschein nehmen und ihr fachkundiges Urteil abgeben.







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